Eine der betroffenen Personen wurde offenbar bereits in der Voruntersuchung befragt. An einer Pressekonferenz warnten die GRK-Mitglieder aber vor einer Vorverurteilung. Frühere Angestellte fühlen sich durch den Bericht in ihrer eigenen Wahrnehmung bestätigt. Beispielsweise der ehemalige Finanzverwalter Rudolf De Toffol, welcher auch zu den Vorwürfen gegen Boris Banga befragt wurde. Dennoch sagt er ganz diplomatisch: «Wo Rauch ist, ist auch Feuer.» Für ihn ist sicher, dass eine derart umfangreiche Voruntersuchung eine gewisse Objektivität geniesse. Zu konkreten Beobachtungen und dem, was er von anderen Angestellten erfahren musste, will sich De Toffol aber nicht äussern.

Ihm gegenüber habe sich der Stadtpräsident nie so viel getraut wie gegenüber anderen. Dass jetzt bruchstückweise Informationen an die Öffentlichkeit geraten, berge zudem ein gewisses Risiko. «Der Bericht sollte veröffentlicht werden. Damit sich die Leute endlich ein Bild machen können.»

Nicht anders sieht das Anna Messerli, die ehemalige Leiterin Amt für Kultur. «Die GRK muss den Mut haben, den Stadtpräsidenten zum Rücktritt aufzufordern oder dann wenigstens den ganzen Bericht publik machen.» Auch sie sei «geplagt» worden, gerade in ihrem letzten Jahr. «Ich bin froh, bin ich pensioniert.» Besonders brisant: Gemäss Messerli war der Grund für die Schikanen die «unheilvolle Allianz» zwischen dem Stadtpräsidenten und seiner Frau, der Ex-Präsidentin der Kinderbilderbuchtage Barbara Banga.

«Nur Freund oder Feind»

«Selbstherrlich», «uneinsichtig» und ein «Stadtkönig» sei Boris Banga. Bietet ihm jemand Paroli, werde er «heruntergeputzt», sagt ein pensionierter Polizist, welcher viele Jahre unter Banga arbeitete. Er selbst habe einmal darunter leiden müssen. Zwar habe Banga trotzdem viel Gutes für Grenchen getan. Aber was man jetzt lesen könne, stimme «hundertprozentig». Vor allem die Ehefrau des Stadtpräsidenten habe die Probleme mitzuverantworten, meint auch er.

Einigen ehemaligen Angestellten fehlt nach wie vor der Mut, öffentlich zu ihrer Meinung zu stehen. Gewisse Aussagen sind aber typisch und lassen sich wie folgt wiedergeben: Stadtpräsident Banga sehe nur schwarz und weiss – es gebe für ihn nur Freund oder Feind. Leute würden eingeschüchtert, würden sich nicht getrauen, über Bangas Führungsstil zu sprechen. Auch Angestellte wie Rechtskonsulent Ruedi Junker hätten ihre Probleme gehabt. Kritik hagelt es derzeit auch auf der Internetplattform grenchen.net, wo der frühere Schuldirektor Teddy Buser kein gutes Haar am Stapi lässt. Stadtbibliothekarin Brigitte Stettler hat inzwischen ihren sofortigen Rücktritt aus der SP bekannt gegeben, weil die Partei all jene «Opfer verhöhne», welche unter Boris Banga zu leiden gehabt hätten.

Für Mobbing gibt es zwar noch keine Beweise, doch die Personalprobleme im Stadthaus sind offensichtlicher denn je. Und immer wieder fällt zusätzlich der Name der First Lady, welche als Kinderkrippenleiterin dem Stadtpräsidenten unterstellt ist. Eine Verstrickung, die die früheren Stadtangestellten stört. Wohl deshalb hat die GRK nun als eine erste konkrete Massnahme vor, die Kinderkrippen der Verantwortung des Stadtpräsidenten zu entziehen.