Das Inserat in der Zeitung und in der Fachpresse rief selbst bei Fachleuten Stirnrunzeln hervor: Infolge «Betreibung auf Pfändung» wird am 1. September auf dem Betreibungsamt Solothurn ein Flugzeug versteigert. Nicht ein Grashüpfer für Hobby-Piloten, sondern ein Geschäftsflugzeug grösseren Kalibers vom Typ Falcon 200 des französischen Herstellers Dassault. Das zweistrahlige Flugzeug mit bis zu 10 Plätzen ist so gross, dass es vom Flughafen Grenchen nicht starten könnte. Die Piste wäre zu kurz.

Warum wird dann das Flugzeug im Kanton Solothurn versteigert? Ein Blick ins Luftfahrtregister zeigt: Die Maschine mit der Immatrikulation HB-VNG ist auf die 2001 gegründete Firma Sphinx Wings AG zugelassen. Firmensitz Müllerhof Solothurn, einziger Verwaltungsrat: der Solothurner Anwalt und Multi-Verwaltungsrat Conrad Stampfli.

Solothurner Grounding

Ein kleines Solothurner Grounding zum Gedenken an die Swissair selig? - In gewissem Sinne, ja. Denn Stampflis Geschichte zur Pfändung «seines» Flugzeuges tönt fast ebenso abenteuerlich. «Die Firma Sphinx Wings AG hat den Jet im Auftrag eines ausländischen Kunden gekauft und Betrieben», erzählt Stampfli. Das Flugzeug sei in Basel und Zürich stationiert und sei von dort aus auch regelmässig geflogen. Mit Wartung und Betrieb ist die spezialisierte Firma Jet Aviation betraut.

Zur Pfändung kam es laut Stampfli wegen einer Änderung der steuerlichen Rahmenbedingungen. Die Flüge des Jets waren bisher mehrwertsteuerpflichtig. Jetzt wurde er wegen einer Praxisänderung von dieser Steuer befreit. «Stattdessen hätte der Besitzer Jahre nach dem Kauf eine Einfuhrumsatzsteuer von 7,6 Prozent des Kaufpreises nachzahlen sollen», erklärt Stampfli. Sein Klient sei nicht gewillt gewesen, diesen Betrag zu bezahlen. Immerhin habe das Flugzeug beim Kauf 10 Mio. Dollar gekostet. Der Business-Jet wurde somit auf Betreiben des Steueramts gepfändet und wird jetzt versteigert.

Beliebte Schweizer Kennzeichen

Wem der stattliche Business-Jet wirklich gehört, will Stampfli nicht sagen. «Ein wohlhabender Ausländer», lässt er durchblicken. Dass Vertreter des globalen Jet Set ihre Flugzeuge in der Schweiz immatrikulieren lassen war laut Aviatik-Journalist Max Ungricht lange gängige Praxis. Einerseits aus steuerlichen Gründen, anderseits, weil ein Flieger mit der Schweizer Kennung (HB) fast überall problemlos landen darf. Heute hätten allerdings andere Destinationen mit weniger Gebühren und Papierkram die Nase vorn.

Die betreibungsamtliche Schätzung der Maschine wurde von den Solothurner Behörden bei bescheidenen 170 000 Franken angesetzt, was etwa ihrem Schrottwert entspräche. Schliesslich müsse man auch mit dem Fall rechnen, dass sich niemand für den Flieger interessiere, heisst es dort auf Anfrage. Wenn man die Maschine ausschlachten lasse, sei mit etwa diesem Ertrag zu rechnen.

Eine Trotzreaktion?

Im Internet ausgeschriebene Flugzeuge des Typs Falcon 200 kosten aber 1,8 Mio. Dollar und mehr. Auch wenn der Flieger mit einer Nachsteuer von mehreren hunderttausend Franken belastet ist, liesse sich deutlich mehr für ihn lösen als das Mindestgebot der Versteigerung. Die Maschine ist zwar schon 26-jährig und im Vergleich zu aktuellen Modellen teuer im Betrieb und Unterhalt. «Ich verstehe aber nicht, warum der Eigentümer den Jet nicht wenigstens normal zu verkaufen versucht», sagt Ungricht.

Das versteht nicht einmal Conrad Stampfli selber. Er vermutet eine Trotzreaktion des Besitzers aufgrund der auferlegten Steuern. «Er macht jetzt einfach die Faust im Sack und lässt den Dingen ihren Lauf.» Er selber habe dafür auch wenig Verständnis und sei inzwischen als Verwaltungsrat der Sphinx Wings zurückgetreten, sagt Stampfli.

Wie es mit dem Flieger weitergeht, ist somit an der öffentlichen Versteigerung am 1. September um 14 Uhr auf dem Betreibungsamt Region Solothurn zu erfahren. Von ernsthaften Interessenten wird laut Vorankündigung nebst einer Baranzahlung von 15000 Fr. auch ein Finanzierungsausweis der Steigerungssumme erwartet.