Wasserversorgung
Direktor SWG Per Just: «Zum Glück ist nichts Schlimmeres passiert»

Über Ostern haben etliche Grenchnerinnen und Grenchner feststellen müssen, dass das Wasser nicht mit dem gewohnten Druck aus den Wasserhähnen floss. Grund war eine unglückliche Verkettung von Umständen, die an verschiedenen Orten in der Stadt zu Wasserleitungsbrüchen führte.

Oliver Menge
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Fachleute der beteiligten Firmen diskutieren vor Ort die möglichen Varianten von Massnahmen zur Behebung der Schäden

Fachleute der beteiligten Firmen diskutieren vor Ort die möglichen Varianten von Massnahmen zur Behebung der Schäden

Oliver Menge

An der Maria Schürerstrasse ist man dabei, eine Überbauung zu realisieren, die «Casa Romana». Bei den Aushubarbeiten für die Tiefgarage wurde das Erdreich auf der Ostseite entlang der Sonnenrainstrasse mit Spundwänden gesichert. Diese Spundwände seien um 15 bis 20 Zentimeter nach innen gekippt, als man die Aushubarbeiten abgeschlossen habe, erklärt der Bauingenieur Daniel Schreier. Weil unter der Sonnenrainstrasse eine der Hauptadern der Grenchner Wasserversorgung verläuft - eine rund 40 jährige 500er-Graugussleitung - und man befürchten musste, dass diese Leitung bei einer weiteren Erdbewegung brechen könnte, wurde sie vorsorglich geleert.

Kausale Zusammenhänge

In der Folge musste das umliegende Leitungsnetz die Wassermenge zusätzlich aufnehmen, welche sonst durch diese Leitung geflossen wäre. Die erhöhte Fliessgeschwindigkeit und dadurch entstehende Druckschwankungen im Netz hatten zur Folge, dass es gleich an fünf Stellen zu Leitungsbrüchen kam. Der Erste am Donnerstag um 14 Uhr gleich in unmittelbarer Nachbarschaft der Baustelle, an der Kreuzung der Maria Schürerstrasse zur Sonnenrainstrasse, also dort, wo sich die Erde zuvor schon bewegt hatte.

Aber auch an anderen Orten der Stadt barsten Leitungen, so zur gleichen Zeit an der Bettlachstrasse 102, eine Stunde später an der Karl Mathy-Strasse 22 und 24, Samstagnacht um 01.30 Uhr an der Lindenstrasse und morgens etwa um 07.30 Uhr an der Lingerizstrasse 30. Zwischen vier und acht Mitarbeiter des Pikettdienstes der SWG und einige Leute der Baudirektion mussten ausrücken und die Schäden beheben.

Wie weiter?

Bei der Baustelle werden nun die Sicherungsmassnahmen, die man bereits am Gründonnerstag installiert hat, weiter verstärkt. Mit Betonblöcken und Betonriegeln will man die Spundwände abstützen und verhindern, dass sich die Erde weiter bewegen kann, erklärt Bauingenieur Schreier. Oberirdisch wird die Bruchstelle abgedichtet, so dass nicht zusätzlich Regenwasser in den Boden hinter den Spundwänden läuft und ihn aufweicht.

Die fragliche 500er-Leitung bleibt weiterhin ausser Betrieb, sie muss, wie die parallel verlaufende Kanalisationsleitung, zuerst auf Schäden untersucht werden. Die Strasse allerdings muss wahrscheinlich komplett saniert werden, heisst es übereinstimmend.

Neue Leitungen aus Kunststoff

Die SWG investierte in den letzten Jahren jeweils rund 1,5 Mio. Franken pro Jahr in die Wasserversorgung, erklärt Direktor Per Just. Seit seinem Amtsantritt vor 11 Jahren habe man kontinuierlich Schritt für Schritt die Graugussleitungen, die eine durchschnittliche Lebenserwartung von 60 bis 80 Jahren haben, durch Kunststoffrohre ersetzt. «Die Graugussleitungen sind starr und können im Gegensatz zu den flexiblen Kunststoffrohren brechen.» Seit rund sieben Jahren würden bei den Hydranten sogenannte «Logger« eingesetzt, Messmikrofone, mit denen man kleinere Leitungsschäden frühzeitig erkennen und gezielt reparieren könne. Seither habe man wesentlich weniger grosse Leitungsbrüche registrieren müssen.

Wäre die Hauptleitung gebrochen hätte es gar Personenschaden zur Folge haben können

Auch die fragliche Leitung werde man voraussichtlich ersetzen müssen. Man werde ein Kunststoffrohr mit geringerem Durchmesser in die bestehende Leitung einziehen, so Just. Das sei von der Leistung her absolut kein Problem, erklärt der SWG-Direktor: «Das Leitungsnetz in Grenchen wurde in den 50er-Jahren konzipiert und für eine wesentlich höhere Bevölkerungszahl und einen höheren Wasserverbrauch dimensioniert, als wir aktuell haben».

«Zum Glück ist nichts Schlimmeres passiert», meint Just. Denn wäre die Hauptleitung gebrochen, wäre die Baustelle innert Sekunden geflutet worden und das hätte nicht nur Sachschäden, sondern unter Umständen auch Personenschaden zur Folge haben können.

Wer bezahlt?

Über die Kostenfolge bei diesen fatalen Kausalzusammenhängen wollte sich heute niemand äussern. Zuerst müsse man das Problem analysieren, dann werde sich zeigen, ob und zu welchem Teil das Ganze zu einem Versicherungsfall werde, meinte ein Sachverständiger, der ungenannt bleiben will.