An der Freiestrasse an zentraler Lage östlich der Migros ist in den letzten zwei Jahren ein neues Gebäude entstanden. Auf den ersten Blick sieht man nicht, dass es ein Gotteshaus ist.

Der moderne Bau mit dunklen Holzapplikationen, der auf Wohnungen mit gehobenem Standard hindeutet, enthält aber das Versammlungslokal der «Gemeinde für Christus» (GfC), einer Freikirche, die schon seit 1939 in Grenchen ansässig ist.

Für die Glaubensgemeinschaft geht mit der Übernahme des neuen Gemeindezentrums ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung, wie Erich Christen, einer der beiden «Gemeindeältesten», wie bei der GfC die Gemeindeleiter genannt werden, erklärt. «Wir sind eine wachsende Gemeinde und der einzige Raum in unserem Versammlungslokal an der Baumgartenstrasse wurde zusehends eng.»

So sei ein Gemeindeleben mit Angeboten für alle Generationen nicht mehr möglich gewesen. «Denn wir sind eine Kirche, in denen vier Generationen ein- und ausgehen», meint Christen nicht ohne Stolz.

Ehemalige Motorenwicklerei

Schon seit 2009 habe man sich zusammen mit der Schweizer Kirchenleitung (die GfC Schweiz ist Bauherrin und Eigentümerin der Kirchenräume) nach einer neuen Lösung umgeschaut und zuerst einige bestehende Liegenschaften in Grenchen geprüft. Schliesslich landete man nach längerer Suche bei der leer stehenden Liegenschaft der ehemaligen Motorenwicklerei Kuster.

Das Fabrikgebäude war allerdings als Kirchenraum nicht geeignet und so entschloss man sich zu einem Neubau auf dem Areal nebenan, wo bisher ein hölzerner Lagerschuppen stand. «Dieser wurde nicht zerstört, sondern er wurde demontiert und wieder aufgebaut. Er steht heute bei einem Bauern in der Innerschweiz», erläutert Christen. Das Fabrikgebäude wurde weiterverkauft an die Firma GATechnology, die sich zurzeit in Grenchen niederlässt (wir berichteten).

Drei Stöcke sind Pflicht

Blieb das Problem der Zonenkonformität. Die Stadt verlangte, dass auf der Parzelle mindestens dreistöckig gebaut wird, und so wurden über den Kirchenräumen zwei Stöcke mit drei Eigentumswohnungen gebaut, welche bereits alle (an Gemeindemitglieder) verkauft sind.

Die Kirche nutzt das Parterre, wo sich ein in drei Einheiten teilbarer Gemeindesaal für rund 150 Personen befindet, Garderoben sowie ein Bistroraum mit Küche. Im Untergeschoss sind die Räume des Jugendtreffs, WCs, sechs Tiefgaragenplätze und die Haustechnik. Das Minergie-Gebäude wird mit einer Luft-Wärmepumpe beheizt.

Die Investitionssumme wird nicht bekannt gegeben. «Gebaut wird grundsätzlich erst, wenn genug Geld vorhanden ist», betont Christen. Der Neubau sei gänzlich ohne Bankkredite durch die (Gesamt-)Kirche finanziert worden.

Rund 80 Gläubige

In der GfC-Gemeinde Grenchen gehen etwa 70 bis 80 «Mitglieder» ein und aus, wobei man keine formale Mitgliedschaft kenne, wie der «Älteste» sagt. Die Leute kommen aus einem Einzugsgebiet zwischen Lommiswil und Pieterlen sowie aus dem Bürenamt.

Wie bei den Freikirchen üblich, legitimiert man sich damit, dass man den christlichen Glauben bei der GfC – insbesondere die Bibel – «ernster» nimmt als ein durchschnittliches Landeskirchenmitglied. «Die Verbreitung von Gottes Wort in der Bevölkerung ist uns ein zentrales Anliegen», sagt Christen. So trat die GfC bisher regelmässig an der mia/Grega auf, um Bibeln zu verteilen. Auch am Weihnachtsmarkt ist man präsent mit der Bastelwerkstatt für Kinder. Dazu kommen die sonntäglichen Gottesdienste, Gebetsstunden, Sonntagsschule und Teenager- und Jugendarbeit.

Die GfC pflegt keine institutionelle Zusammenarbeit mit (frei-)kirchlichen Dachorganisationen (z. B. Evangelische Allianz). Für persönliche Kontakte zu Gläubigen der christlichen Konfessionen und Denominationen sei man aber offen, betont Christen, der selber als pensionierter, ehrenamtlich tätiger Koordinator in der Erwachsenenbildung des Hilfswerks der GfC arbeitet. In den Räumen der Bieler Kirche werden Asylbewerber unterrichtet..

Am kommenden Sonntag wird die Kirche an der Freiestrasse 30 feierlich eingeweiht. Für die Öffentlichkeit findet am Samstag ab 11.30 Uhr ein «Tag der offenen Tür» statt.