Die Firma Thommen Medical AG will ihre Struktur in der Schweiz vereinfachen. Das Unternehmen hat historisch bedingt in der Schweiz zwei Standorte betrieben. Während der Standort Grenchen ausgebaut wird, wird man auf Anfang 2014 den Hauptsitz in Waldenburg BL schliessen und nach Grenchen verlegen. Für Grenchen bedeutet dies rund 20 neue Arbeitsplätze.

Neubau heisst nicht Wachstum

Nicht immer, wenn in der Grenchner Industriezone ein neues Gebäude entsteht, steckt ausschliesslich Firmenwachstum dahinter. Eine neue Halle auf dem Grundstück von Thommen Medical an der Neckarsulmstrasse steht für Konsolidierung und Effizienzsteigerung.

«Die Zahnimplantate-Branche bewegt sich seit 2009 weitgehend seitwärts und muss sich an neue Gegebenheiten anpassen. Davon sind auch wir betroffen», erklärt Livio Marzo, Geschäftsleitungsmitglied der Thommen Medical AG, die Teile für den künstlichen Zahnwurzelersatz wie Implantate Prothetikkomponenten und Instrumente entwickelt, produziert und weltweit vertreibt.

Das KMU ist bei dieser Stagnation in bester Gesellschaft mit börsenkotierten Firmen wie Straumann oder Nobel Biocare, die ebenfalls ihr Geschäft neu ausrichten müssen. Allerdings habe Thommen Medical AG als kleinerer Anbieter mehr Flexibilität bei der Umgestaltung des Geschäftsmodells, meint Marzo.

Keine Billigstrategie

«Die Anzahl der Anbieter von Dentalimplantaten ist in den letzten Jahren stark gewachsen», erklärt er einen Trend der Branche. Dabei würden auch sehr billige Implantate aus Fernost angeboten, die sich aber häufig wegen Qualitätsmängel bei den Produkten oder Dienstleistungen als nachteilig für den Patienten herausstellen. Diesen Weg wolle Thommen Medical AG keinesfalls beschreiten, und halte am sehr wertvollen Produktions- und Entwicklungsstandort Schweiz fest. «Qualität bleibt auch im sich verändernden Gesundheitsmarkt prioritär.»

Für den Dentalhersteller Thommen Medical AG heisst dies: Zuverlässige Produkte für Patienten und Anwender anbieten und gleichzeitig effizienter werden. «Zwei Standorte mit teilweise redundanter Infrastruktur macht einfach wenig Sinn», so Marzo weiter.

Deshalb werden die beiden Standorte Grenchen und Waldenburg fusioniert. Konkret werden die basellandschaftlichen Arbeitsplätze, also Geschäftsleitung, Forschung und Entwicklung sowie weitere Funktionen nach Grenchen verlegt, wo bisher die Produktion an der Neckarsulmstrasse ansässig ist.

Neues Gebäude für Vertrieb

Dieser Schritt führt zum Bezug des Neubaus am westlichen Ende des Thommen-Grundstücks. Denn im 2006 bezogenen Hauptgebäude ist nicht genügend Platz für die neuen Abteilungen.

Der Neubau wurde ursprünglich als Gewerbebau konzipiert und soll neu die ThommenVertriebsabteilung und das Auslieferungslager beherbergen. Mit der Kostenreduktion im Stammhaus könne Thommen Medical AG am Markt wieder besser agieren und seine Position auch bei geringerem Umsatzwachstum deutlich verbessern.

Novartis bleibt Teilhaber

Gegründet wurde das Unternehmen im August 2001 und befindet sich heute zu einem Grossteil im Besitz von zwei privaten Investorengruppen und Novartis. Thommen Medical AG beschäftigt heute weltweit zirka 120 Personen und hat Tochtergesellschaften in der Schweiz, Deutschland, Österreich, Benelux, USA und Kanada.