Grenchen
Dumpfer Knall beim Übergang bald passé: 21-jährige Archbrücke wird durch Teilsanierung leiser

Von Anfang Juli bis Ende Oktober wird die 21-jährige Archbrücke in Grenchen saniert und nur einspurig befahrbar sein. Das Ziel ist es die Brücke für die nächsten 10 bis 15 Jahre in einen guten Zustand zu versetzten.

Oliver Menge
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Archbrücke
14 Bilder
 Lukas Hofstetter, Projektleiter Kunstbauten beim Kanton Solothurn, der den Lead bei den Arbeiten hat.
 Träger Oberseite, hier wird der Korrosionsschutz repariert.
 Die vier Treppen werden alle entfernt und saniert. Stufen werden mit Alu-Riffelblech überzogen
 Träger Unterseite, hier wird der Korrosionsschutz repariert.
 Die Entwässerungsleitung der Strasse wird abgedichtet.
 Die vier Treppen werden alle entfernt und saniert. Stufen werden mit Alu-Riffelblech überzogen
 Fahrbahnübergang, der Teil der zwischen Brücke und Festland ist, wird ersetzt.
 Wasserabflüsse werden abgedichtet
 Träger Oberseite, hier wird der Korrosionsschutz repariert.
Sanierung Archbrücke Sanierung Archbrücke Im Bild: Träger Oberseite, hier wird der Korrosionsschutz repariert.
 Westansicht der Brücke
 Schallschutzmatten auf der Seite des Fahrbahnübergangs
 Träger Oberseite, hier wird der Korrosionsschutz repariert.

Archbrücke

Oliver Menge

Es sind 21 Jahre vergangen seit der Einweihung der Archbrücke. Nun ist eine erste Sanierung notwendig geworden, mit schwergewichtig zwei Baustellen: den Fahrbahnübergängen und dem Korrosionsschutz. «Wir wollen mit einer Teilsanierung die Brücke für die nächsten 10 bis 15 Jahre in einen guten Zustand versetzen und sparen dadurch viel Geld», erläutert Lukas Hofstetter, Projektleiter Kunstbauten beim Kanton Solothurn.

Bei einer Totalsanierung müsste man die ganze Brücke einpacken, den alten Korrosionsschutz beispielsweise mit Sandstrahlern entfernen und neu auftragen. Das sei insbesondere über Wasser eine heikle Aufgabe, die schnell ins Geld gehen könne. Die Kosten wären ungleich höher, als die aktuell veranschlagte eine Million Franken. Aber dennoch müssen nun Arbeiten ausgeführt und punktuelle Schäden geflickt werden, die bis Ende Oktober eine einspurige Verkehrsführung mit Lichtsignalisation sowie eine Einschränkung der Schifffahrt im Brückenbereich mit sich bringen.

Der Übergang zum Festland

Die Verbindung der Brücke zum Ufer, der sogenannte Fahrbahnübergang, wird durch ein feingliedriges System gebildet, bei dem Stahlfinger ineinandergreifen. Hofstetter erklärt: «Durch dieses System werden die Ausdehnungsschwankungen der Brücke aufgefangen.»
Man unterscheide zwischen «Kriechen» und «Schwinden» beim Beton sowie den Schwankungen aufgrund der Temperatur.

«Die Betonelemente wurden unter Spannung durch die innenliegenden Spannungskabel zusammengezogen und haben so an Ausdehnung verloren. «Kriechen» bezeichnet die Verformung des Betons im Laufe der Zeit unter einer konstanten Spannung. Dazu komme das sogenannte Schwinden, die Volumenverminderung des Betons im Laufe der Zeit, bedingt durch Feuchtigkeitsabgabe und chemische Reaktionen. «Das macht auf die ganze Länge der Brücke rund 10 Zentimeter aus», erklärt der Projektleiter.

Den grössten Teil dieser Verkürzung der Brücke sieht man auf der Solothurner Seite. Und man hört sie vor allem: Sitzt man unter der Brücke, ist jedes Mal, wenn ein Auto die Verbindung überquert, ein dumpfer Knall zu hören. Bei Lastwagen durch das höhere Gewicht wird nicht nur der Knall lauter, man spürt am Fuss des Pfeilers sogar die Vibration. Das Tierheim Aarebrüggli hat unter dem Lärm zu leiden, denn auch die seitlich angebrachten Schalldämmungen helfen nur bedingt.

Die Verformung des Betons ist nach 21 Jahren weitgehend abgeschlossen. «Inzwischen haben wir nur noch Ausdehnungsschwankungen Sommer - Winter von wenigen Zentimetern», erklärt Hofstetter. Deshalb – und weil der bestehende Übergang beschädigt ist, muss man den Fahrbahnübergang erneuern.

