Bettlach

«Dr Goalie bin ig – nicht ganz freiwillig»

In unserer Serie «Sportstadt Grenchen» stellen wir heute eine Frauenfussballerin vor. Marina Güggi spielt beim FC Bettlach in der 3. Liga Frauenmannschaft. Die 26-Jährige ist ein Multitalent.

Auf dem Fussballplatz des FC Bettlach haben der Trainer und seine Assistentin einen Parcours mit Pfosten, kleinen Hindernissen und Plastikhütchen aufgestellt – heute steht Konditionstraining auf dem Programm. Für die Frau, die heute von dieser Zeitung portraitiert wird, war ursprünglich ein spezielles Goalietraining angesetzt. Aber sie wird nach dem Interview zu den anderen Frauen stossen und das Konditionstraining absolvieren, wie sie.

Seit nunmehr 13 Jahren spielt Marina Güggi Fussball in einem Verein, doch schon als kleiner «Grööggel» habe sie ständig einen Ball am Fuss gehabt, sagt die junge Frau. «So konnten meine Eltern mich ruhig stellen», meint sie lachend. Dies, obwohl sie als Einzelkind aufgewachsen ist, ihr keine Brüder als Vorbild dienten. Und doch hat Marina das Fussballspiel im Blut: Ihr Grossvater, Eduard Güggi, war aktiver Grenchner Fussballer.

In Grenchen aufgewachsen und in Zuchwil gespielt

Marina Güggi wuchs in Grenchen auf und besuchte hier auch die Schulen. Mit 13 Jahren kam sie zu den Juniorinnen beim FC Zuchwil und spielte später beim neu gegründeten FFC Zuchwil bei den U-18 Juniorinnen. Seit 2012 ist sie nun beim FC Bettlach. Die Frauenmannschaft von Bettlach ist die einzige in der Region Grenchen.

Ihr Trainer, Peter Oggier, seit 17 Jahren Frauenfussballtrainer, hat vor einem Jahr den Trainerposten in Bettlach übernommen. Er bezeichnet Marina als ein Multitalent. Technisch sehr versiert und vielseitig einsetzbar. Oggier war vorher Trainer in Zuchwil und arbeitet seit acht Jahren mit Assistenztrainerin Marlies Halter zusammen, einer ehemaligen Nati-Spielerin, die ebenfalls in Zuchwil spielte.

Lieber auf dem Feld spielen als im Tor stehen

Marina ist also ein Multitalent. Denn eigentlich spielt sie als Feldfussballerin im Angriff. Aber dann kam alles anders. Die Frau, die im Tor stand, wollte auch aufs Feld. Marina machte einen Deal mit ihr: fifty fifty. Weil sie auch als Goalie eine gute Falle machte, stand sie die Hälfte der Spiele im Tor, die andere Hälfte auf dem Feld. Und als die Kollegin, mit der sie sich den Goalieposten teilte, ihren Rücktritt aus der Mannschaft gab, blieb der Job unweigerlich an ihr hängen. «Es ist ohnehin schwierig, Nachwuchs zu finden und noch schwieriger, einen guten Goalie zu finden. Aber wir suchen aktiv, denn ich will wieder aufs Feld», sagt die junge Frau dezidiert.

Die gelernte Detailhandelsverkäuferin, die in der Sportartikelbranche ihre Ausbildung machte und arbeitet, trainiert zweimal pro Woche, zusätzlich wird während der Saison ein Spiel pro Woche gespielt. «Daneben schwimme ich viel und mache zu Hause Krafttraining.» Marina Güggi ist über eine Kollegin zum Triathlon gestossen, eine interessante und fordernde Sportart, die sie sehr reize.

Die Unterschiede zwischen Männer- und Frauenfussball

Vorerst aber bleibt sie dem Fussball treu. «Ich will so lange spielen, wie es geht und ich Freude daran habe.» Die Frauenmannschaft des FC Bettlach spielt in der 3. Liga. Innerhalb des Clubs seien die Frauen sehr gut integriert und akzeptiert. «Dumme Sprüche von den Männern gibt es zwar immer noch zwischendurch, aber wir geben zurück», meint sie lachend. Gefragt, wo die grössten Unterschiede zum Männerfussball liegen, sagt Trainer Oggier: «Frauen spielen weniger kampfbetont, ihr Spiel ist viel technischer». Bei den Frauen gebe es in jeder Liga sehr gute Spiele zu sehen. Ohne Spuckerei, ohne Theater. (Fehl)entscheide der Schiedsrichter würden besser akzeptiert, ohne dass sich die halbe Mannschaft um den Schiri scharen und diesen unter Druck setzen müsse. «Wir Frauen stecken so was schneller weg, als die Jungs. Und wir stehen auch wieder auf, wenn wir gefoult werden», ergänzt Marina.

Frauen, die Fussball spielen, sind rar, dies trotz der Euphorie, welche man erst kürzlich bei der Frauenfussball-Weltmeisterschaft erleben konnte. Auch die Mannschaft von Bettlach hat Mühe, Spielerinnen zu finden. «Dabei wäre die Gelegenheit gerade ausgezeichnet, um einzusteigen. Just auf Saisonbeginn haben einige Spielerinnen den Austritt aus der Mannschaft und den Rücktritt vom aktiven Fussball gegeben. Sei es, weil sie heiraten und Kinder bekommen, sei es, weil die berufliche Situation es nicht mehr erlaubt. «Der harte Kern ist geblieben, zum Glück. Und heute sind auch nicht alle da beim Training, einige sind in den Ferien.» Ausserdem hätten ihm einige der Frauen, die nicht mehr aktiv in der ersten Mannschaft seien, zugesichert, dass sie im Notfall, wenn zu wenige Spielerinnen da seien, einspringen würden. «Wir suchen dringend noch ein paar motivierte Spielerinnen, insbesondere eine Torfrau. Interessierte können sich bei unserem Trainerduo melden.»

Auch neben dem Fussballplatz werden Freundschaften gepflegt

«Wir sind sowieso ein Super-Team und unternehmen auch neben dem Fussballplatz viel gemeinsam. So fahren wir jährlich zu einem Skiweekend, gehen nach den Spielen meist noch zusammen aus oder ein paar von uns besuchen zusammen Openairs.» Man treffe sich auch öfters ausserhalb der Trainings und daraus ergeben sich oft sehr gute Freundschaften.

Grosses Vorbild für die junge Sportlerin sind nicht etwa die internationalen Spielerinnen, wie die Amerikanerinnen Megan Rapinoe und Alex Morgan, die Brasilianerin Marta Vieira da Silva, die Schwedin Fridolina Rolfö, die sie zwar sehr bewundert. Nein, Marina Güggi war schon immer Fan des Schweizer Fussballers Tranquillo Barnetta, der 2008 zum Schweizer Fussballspieler des Jahres gewählt wurde. Er ist ihr Vorbild: «Ein guter Fussballspieler, immer torgefährlich. Einfach sympathisch und bodenständig.»

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