Bilanz

«Dieser Winter war einer der härtesten seit Jahren»

Die Situation Mitte Dezember 2012: Kleine Fahrzeuge wurden für die Räumung der Trottoirs eingesetzt. zvg

Die Situation Mitte Dezember 2012: Kleine Fahrzeuge wurden für die Räumung der Trottoirs eingesetzt. zvg

Strassenmeister des Werkhofes Grenchen Rudolf Winzenried blickt zurück auf einen der härtesten Winter der letzten 30 Jahre.

«Dieser Winter gehört zu den fünf härtesten, die ich seit meinem Amtsantritt vor 30 Jahren erlebt habe», sagt Rudolf Winzenried, Strassenmeister des Werkhofes Grenchen. Und er belegt es mit eindrücklichen Zahlen: Würde man nämlich den in diesem Winter gefallenen Schnee aufeinander schichten, ergäbe das eine Schneehöhe von 1 Meter 70 – normal wäre eine totale Schneehöhe von rund einem Meter. An 32 Tagen fiel Neuschnee, im Mittel ist das sonst nur an 20 Tagen der Fall. 60 Tage lang hatte man eine durchgehende Schneedecke, eine aussergewöhnlich lange Zeit.

«An 35 Tagen leisteten wir mittlere oder grosse Einsätze, normal wären etwa 20 Tage», sagt Winzenried. Das heisst: An 35 Tagen rückten schon früh morgens rund 30 Leute aus, um dem Schnee mit vier grossen und vier kleinen Schneepflügen, zwei Salzstreuwagen und mit Schaufeln zu Leibe zu rücken. Hinzu kamen fünf dazu gemietete Schneepflüge von Landwirten.

«Ein Merkmal dieses Winters ist die grosse Überzeit, welche die Mitarbeitern haben leisten müssen, denn wir haben an diesen Tagen oft schon um 4 Uhr in der Früh angefangen und manchmal bis abends gearbeitet.» Diese Überzeit müsse man jetzt möglichst schnell kompensieren, ohne den laufenden Betrieb des Werkhofs zu gefährden, erklärt Winzenried. Ferien konnten bis jetzt nur vereinzelte Mitarbeiter beziehen.

Über 50 Einsätze mit Salz

Im Gegensatz zu anderen Jahren, wo in manchen Gemeinden Salz zur Mangelware wurde, hatte man in Grenchen nie Probleme. So auch in diesem Winter nicht. «Wir haben zwar auf dem Gemeindegebiet rund 80 Kilometer Strassen, zwei Drittel davon mit Trottoirs, die ebenfalls geräumt werden müssen, aber uns ist das Salz trotzdem nicht ausgegangen.» Aber, so Winzenried, in diesem Winter habe man doch mehr Salz gebraucht als in anderen Jahren. Wie viel genau, lässt sich nicht beziffern.

Der Umweltgedanke hat beim Werkhof schon seit Jahren einen hohen Stellenwert: Vor 30 Jahren habe man erst mit der maschinellen Strassenräumung begonnen, wenn 6 bis 8 Zentimeter Schnee lagen. Jetzt räumt man bereits bei 3 bis 4 Zentimeter Neuschnee. Entsprechend kleiner fällt die verwendete Salzmenge aus: Pro Quadratmeter werden mit den geeichten Salzstreufahrzeugen pro Einsatz nur noch rund 11 Gramm Salz gestreut. «Früher streute man etwa das Dreifache.» Auf Split verzichtete man vollständig, erklärt Winzenried, denn sowohl von der Wirksamkeit wie von der Umweltbelastung her sei Split problematisch. Auf der Grenchenbergstrasse wird jedoch fast ausschliesslich gesplittet, Salz kommt nur in äusserst gefährlichen Situationen, wie bei blankem Eis, zum Einsatz.

Grenchen ist speziell

«Grenchen ist wegen seiner topografischen Lage speziell», erklärt der Strassenmeister. Viele steile Strassen und ein in den letzten Jahren stark ausgebautes Netz des öffentlichen Verkehrs forderten den Winterdienst zusätzlich: «Die Buslinien müssen alle schwarz geräumt sein. Und da die ersten Busse bereits um 5.30 Uhr unterwegs sind, beginnt unsere Arbeit entsprechend früh.» Auch könne man Schneehaufen am Strassenrand nicht einfach liegen lassen, wie in
anderen Städten. «Wenn es tagsüber warm wird, läuft Schmelzwasser auf die steilen Strassen und gefriert dann nachts – eine äusserst gefährliche
Sache. Also haben wir einige Schneehaufen sukzessive wegführen
müssen.»

Man habe zwar einige Nebenstrassen nur geräumt und nicht gestreut, aber dennoch sei in diesem Jahr mehr Arbeit angefallen als gewöhnlich. «Wir mussten schon für den Weihnachtsmarkt den Marktplatz vom Schnee räumen, und an der Fasnacht waren meine Leute nochmals speziell gefordert», so Winzenried. Denn in diesem Jahr habe man die Konfetti mit den Schneepflügen zusammengestossen – das habe es schon lange nicht mehr gegeben.

Der wohl unbeliebteste Einsatz blieb den Werkhofmitarbeitern aber erspart, sagt Winzenried: «Frau Holle liess uns über die Festtage in Frieden. Meine Leute konnten ungestört mit ihren Familien Weihnachten feiern.»

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