Bettlach
Doppeltes Unglück für den Bettlacher Schulleiter Markus Flury

In den Bettlacher Schulen herrscht Bestürzung. Schulleiter Markus Flury hat seine Stelle per Ende Juli 2011 gekündigt. Das Beispiel von zeigt exemplarisch dringenden Handlungsbedarf im kantonalen System auf.

Patrick Furrer
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Hinter diesen Mauern herrscht Bestürzung, weil der Bettlacher Co-Schulleiter kündigen musste. fup

Hinter diesen Mauern herrscht Bestürzung, weil der Bettlacher Co-Schulleiter kündigen musste. fup

Solothurner Zeitung

In den vergangenen acht Jahren hatte er 50 Prozent als Schulleiter und 50 Prozent als Oberstufenlehrer gearbeitet – künftig will er nur noch unterrichten, aber das aus gutem Grund: Die Anforderungen an Schulleitungen sind stetig gewachsen, beispielsweise durch die Abschaffung des kantonalen Schulinspektorats.

Für Schulleiter Flury ging die Schere zwischen Belastung und Belohnung immer mehr auseinander. Vor zwei Jahren lehnten die Behörden eine Entlöhnung nach (früherer) kantonaler Empfehlung ab. Als Flury als Schulleiter eingestellt wurde (die Grundausbildung hatte er in den Ferien absolviert und selber finanziert), arbeitete er mehrere Jahre zum gleichen Lohn, den er auch als Lehrer verdiente. Nach Erlangung des schweizerischen Schulleiterdiploms lehnte der Gemeinderat auch dort die empfohlene Lohnklasseneinstufung ab.

Der Bettlacher Schulleiter ist kein Einzelfall, wie Albert Arnold, Präsident des Verbands der Schulleiterinnen und Schulleiter des Kantons Solothurn (VSL) weiss. Anders als in Kantonen wie Aargau oder Bern sind Schulleiter im Kanton Solothurn nicht wie Lehrer angestellt, sondern gelten als Kaderangestellte der Gemeinde. Der Gesamtarbeitsvertrag ist nicht gültig. Die Gemeinde entscheidet gemäss Dienst- und Gehaltsordnung (DGO) über die Entlöhnung und Pensen, verbindliche Vorgaben existierten nicht, wie beim Amt für Volksschule und Kindergarten auf Anfrage erklärt wurde. Eine einheitliche Lösung fehlt, jede Gemeinde zahlt nur so viel, wie sie will.

«Zu Trotteln degradiert»

Der Kanton subventioniert die Schulleitungen mit Beiträgen. Weil er erkannt hat, dass die Aufgaben zugenommen haben, wurden der Pauschalbeitrag kürzlich von 400 auf 560 Franken erhöht, dies speziell im Hinblick auf die Einführung der speziellen Förderung. «Das reicht aber noch nicht», erklärt Verbandspräsident Albert Arnold. Dessen sei man sich bewusst, und daran werde gearbeitet. Die Kündigung Flurys zeige die Schwachstelle des Solothurnischen Systems auf. Solothurn habe grundsätzlich «eine unglückliche Variante gewählt».

Hinzu kommt: Die kantonalen Empfehlungen wurden Anfang Jahr mit der neuen Schulleitungsverordnung abgeschafft. Zwar haben die Verbände neue Empfehlungen erarbeitet, dieses haben sich aber noch nicht etabliert.

Dass dies für die Schulleiter ein Problem darstellen kann, weiss auch FDP-Gemeinderätin Barbara Leibundgut, die Verantwortliche Bildung in Bettlach. «Schulleiter müssen gute Bedingungen haben, um arbeiten zu können. Denn sie leisten sehr viel, was sich in Stunden und Minuten gar nichts ausdrücken lässt.» Dass Markus Flury seine Stelle gekündigt hat, sei sehr bedauernswert, aber sie habe Verständnis.

Auch sie kritisiert das System. «Wären die Schulleitungen über den Kanton geregelt, würde dies das Ganze wahnsinnig erleichtern.» Die Lehrerschaft des Schulhaus Büelen hat die Gemeinde schriftlich gebeten, die Voraussetzungen für den Schulleiter zu verbessern, doch erfolglos. Ein Leserbriefschreiber folgert schliesslich, dass «die Schulleiter im Kanton Solothurn zu Trotteln degradiert werden».

Immerhin: Besserung in Aussicht

Das Bettlacher Beispiel zeigt noch eine zweite Unzulänglichkeit im System auf. Denn Markus Flury hatte doppeltes Pech. Normalerweise haben Lehrpersonen ab dem 58. Altersjahr eine Altersentlastung von wöchentlich 3 Lektionen zugute. Um diese zu erhalten, muss ein Minimalpensum von 23 Lektionen währen der 4 vorangegangenen Jahren nachgewiesen werden. Wie aus einem Schreiben des inzwischen 59-jährigen Schulleiters hervorgeht, war ihm vor vier Jahren versichert worden, dass seine Arbeit als Schulleiter später als so genannte schulnahe Tätigkeit angerechnet werde, damit er eine Altersentlastung erhalte. Markus Flury bestätigt dies, will aber weiter keine Stellung nehmen.

Fakt aber ist: Gemäss GAV gilt eine Schulleitung kurioserweise doch nicht als schulnahe Tätigkeit. «Ein noch unkorrigierter Fehler», wie VSL-Präsident Albert Arnold es bezeichnet. Die Folge daraus: Markus Flury muss nun zuerst wieder 4 Jahre als Lehrer mindestens eben 23 Lektionen unterrichten, bevor er eine Altersentlastung erhält.

Aktuell sind bei der Gesamtarbeitsvertragskommission des Amts für Volksschule und Kindergarten zwei Eingaben des Schulleiterverbands hängig. Zum einen soll die Schulleitung konkret als schulnahe Tätigkeit aufgenommen werden, damit Fälle wie der von Markus Flury nicht wieder vorkommen. Mit der zweiten, separaten Eingabe wird gefordert, dass künftig alle berechtigten Schulleiter eine anteilsmässige Altersentlastung erhalten, nicht nur jene, die ein minimales Unterrichtspensum vorweisen können. Die Gemeinde Bettlach ist gemäss Barbara Leibundgut zudem daran, die DGO grundsätzlich zu überarbeiten. Bettlachs Schulleiter Markus Flury wird von diesen allfälligen Änderungen aber nicht mehr profitieren können.

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