Ursprünglich waren es zwei getrennte Hotel, das «Viktoria» und das «Jungfrau». Anfang der Neunzigerjahre wurden die beiden eigentlich maroden Häuser auch optisch mit einem überaus edlen Eingangsbereich verbunden. 150 Millionen Franken wurde seither in eines der schönsten und besten Fünf-Sterne-Häuser investiert. Rund zehn Jahre vor dem grossen Umbruch wurde ein gewisser Bettlacher, Fredi Daumüller, erster Food and Beverage Manager im «Viktoria-Jungfrau». Und erlebte zusammen mit seinem damaligen Mentor und Direktor Emanuel Berger den drohenden Zusammenbruch des baufälligen Hotels und später die Aufbruchstimmung, die zu einer der ersten Hoteladressen der Schweiz führt. Daumüller ist heute im Rang eines Deputy General Managers und verantwortlich für den Einkauf, Food- and-Beverage-Abteilung, Kongressorganisation und Administration. Während zwölf Jahren bewegte er sich auch auf dem politischen Parkett – als Mitglied des Grossen Gemeinderats Interlaken. Seit 30 Jahren lebt Daumüller mit seiner Frau in Interlaken und ist Vater von zwei erwachsenen Söhnen.

Mama hats ihm prophezeit

Schon im Alter von sieben Jahren prophezeite ihm seine Mutter, dass aus ihm einmal ein Koch werden würde. Fredi Daumüller zog es tatsächlich in die Gastronomie und startete damit zu beruflichen Höhenflügen. Bereits nach der obligatorischen Schulzeit in Bettlach zog es Fredi Daumüller in die Ferne. In Vitznau und Davos absolvierte er in dreieinhalb Jahren gleich zwei Berufslehren: Koch und Servicefachangestellter. Es folgten Auslandaufenthalte, ehe Daumüller wieder in die Schweiz zurückkehrte und in Luzern die Hotelfachschule absolvierte. In Zürich lernte er einen gewissen Emanuel Berger kennen. Dieser bot Fredi Daumüller die Stelle eines Food and Beverage Manager an. Damit wurde er mit einem facettenreichen Verantwortungsbereich ausgestattet. Seine eigentliche Hotelkarriere nahm so vor knapp 30 Jahren ihren Anfang.

Anfang der Neunzigerjahre wurde ein umfangreiches Sanierungsprogramm eingeleitet und das «Victoria-Jungfrau» erstrahlte in neuem Glanz. 222 Zimmer zählt das Top-Hotel, drei Restaurationsbetriebe und ein beeindruckender Wellness- und SPA-Bereich. Das Haus mit 222 Beschäftigten ist zudem ein «Selbstversorger» mit eigenen kleinen Handwerksbetrieben. Fredi Daumüller bewegt sich in diesem riesigen Haus auf verschiedenen Ebenen. Man trifft ihn während des Tages auf Besprechungs- und Kontrollgängen in den drei Restaurants oder regelmässig auch in der Küche an. «Viel Zeit in Anspruch nimmt die Kongressverkauf», sagt Daumüller. 50 Prozent des Umsatzes von rund 35 Mio. Franken werden aus diesem Bereich generiert. Zusammen mit vier Mitarbeitenden findet jeden Morgen ein Kongressmeeting statt. Es folgt das Daily Operation Meeting und regelmässige Mittel- und Langfristplanung. Wenn der Winter Interlaken noch fest im Griff hat, denkt Daumüller bereits an den nächsten. Dazu gehören auch personelle Planungen und die immer gleiche Frage: Wie und woher gewinnt man neue Gäste? Immerhin: Rund die Hälfte davon kommen aus der Schweiz, «was uns Währungsresistenz garantiert», schmunzelt Daumüller.

In Interlaken hat sich der gebürtige Bettlacher gut assimiliert. So gut, dass er sogar während drei Legislaturperioden im Grossen Gemeinderat vertreten und 2008 als Präsident der «Höchste Interlakener» war. In der Freizeit zieht es ihn immer wieder auf seine Harley-Davidson und auf Reisen in den Alpenraum. In seiner alten Heimat sieht man ihn ebenfalls regelmässig. Er besucht seine Mutter im Altersheim Baumgarten, auch sein Bruder lebt noch in Bettlach. Wenn er von seiner Jugendzeit und ehemaligen Mitschülern erzählt, so scheint es, als wäre er erst gestern von zu Hause weggezogen. Er ist bestens informiert, was in seiner alten «Heimat» läuft. Und das Nicolas Hayek einst im «Victoria-Jungfrau» die Swatch gründete, macht ihn besonders stolz.

Auch aus der Ferne hofft Fredi Daumüller, dass man dem Airport in Grenchen die Pistenverlängerung zugestehen möge und dass das geplante Velodrome zustande käme. «Im Grunde genommen», sagt er, «bleibt mein Herz immer am Jurasüdfuss.»