Wer hat noch nie gerätselt, was es mit dem blauen Container auf sich hat, der seit Juni auf den weissen Parkplätzen auf der Bielstrasse steht? Dient er der Papiersammlung? Ist es vergessenes Alteisen? Oder gar etwas Obskures?

Die Recherchen führen uns zu Bernhard Furchner und die Antwort ist überraschend. Der freiberufliche Musiker und frisch pensionierte Lehrer sammelt nämlich gebrauchte Geigen.

400 Stück seien es bisher, von der Violine bis zum Cello – und die Sammlung werde voraussichtlich bis zum November weitergehen. Anschliessend will er die ungewöhnliche Fracht nach Kuba schicken.

«Der 6-Meter-Container ist bereits zu klein. Als ich ihn kaufte, hätte ich mir das nicht vorstellen können», sagt der ehemalige Konzertmeister des Grenchner Stadtorchesters und Gründer des Chors der Nationen schmunzelnd.

Alles fing damit an, dass der Solothurner Geigenbauer Kuno Schwab Furchner anvertraute, wie sehr es ihn reut, alte und beschädigte Geigen zu vernichten. Innerhalb der Schweiz gibt es dazu kaum eine Alternative, da sich die Kosten für die Reparatur der meisten Instrumente nicht lohnen.

Der Preis für die Restauration alter Geigen – grosse Namen wie Stradivari einmal ausgenommen – lohnt sich nicht im Vergleich zum Preis neuer Instrumente.

Auch wertvolle Instrumente

In Kuba ist die Ausgangslage ganz anders: «Die Menschen dort haben Harmonie und Rhythmus im Blut. Das fasziniert mich. Ausserdem wird das Interesse an Musik in jeglicher Form gefördert, und die Ausbildung ist sehr gut. Das gehört zu den Dingen, die sie in Kuba wirklich im Griff haben», sagt Bernhard Furchner, der gut die Hälfte des Jahres im Inselstaat lebt. Aber: «Instrumente sind Mangelware.»

Deshalb hat Furchner sich im Frühling entschlossen, einige Schweizer Geigenbauer zu kontaktieren und sie um Ausschuss-Instrumente sowie Ersatzteile zu bitten. Die Begeisterung, die sein Projekt auslöste, habe ihn überrascht. Einzelne Donatoren hätten ihm sogar unbeschädigte und teure Geigen anvertraut mit der Bitte, die Instrumente vielversprechenden Talenten in Kuba persönlich zu überreichen. Dass diese Kostbarkeiten nicht im Container auf den Transport warten, versteht sich von selbst.

Umfangreiches Inventar zum Schutz vor Korruption

Inzwischen ist Bernhard Furchner wieder zu seiner Lebenspartnerin nach Kuba gereist. Der Container steht auf dem Parkplatz vor seinem Haus an der Bielstrasse, wo Furchner ihn mit Erlaubnis der Stadtpolizei bisher lagern durfte. Nicht mehr lange: Michael Herzog, der Leiter der Verkehrspolizei, sagt auf Anfrage, dass der Container «in den nächsten paar Tagen entfernt und anschliessend privat gelagert wird».

Vor der Abreise hatte Bernhard Furchner folglich alle Hände voll zu tun, nicht bloss damit, die Spenden in Empfang zu nehmen: «Die gesamte Sendung wird inventarisiert, bis zur allerletzten gebrauchten Saite.» Einerseits verlangten die Einfuhrbestimmungen diesen Aufwand, andererseits stelle das Inventar eine Versicherung gegen die verbreitete Korruption in Kuba dar.

Ein Monatslohn für eine Geige

Damit die Spende vollumfänglich den kubanischen Musikern und Schulen zugutekommt, ohne dass ein Teil den Umweg über den Schwarzmarkt nimmt, führe Furchners Partnerin den Container als «privaten künstlerischen Bedarf» ein, erklärt der Initiant des Projekts. Zuerst würden die Instrumente in der Umgebung von Havanna repariert und anschliessend für umgerechnet 30 Franken pro Stück abgegeben.

«Das entspricht einem kubanischen Monatslohn. So viel muss der Traum von der Geige den Leuten Wert sein. Verschenken käme nicht gut», ist er überzeugt. Den Erlös aus dem Geigenverkauf will er für künftige Geigensammlungen verwenden. Denn das ist für Bernhard Furchner klar: «Diese Sendung ist erst der Anfang. Weitere werden folgen.»

www.violinen-fuer-kuba.ch