Am heutigen 11.11. fällt der erste Startschuss für alle Fasnachtsbegeisterten – schon bald werden die Nähmaschinen für die Guggen-Kostüme in Betrieb genommen, und die ersten Verse für die Schnitzelbänke sind in Arbeit. Ein guter Moment, um ein Geständnis abzulegen: Ich bin keine Fasnächtlerin. Es hat nicht sollen sein. Dabei wären meine Gene vielversprechend: Mein Vater hat eine halbe Ewigkeit in der Hilarizunft Schnitzelbänke fabriziert, und als Kind kannte ich nichts Schöneres als den Rummelplatz mit seinen Schiessständen, der pinken Zuckerwatte und den wilden Bahnfahrten; ein paar davon spendiert vom Polizeichef persönlich, der in unserem Block wohnte. Der Rummelplatz behielt seinen Zauber auch in meinen Teenagerjahren, wobei der Reiz in dieser Zeit vor allem darin bestand, am Rand der Putschibahn sehnsüchtig nach meinem aktuellen Schwarm Ausschau zu halten.

Doch trotz dieser guten Bedingungen ist nichts aus einer Fasnachtskarriere geworden. Ich mache mehrere Faktoren dafür verantwortlich: Der Genpool mütterlicherseits hat dazu geführt, dass ich nicht nähen kann; ich hasse es, Masken zu tragen, und die Hilarizunft würde mich nicht in die Schnibako aufnehmen, da ich zwar ein paar gemeinhin dem männlichen Geschlecht zugeordnete Eigenschaften habe, die entscheidenden biologischen aber nicht besitze.

So habe ich das Projekt «Claudia wird ein Grenchner Narr» aufgegeben. Als Entschädigung stelle ich mir gern vor, wie es wohl an den legendären Maskenbällen im früheren Institut Breidenstein, dem heutigen Bachtelen, zu- und hergegangen ist. Ob es wohl beim Tanzbeinschwingen im hohen Saal auf dem Edelparkett unter den Leuchtern zu Skandalen und Skandälchen kam, nach dem Motto «fromm im Alltag, fröhlich-frei in der Fasnacht»?

Dabei sollen weder meine Fasnachtsabstinenz noch diese nostalgischen Überlegungen die Grenchner Fasnacht anno domini 2018 schmälern – das Narrenleben blüht und gedeiht mit Zünften und Guggen, und ich freue mich schon darauf, in gut drei Monaten aus sicherer Entfernung den Plausch oder die Goschenacht, den Umzug oder die kleine, aber feine Beizenfasnacht mit ihren gepfefferten Versen gen Solothurn zu geniessen und in Erinnerung an alte Zeiten auf dem Rummelplatz eine Zuckerwatte zu kaufen. Bis es so weit ist, müssen sich die Fasnachtsenthusiasten noch etwas gedulden, aber zum Glück unterhält uns Grenchen in der Zwischenzeit mit Theatervorstellungen, Konzerten, dem Weihnachtsmarkt und vielem mehr. Ich selbst feiere deshalb den Fasnachtsstart heute im Kleintheater Grenchen, wo Schertenlaib & Jegerlehner musikalisch und kabarettistisch Zunder geben. Immerhin ähnelt das Logo des Kleintheaters bei wohlwollender Betrachtung sogar einer Maske. In diesem Sinn: «Gäh mer afe chli Gas … zum Dürästartä!»