In Sachen Auflösung der Genossenschaft Parktheater haben sich nun zwei Personen gemeldet, die den Ausführungen in dem an dieser Stelle erschienenen Artikel widersprechen. Zum einen Jean Pierre Thomsen, der als Präsident des Genossenschafts-Verwaltungsrates letztes Jahr demissionierte, zum anderen Robert Kaiser, der während 15 Jahren als Bühnenmeister im Parktheater tätig war und letztes Jahr pensioniert wurde.

Thomas Vogt, Stiftungspräsident der rodania, Stiftung für Schwerbehinderte, welche das Restaurant Parktheater gepachtet hat, hatte in der Diskussion mit Reto Gasser, Genossenschafts-Vizepräsident, und David Baumgartner, Finanzverwalter der Stadt Grenchen, eingestanden, dass er das Ganze unterschätzt habe und man sich zu wenig Zeit gegeben habe, um das Projekt zum Laufen zu bringen.

Die rodania hatte für den Betrieb eine Tochtergesellschaft, die Rodania Gastro AG, gegründet, die nebst dem Restaurantbetrieb und der Bewirtschaftung der Säle auch nach und nach den Theaterbetrieb übernehmen sollte. Vogt gestand anfängliche Personalprobleme ein.

Kaiser stellt der Rodania ein schlechtes Zeugnis aus. Der Artikel in dieser Zeitung habe einfach ein schlechtes Licht auf ihn und seinen Sohn geworfen. Die Probleme lägen aber bei der Rodania. Insbesondere die Zusammenarbeit habe überhaupt nicht geklappt, als die Rodania Gastro AG damit begann, eigene Anlässe durchzuführen.

Niemand habe sich für die Bühne oder die Technik im Theatertrakt interessiert und bei ihm oder seinem Sohn Infos eingeholt. Aber das wäre in seinen Augen unerlässlich gewesen. Mitarbeiter der Rodania Gastro AG hätten beispielsweise an der Lüftung rumgeschraubt, was zur Folge gehabt habe, dass die Leute im Publikum froren.

Das war nicht «überraschend»

Was ihn aber am meisten störe, sei die Art und Weise, wie man über die Kündigung seines Sohnes spreche. Diese sei überhaupt nicht überraschend gewesen. Sein Sohn habe grosses Interesse gehabt, den Job nach ihm zu übernehmen. Und als er pensioniert und sein Sohn Bühnenmeister geworden sei, sei er auch guten Mutes gewesen. Allerdings hätten bedeutend mehr Anlässe am Wochenende stattgefunden als in den Jahren zuvor, was zur Folge gehabt habe, dass die Belastung einfach zu gross für ihn geworden sei und er deshalb kündigte.

Aber statt sich mit zwei Monaten Kündigungsfrist zu begnügen, habe er die Genossenschaft einen Monat früher informiert und blieb sogar noch einen Monat länger, in der Hoffnung, innerhalb der Zeit finde man einen neuen Bühnenmeister. Nur habe man offensichtlich gar nicht mehr gesucht, sondern habe ihn wissen lassen, dass man über seine Kündigung in finanzieller Hinsicht nicht unglücklich sei.

Trotz Pension springt er ein

Anfang Oktober sei Robert Kaiser an einem Samstagmorgen im Parktheater gewesen, um dort etwas zu holen. Auf der Bühne stand eine völlig verzweifelte Tanztruppe aus Solothurn, die sich sehnlichst jemanden wünschte, der die Bühne einrichtet, den Tanzboden verlegt, die Vorhänge hängt, das Licht einleuchtet – aber es sei einfach keiner da gewesen. Er sei dann eingesprungen, sagt Kaiser, der zu diesem Zeitpunkt bereits pensioniert war, der seinen Job 15 Jahre lang aber mit viel Herzblut erledigt hatte.

Kurz darauf sei er bei Stadtpräsident François Scheidegger vorstellig geworden, um auch die Stadt darum zu bitten, endlich eine Lösung zu finden, und sei von diesem persönlich darum gebeten worden, bis Ende Jahr noch zum Rechten zu schauen, was er dann auch getan habe. Bezahlt wurde Kaiser für die drei Monate im Stundenlohn von der Stadt direkt. Seit 1. Januar sei Schluss. Eine offizielle Übergabe sei aber bis heute noch nicht erfolgt, so Kaiser.

Am Ende der Recherche wollte Robert Kaiser nach mehrfacher Gegenlese seine Zitate zurückziehen, weil er Repressionen befürchtete. Der Sachverhalt wurde aber von dritter Seite bestätigt.

Auch Thomsen wehrt sich

Der Bericht wecke den Eindruck, das Hauptproblem sei das «nicht mehr zeitgemässe Konstrukt der Genossenschaft. Zudem hätten die Rücktritte im Verwaltungsrat nicht gerade zur Beruhigung beigetragen, schreibt Jean-Pierre Thomsen, der auf Claude Barbey als Verwaltungsratspräsident der Genossenschaft Parktheater folgte, in einer Stellungnahme zum Artikel. Er wolle in seinem Schreiben festhalten, «dass die besagten Rücktritte von langjährigen, sehr engagierten Verwaltungsräten eher am Ende einer langen, sehr unruhigen und nervenaufreibenden Zeit standen.»

Es liege ihm fern, schmutzige Wäsche zu waschen. «Aber was während dieser Zeit seitens der Pächter für Forderungen gestellt wurden und im Gegensatz dazu vertraglich vereinbarte Leistungen – zum Beispiel Miete – nicht oder mit grosser Verspätung erbracht wurden, habe ich bisher noch nie erlebt.»

Wenn ausserdem die Pächterin bei einem wesentlich geringeren Mietzins als sämtliche Vorgänger mit den Einnahmen nicht einmal die eigenen Personalkosten decken könne, habe das wenig mit der Genossenschaft zu tun. «Ich würde mir an dieser Stelle eher die Frage stellen, ob nicht etwas gar viele Chefs beschäftigt werden.»

Ihm liege das Parktheater sehr am Herzen, aber er habe sich nach all den Vorkommnissen eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Pächterin nicht mehr vorstellen können und sei daher nach relativ kurzer Zeit zurückgetreten.

Per sofort zurückgetreten

In seinem Demissionsschreiben vom 27.11.2016, das der Redaktion vorliegt, hatte Thomsen die nicht eingehaltenen Abmachungen erwähnt, wie Mietzinsausstände über mehrere Monate. Was er in den letzten Monaten mit der Rodania Gastro AG erlebt habe, zwinge ihn dazu, sein Amt per sofort niederzulegen. Die Task-Force sei daran, die dringendsten Probleme wie Überschuldung, kurzfristige Liquidität zu lösen.

Für das Thema Bühnenmeister bedürfe es der konstruktiven Mitarbeit der Pächterin. «Ich kann mich beim besten Willen nicht mehr als Teil einer Lösung mit der Rodania Gastro AG sehen und will daher auch nicht zu einem Teil des Problems werden.» Eine zukunftsfähige Lösung könne seines Erachtens – auch aus Sicht der Stadt – nur auf einer von gegenseitigem Respekt und Vertrauen geprägten Zusammenarbeit beruhen.

Der Auflösung der Genossenschaft stehe er grundsätzlich nicht negativ gegenüber. «Es stellt sich aber mir die Frage, was an deren Stelle tritt. Ich könnte mir durchaus einen Theater- oder Kulturverein vorstellen mit dem Auftrag, ein entsprechendes Programm zu organisieren. Wenn alles in den Händen der aktuellen Pächter wäre, fände ich das weniger gut.»