Schon wieder steht das Lichtsignal auf Rot. Geduld ist gefragt. Das spüren in diesen Tagen und Wochen viele Grenchnerinnen und Grenchner. Die Kirchstrasse, seit uralter Zeit die wichtigste Nord-Süd-Verbindung in unserem zur Stadt gewordenen Dorf, wird komplett saniert. Die Wartezeiten und Verkehrsbehinderungen sind zwar mühsam, aber für mich ein wichtiges äusseres Zeichen, dass die Politik in Grenchen nach vorwärts bestrebt ist. Nachdem der Unterhalt vieler Strassen jahrelang (wenn nicht sogar jahrzehntelang) hinausgeschoben wurde, wurden und werden nun an etlichen Strassen die Kofferung und Beläge neu gebaut. Das Erscheinungsbild der Stadt wird besser, die Lärmentwicklung weniger, das Fahren mit allen Fahrzeugen angenehmer. 

Mit dem «Kompass Standortentwicklung» haben wir im Gemeinderat einstimmig die Richtung auf «Wohnen und Leben» gestellt. Die Einstimmigkeit freut mich sehr. Ein Zeichen des Zukunftsglaubens für unsere Stadt. Es soll vorwärtsgehen. Nicht nur mit der Sanierung der Strassen. Gerade im baulichen Bereich gibt es noch weit mehr zu machen für die beabsichtigte Steigerung der Wohn- und Lebensqualität. Als stossend empfinde ich beispielsweise seit langem, dass der Stadt Grenchen eine Querung der SBB-Linie für den Langsamverkehr fehlt. 

Will man mit dem Velo von der Stadtmitte in die Witi oder zum Sportzentrum fahren, hat man nur die Wahl über die stark von Autos frequentierte Unterführungsstrasse oder Leimenstrasse/Flughafenstrasse. Ich beneide die Stadt Solothurn, die seit Jahrzehnten eine Unterquerung der Bahnlinie westlich des Bahnhofes West hat und vor einigen Jahren in Nullkommanichts beim neuen Bahnhof Allmend eine zweite Velounterführung erhielt.

Gleiches gilt für Bellach beim neuen Bahnhof. Aber die nun fast 18 000 Einwohnerinnen und Einwohner von Grenchen dürfen sich mit einem Spiessrutenfahren auf der Unterführungsstrasse und der Flughafenstrasse begnügen.

Es ist mir bekannt, dass eine Unterführung für den Langsamverkehr bei der ehemaligen Landi seit einiger Zeit angedacht ist. Wir von der CVP haben schon vor Jahren ein entsprechendes Postulat eingereicht. Aber eigentlich nervenaufreibend ist für mich die Tatsache, dass eine solche Unterführung schon vor Jahrzehnten hätte eingefordert und gebaut werden müssen. In Grenchen hat man sich (man = Gemeinderat) seit der Krise der Uhrenindustrie zu oft mit Brosamen begnügt und immer Angst gehabt, dass man (man = die Grenchner Steuerzahlerinnen) alles selber berappen muss. Gerade das Beispiel der Unterführung zeigt es, dass die SBB durchaus auch in der Pflicht ist. Denn eine einzige Unterführung in der Mitte des Bahnhofs ist vor 100 Jahren sicher richtig gewesen, passt aber nicht mehr in die heutige Zeit mit den extremen Längen eines Intercity-Zuges. 

Somit bleibt mir die Hoffnung, dass ich eine Unterführung von der Girardstrasse in die Brühlstrasse dereinst noch werde befahren können. Aber bitte nicht erst mit dem Rollator.

*Peter Brotschi, Kantons- und Gemeinderat (CVP)