Stand up paddling ist in den letzten drei Jahren auf dem Wasser zum Freizeittrend par excellence geworden. Daniel Bally betreibt diesen Sport seit 2011, nachdem er ihn bei Ferien in Hawaii kennengelernt hatte. Im Kanu-Club Grenchen war Bally der erste, der stehend aufs Wasser gegangen ist.

«Vor sieben Jahren habe ich im ganzen Jahr etwa zehn Stand up Paddler getroffen. Heute sind es auf der Aare zehn an einem Abend.» Ein Trend, den der einstige Kajak-Slalomschweizermeister (1998 und ’99 – im Schulalter) mit Fragezeichen versieht. Er ist überzeugt, dass das bequeme und handliche Brett manche zur Selbstüberschätzung verleitet. Dazu trage die Tatsache bei, dass man damit, anders als beim Kajak, ohne Vorkenntnisse spontan lospaddeln kann.

Gelernt, das Wasser zu lesen

«Ich habe schon als Kind gelernt, das Wasser zu lesen. Ich sehe, wo sich welche Gefahren verbergen, auch unter einer scheinbar harmlosen, glatten Oberfläche. Aus diesem Grund gehe ich immer in der passenden Ausrüstung aufs Wasser und checke vorgängig die Wetterprognose, besonders in Sachen Gewitterrisiko, Wind und Temperatur. Doch beim Stand up paddling gibt es Leute, die nicht einmal wissen, dass auf Fliessgewässern das Tragen einer Schwimmweste obligatorisch ist und – fast noch wichtiger – das Tragen eines Leash (Leine) am Fussgelenk lebensgefährlich sein kann.»

Um Grenchen herum ist die Aare bei normalen Wetterbedingungen nicht gefährlich. In Bern ist das anders. «Da sehe ich regelmässig, dass Wassersportler sich in heikle Situationen begeben», sagt Daniel Bally.

Zum Wassersport ist Daniel Bally durch seine Eltern gekommen. Sie waren Mitglieder im Kanu-Club. «Schon als Einjähriger hat mich mein Vater 1985 vor sich in den Kanadier gesetzt.»
Nach sportlichen Erfolgen auf nationalem Niveau im Kanuslalom zwischen 1996 (da war er in seiner Altersgruppe ebenfalls Schweizer Meister) und 1999, nahm Bally das Paddel für das Kanupolo zur Hand und erreichte mit der Mannschaft des Kanu-Club Grenchen den dritten Rang an der Schweizer Meisterschaft bei den Junioren.

Einige Jahre später verschrieb sich der gelernte Polymechaniker dem neu geschaffenen Freestyle Kayaking und erreichte an den Weltmeisterschaften in Graz 2003 unter den Herren den 35. Rang und das Jahr zuvor an der Vor-WM bei den Junioren den 23. Rang. «Ohne mir beim Training wahnsinnig ein Bein auszureissen», betont er. «Darauf bin ich heute noch stolz.»

Stand up Paddler auf dem Doubs – mit dabei: Daniel Bally.

Ausdauertraining für alle Körperpartien

Die Zeiten des Leistungssports sind für Daniel Bally vorerst vorbei. Beim Stand up paddling geht es ihm um die Entspannung. Im Alltag absolviert er nach der Arbeit Strecken von 5 Kilometern (30-60 Minuten) bis 20 Kilometern. «Kleine Ziele habe ich natürlich. So will ich dieses Jahr 50 Kilometer am Stück mit dem Raceboard paddeln. Das ist eine Strecke von Lüscherz bis Wangen a. A.» Dieses Ziel hat er sich in Anlehnung an das bekannte 32 Meilen-Rennen in Hawaii gesteckt.

Am SUP, wie die Eingeweihten das Stand up paddling der Einfachheit halber nennen, gefällt Daniel Bally die Vielfalt und das Training für alle Körperpartien, Arme, Beine und Rücken. Mit der Freundin könne er stundenlang paddeln und die Natur geniessen. Dabei nehme sie gern das Raceboard – und er sein selbst gebautes langsameres Holzbrett, um die Kräfteverhältnisse respektive das Tempo auszugleichen. Zum Picknicken setzen sie sich gemütlich hin, zum "sünnele" legen sie sich ausgestreckt aufs Brett. Zwischendurch gehen sie schwimmen. «Das sind Tätigkeiten, die beim SUP möglich sind, ohne ein einziges Mal an Land zu gehen. Mit dem Kajak wäre das viel schwieriger», erklärt der Bettlacher SUP-Routinier. «Neuerdings gibt es sogar aufblasbare Tandembords. Das wollen wir auch einmal ausprobieren.»

Im Wildwasser mindestens zu zweit unterwegs

Im Gegensatz zu den Leuten, die nur gelegentlich auf dem See oder einem ruhigen Flussabschnitt stehend herumgleiten wollen, betreibt Daniel Bally das SUP auch im Winter (mit Neopren- oder Trockenanzug) und auf dem Wildwasser. «Wildwasserpaddeln und Flusswellensurfen gibt es bei mir nur mit Unterstützung des Kanu-Clubs. Da sind wir immer mindestens zu zweit unterwegs, so dass der eine den anderen retten kann, falls dieser in einen Wirbel oder eine Wasserwalze gerät.»

Solche Rettungsaktionen mit dem Wurfsack üben die Wassersportler regelmässig an der Reuss, damit sie für den Ernstfall gewappnet sind.

Von den rund 100 Vereinsmitgliedern in Grenchen sind gegenwärtig zehn Stand up Paddler. Den Löwenanteil der Mitglieder stellen die Kajak- und Kanadierfahrer. Bally sagt: «Im Wettkampfsport ist es im Club etwas ruhiger geworden, dafür haben wir eine grosse Gruppe von begeisterten Tourenfahrern.» Gegründet wurde der Kanu-Club Grenchen 1953. Der Club bietet regelmässig in verschiedenen Disziplinen Anfängerkurse für Erwachsene und Kinder an. Am Montagabend trifft sich eine grosse Trainingsgruppe. Nach dem Plausch auf dem Wasser kochen und essen die Teilnehmenden jeweils zusammen.

Im September führt der Kanu-Club seit 48 Jahren die Aaremeisterschaft durch. Hinzu kommt Ende August seit vier Jahren der Plausch- und Firmenwettkampf «Grenchner Aare Race» im 10er-Kanadier. Organisiert wird dieser von Daniel Bally und Jürg Allemann.