Seit gestern ist wieder etwas mehr Leben im Bahnhof Süd eingekehrt: Im östlichen Teil des kleineren Gebäudes ging ein Take-away auf, der «Bahnhof Imbiss Süd». Im Angebot: Dürüm, Kebab, Salate, Fischteller, Hamburger, Cevapcici und andere Schnellgerichte. Über zwei Jahre stand das Lokal leer, was nicht gerade zur Attraktivierung des Areals beitrug. Die SBB als Besitzerin der Liegenschaften suchten schon lange einen Mieter, um das Angebot beim Bahnhof zu ergänzen, denn nebst dem «Avec» und der vor einiger Zeit erneuerten Schalterhalle lädt nicht viel zum Verweilen ein. Und schliesslich hatte man die Gebäude in Zusammenarbeit mit der Stadt vor rund drei Jahren saniert.

«Wir hatten einige Interessenten für das Lokal und führten intensive Gespräche», erklärte Franziska Frey von der SBB-Medienstelle. Aber keines der Gespräche habe zu einem Vertragsabschluss geführt. Unter den Interessenten auch der Grenchner Bäcker Philipp Egli, der dort ein Café einrichten wollte, in letzter Sekunde aber abgesprungen ist. «Schade, wir hätten gerne mit dem Egli Beck zusammengearbeitet», sagte Frey, denn man sei sich eigentlich handelseinig gewesen.

Triftige Gründe für den Absprung

Weshalb Egli sein Projekt letztendlich nicht umsetzen wollte, hat aber triftige Gründe. Dazu Egli: «Ich wollte, dass sich die SBB am Umbau finanziell beteiligen. Denn laut Vorschrift muss zwingend eine Toilette für die Mitarbeiter eingebaut werden, die Gäste hätten die Toilette im Bahnhof benutzen können.» Die SBB hätten ihm einen Fünfjahresvertrag angeboten, sprachen aber bereits von einer Umsatzbeteiligung für die Zeit danach. Für ihn wäre es das Mindeste gewesen, wenn die SBB die Finanzierung der Toilette, also 20 000 bis 30 000 Franken, übernommen hätten, «denn schliesslich ist das eine Investition in die Liegenschaft für eine feste Installation, die bestehen bleibt». Aber die SBB wollten nichts von einer Beteiligung an den Investitionen wissen, bestanden aber auf der Umsatzbeteiligung.

Ein weiterer Grund sei der Umstand, dass die Baudirektion auf dem Eingang nördlich bestehe, der sich direkt bei der Bushaltestelle befindet. Für ein Café ein ungeeigneter Eingang, wenn wartende Passagiere ständig den Eingang blockierten, meint Egli. Er hätte folglich den östlich gelegenen Seiteneingang ebenfalls öffnen müssen, «und das gibt sofort einen ungemütlichen Durchzug.» Egli hätte auch interessiert, wann die Neugestaltung der Bahnhofumgebung von der Stadt in Angriff genommen wird, aber darauf habe ihm niemand eine konkrete Antwort geben können. Das seien die Gründe, weshalb er von dem Projekt zurückgetreten sei.

Die Liegenschaft sei alles andere als einfach zu vermieten gewesen, sagte Franziska Frey, und man sei bei den SBB sehr froh darüber, endlich eine Lösung gefunden zu haben. Halit Isbilir, der Inhaber des Bahnhof Imbiss Süd, biete ein breites Angebot an Schnellgerichten an und man sei zuversichtlich, dass man mit ihm gut zusammenarbeiten werde, so Frey.
Eine eigentliche Eröffnung gab es gestern nicht, der Laden öffnete einfach zu den normalen Öffnungszeiten. Allerdings bietet Isbilir bis Sonntag ein Eröffnungs-Angebot - Kebab oder Dürüm für einen Fünfliber. Zur Mittagszeit tummelten sich bereits einige Dutzend Kunden im Laden, wie ein Augenschein zeigte.

Tropfen auf den heissen Stein

Mit der Eröffnung des neuen Fast Food Lokals ist man mit der Attraktivierung des Bahnhofs Süd aber noch lange nicht dort, wo man sein will: In Kürze werden die SBB mit den Arbeiten zur Umgestaltung des Parkplatzes beginnen (wir berichteten), und auch die Velofahrer sollen im Zug dieser Arbeiten von neuen Veloständern profitieren können. Wie lange es noch dauert, bis sich die Grenchner Politiker dazu bewegen lassen, die Gelder für die Neugestaltung der Umgebung des Bahnhofs Süd zu bewilligen, steht in den Sternen. Vorerst bereichert nur ein weiterer Fastfood-Laden das gastronomische Angebot in der Stadt.