Die Stahlkonstruktion wird freigelegt, indem man den Beton mit Wasserhöchstdruckstrahlern wegfräst – mit einem Druck von rund 1500 bar oder sogar noch höher. Der Stahl wird dabei nicht beschädigt. Danach kann man die freigelegte Konstruktion entfernen und eine neue, schmalere, einsetzen. «Wir werden die Arbeiten so legen, dass jeweils eine Hälfte der Fahrbahn befahrbar bleibt, mit einer Rotlichtregelung und einer Busbevorzugung.» Fussgänger werden im Baustellenbereich umgeleitet – man werde auch das Trottoir für den Verkehr benutzen.

Korrosionsschutz immer noch gewährleistet

«Die Archbrücke wurde seinerzeit mit einem Korrosionsschutz versehen, der 15 Jahre plus halten soll. Wir haben eine genaue Analyse gemacht und festgestellt, dass der Korrosionsschutz auch nach 21 Jahren in gutem Zustand ist – besser als erwartet – und nur punktuell bei Schweissnähten oder bei Übergängen von Stahl zu Beton geflickt werden muss», erläutert Hofstetter. Auf der Oberseite wird man die beiden Träger und die Kabelverbindungen von Hebebühnen aus sanieren können.

Die Unterseite der Brücke mit den grossen Stahlträgern gestaltet sich etwas schwieriger: «Die Arbeiten erfolgen von einem Gerüst aus, das auf einem Ponton steht, welches mit hydraulischen Stützen im Wasser unter der Brücke fixiert wird.» Dieses Ponton ist etwa so breit wie die Brücke und etwa halb so lang. «Das bedeutet, dass auch die Schifffahrt eingeschränkt wird: Die Durchfahrtsbreite beträgt minimal 25 Meter.» Man sei von Seiten des Kantons eng mit der Bieler Schifffahrtsgesellschaft BSG in Kontakt und es bestehe selbstverständlich auch ein Alarmdispositiv.

Auf der Unterseite der Brücke nisten Tauben. Man müsse insbesondere den äusserst aggressiven Taubenkot entfernen um festzustellen, ob dadurch Schäden am Korrosionsschutz entstanden seien und diese gegebenenfalls beheben. Ansonsten wurden mit Untersichtgeräten bereits Schwachstellen ausgemacht und kartografiert, man wisse im Grossen und Ganzen, was einen erwarte, sagt Hofstetter.

Um die Lebensdauer des Korrosionsschutzes über die nächsten Jahre noch besser beurteilen zu können, will man an bestimmten, ausgewählten Stellen Muster definieren, die in 5-10 Jahren Auskunft über den Zustand geben sollen. «Weiter werden wir die Entwässerung der Strasse sanieren. Denn an manchen Stellen sind die Leitungen undicht und das Wasser – im Winter mit Salz versetzt – fliesst in den Beton und richtet dort Schäden an.»

Auch die vier Treppen, die an beiden Ufern auf den Seiten der Brücke nach oben führen, werden grundlegend überholt. Man wird je zwei Treppen zusammen abmontieren und zum Metallbauer bringen, wo die Stufen neu mit einem Alu-Riffelblech überzogen und der Korrosionsschutz ausgebessert wird. Der aktuelle Stufenbelag hat an manchen Stellen Löcher und die Stolpergefahr ist gross. Im gleichen Zug will man unter der Brücke an den Pfeilern am Ufer die bestehenden Graffiti entfernen und die Oberfläche des Betons mit einem Graffiti-Schutz versehen.

Der Strassenbelag auf der Brücke wird im Gegensatz nicht saniert, der sei noch in gutem Zustand, sagt der Projektleiter. Auch am Elektrischen werde nichts gemacht. Die SWG hat auch nicht vor, die Beleuchtung zu ersetzen.

Gemeinsames Projekt – Lead in Solothurn

Die Brücke ist Eigentum der Kantone Solothurn und Bern, der Lead bei der Sanierung liegt in diesem Fall beim Kanton Solothurn. Die Kosten werden zwischen den beiden Kantonen aufgeteilt. Auch das Astra, von dem man die Brücke übernommen hatte, wird einen Teil der Kosten tragen. Baubeginn ist der 9. Juli mit dem Einrichten der Signalisation. Am 15 Juli beginnt die Firma Walo Bertschinger aus Gümligen mit den Arbeiten.

Lesen Sie ausserdem die Geschichte zur Brücke:

Verbindung Bern – Solothurn: Die Geschichte der Brücken bei Arch