Wer am Sonntagabend dem Herbstkonzert des Stadtorchesters beiwohnte, wurde musikalisch durch ganz unterschiedliche Epochen und Orte geführt. Durch diese Zusammensetzung entstanden keine Brüche, im Gegenteil wurden Brücken zu verschiedenen Musikstilen aber auch Kulturen gebaut.

Alle Darbietungen waren virtuos und spannend interpretiert: Daniel Polentarutti fesselte mit brillanter Stabführung, das starke Orchester (am Cembalo: Kathrin Nünlist) und die vier erstklassigen Solisten überzeugten von Anfang bis Schluss.

Im ersten Teil des Abends tauchte das Publikum mit Johann Sebastian Bach und Antonio Vivaldi in die Zeit des Barocks ein. Bachs a-moll Konzert für Violine, Streicher und Basso continuo (BWV 1041) konnte tief berühren und einen sogar um jedes Wort bringen.

Im zweiten Satz, einem äusserst innigen Andante, wird dem Solisten viel Raum geboten, sodass sich die Geige vollkommen über einem Bass-Fundament des Orchesters auszubreiten vermag. Die zehnjährige Sophie Branson zog dabei in den Bann, indem sie mit ihrer Geige eine Geschichte erzählte, der man unbedingt zu Ende lauschen wollte.

Sophie Branson, geboren in einer britisch-russischen Familie, beherrscht das Geigenspiel meisterhaft. Sie tritt international an Konzerten auf und nimmt an Meisterkursen an der Zakhar Bron-Schule in Zürich teil.

 Orientalisches Ambiente

Nach der Pause reiste das Publikum mit arabischen Klängen in den Orient des 21. Jahrhunderts. Der sudanesische Ali Osman komponierte durch «Fusion» ein faszinierendes Stück, in welchem die Streicher selbst zu Perkussionsinsten werden. Das Stadtorchester meisterte dies gekonnt. Samir Essahbi spielte dabei die Riqq, die arabische Schlagtrommel, feinfühlig und innig.

Schnell, leis, laut, langsam. Essahbi führte im Anschluss mit der Djembé auf und packte mit genialen, rhythmischen, Trommelklängen. Dabei hatte er die Lacher auf seiner Seite, als er mit den Händen auf seine Wangen klopfte und den Mund verschiedenartig öffnete, um damit zu zeigen, dass sich so verschiedene Klänge erzeugen lassen.

Emotional, schräg, witzig

Um 1720 entstand Vivaldis einziges Originalkonzert für zwei Celli (g-moll, RV 531), das durch den kadenzartigen Anfang hohe Emotionalität erhält: Auf das spannungsgeladene, ergreifende Allegro, folgt das tieftraurige Largo, um anschliessend als Finale wieder in ein beschwingtes Allegro zu münden.

Alain Schudel und Daniel Schaerer (Duo Calva) brachten eine beeindruckende Interpretation auf die Bühne, die hin und wieder zum Schmunzeln anregte. Übertrieben, aber treffend stellten sie mimisch die verschiedenen Gefühle der einzelnen Passagen dar und spielten mit Blicken zum Orchester und dem Dirigenten. Dieses Konzert ist auch teil der «Suite Alpine», die Fabian Müller für das Duo und ein Streichorchester komponiert hat.

Zu ihr gehört weiter eine Kurzversion der Tell-Oper. Sie enthält Elemente der Schweizer Volksmusik, wobei Requisiten des Alpenlebens zum Musizieren verwendet werden. Ländler, aber auch Polka, Mazurka und schottische Elemente waren herauszuhören.

Dazu gab es Tanzeinlagen, in welchen das Duo das Sennenchäpi aufsetzte und ihre Celli umarmten. Wegen der sehr hohen Dissonanz des Stücks war die Aufführung ein Wagnis, die jedoch beim Publikum sehr gut ankam und begeisterte.

Ein gelungener Abschluss bildete die letzte Zugabe, in der das Stadtorchester und das Duo Calva Offenbachs Infernal Galop anstimmten, und Essahbi auf der Riqq spielte. Schaerer und Schudel tanzten dabei gekonnt über die Bühne.