Rund 15 Personen haben sich am Samstagmorgen an der Dorfstrasse in Bettlach eingefunden, um der Versteigerung des Dorfkiosks beizuwohnen, welcher aufgrund einer Pfändung zwangsversteigert wird.

Die meisten von ihnen sind Zuschauer, welche eine Versteigerung hautnah miterleben wollen. Aber nicht nur. Die Interessenten haben sich bereits in Stellung gebracht und besprechen entweder ihre Taktik, inspizieren die feilgebotene Ware oder rechnen nochmals akribisch genau deren Wert.

Zähes Ringen

Dargeboten werden zwei Posten. Einerseits das Kioskhäuschen selbst und andererseits, was mehr Aufmerksamkeit erregt hat, der ehemalige Inhalt von diesem: Über 460 Schachteln Zigaretten, 200 Zigarillos und 1000 Feuerzeuge stehen zum Verkauf. Ausserdem gehören noch diverse andere Artikel wie Batterien, Papers, Autodüfte, Zigarettenfilter und Tabak dazu.

Nachdem die Spielregeln bekannt gegeben worden sind, eröffnet Vollzugsbeamter Stefano Mangiapane die Versteigerung mit der Frage nach dem ersten Gebot. Gestartet wird mit gerade einmal 50 Franken. Die Bieter gehen mit Bedacht vor. Jeder weitere Schritt muss gut überlegt sein. Schnell kristallisieren sich drei Bieter heraus, die um die begehrte Ware wetteifern.

Die 900er-Marke ist schnell erreicht, nun wird sukzessiv in 10-Franken-Schritten erhöht. Ein zähes Ringen um den Kioskinhalt hat begonnen, denn jede Preiserhöhung schmerzt und mindert später den eigenen Gewinn beim Weiterverkauf. Die Bieter warten deshalb immer wieder bis kurz vor Schluss, bis sie ein neues Gebot abgeben. Zwischenzeitlich werden in Teams die Köpfe zusammengesteckt, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Nach gut 10 Minuten ist der Spuk vorbei und Mangiapane ruft: «2050 Franken zum ersten, zum zweiten und zum dritten. Verkauft!» Eine stolze Summe, welche die Erwartungen deutlich übertroffen hat. Das freut die Verantwortlichen und überrascht die Bieter. Denn da liege später nicht mehr viel für den eigenen Verdienst drin, erklärt einer der Mitbieter.

Keiner will den Kiosk

Weniger erfreulich verläuft hingegen die Versteigerung des Kiosks selbst. Für das zwölf Quadratmeter grosse Gebäude, welches sanierungsbedürftig ist, vermag sich niemand zu erwärmen. Nach einer langen Minute des Schweigens springt der Grundstückseigentümer ein und kauft die kleine Hütte für 100 Franken. «Damit haben wir gerechnet», sagt Petra Lerch, die zuständige Sachbearbeiterin des Betreibungsamtes. Denn bereits zur Vorbesichtigung des Kioskhäuschens habe sich leider niemand gemeldet.

«Versteigerungen finden heute kaum noch öffentlich statt, sondern über Internetportale wie ricardo», erklärt Lerch. Die Gründe dafür seien vor allem finanzieller Natur. Denn Aufwand und Kosten können auf diese Weise relativ gering gehalten werden. Ausserdem habe man mit dieser Variante gute Erfahrungen gemacht. Vor allem gepfändete Autos fänden auf diese Weise oftmals einen neuen Besitzer.

Eine Kioskversteigerung erlebe man zwar nicht alle Tage, aber der spektakulärste Fall sei es dann aber doch auch nicht gewesen, sagt Lerch. Dieser Titel gebührt einem Flugzeug, einer Cessna 175B, welches vor einigen Jahren auf dem Flugplatz Grenchen gepfändet und zwangsversteigert wurde.

Für Bettlach scheint jedenfalls eine kleine Ära zu Ende zu gehen. Rund 40 Jahre soll der Kiosk das Dorfbild mitgeprägt und dabei mehrere Generationen von Bettlacher Schulkindern mit «Schläckzüg» versorgt haben. Es sei äusserst schade, dass der Dorfkiosk nach all den getrotzten Widrigkeiten der letzten Jahre nun doch endgültig schliessen müsse, lautet deshalb auch der einhellige Tenor unter den Anwesenden. Ob der Rollladen des einst beliebten Treffpunktes wirklich für immer unten bleibt, steht zwar noch in den Sternen, aber in einer Zeit, wo das Kiosksterben bittere Realität geworden ist, dürfte die Chance auf ein Wiederaufleben eher marginal ausfallen.