Pistenverlängerung
«Dieser Entscheid ist aus unserer Sicht schlecht»

Geplant ist beim Grenchner Flughafen eine Pistenverlängerung nach Westen. Die Reaktion auf diese Pläne reicht in den betroffenen Gemeinden von besorgt bis gelassen.

Daniel Rohrbach
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Der Autobahnzubringer müsste bei einer Pistenerweiterung West in einen Tunnel gelegt werden.

Der Autobahnzubringer müsste bei einer Pistenerweiterung West in einen Tunnel gelegt werden.

Hanspeter Bärtschi

Kurz vor Weihnachten gab der Solothurner Regierungsrat bekannt, dass er grundsätzlich für eine Verlängerung der Piste des Flughafens Grenchen sei. Nur solle die Flugpiste nicht gegen Osten, sondern gegen Westen verlängert werden. In ihrer Stellungnahme macht die Regierung klar, dass eine Pistenverlängerung in Richtung Altreu und Selzach «zu viele negative Auswirkungen auf Raum und Umwelt» hätte. Was Selzach freut, löst nun westwärts weniger Freude aus. «Dieser Entscheid ist aus unserer Sicht schlecht», sagt der Meinisberger Gemeindepräsident Rudolf Steiner.

Er geht davon aus, dass die Bevölkerung künftig von noch mehr Lärm belästigt wird. Dem Fluglärm sind die Meinisbergerinnen und Meinisberger schon heute ausgesetzt. «Insbesondere dann, wenn Flugzeuge die vorgeschriebenen Volten nicht einhalten», sagt Steiner. Vonseiten Flughafen sei das Problem erkannt, nur gebe es halt immer wieder undisziplinierte Piloten. Sobald die Gesuche für die Pistenverlängerung Richtung Westen eingereicht seien, werde sich der Gemeinderat «sachlich» mit den Plänen auseinandersetzen, sagt Steiner, und «sachliche Argumente» dagegen vorbringen. Grundsätzlich warte man aber vorerst einmal ab.

Weniger Lärm durch Geschäftsflüge

Nicht grundsätzlich gegen eine Westvariante spricht sich Jean-Pierre Ruch, Geschäftsführer der Repla Grenchen-Büren aus. Ruch gibt jedoch zu bedenken, dass eine Westvariante «wahnsinnig teuer» zu stehen komme, da wegen der Pistenverlängerung die Hauptstrasse im Bereich des Kreisels in einem Tunnel geführt werden müsste. Mit einer Verlängerung der Piste um 450 Meter möchte der Flughafen Grenchen für Firmenjets attraktiv bleiben. Die heutige, 1000 Meter lange Start- und Landebahn reicht

für Freizeitflieger völlig aus. Für Geschäftsflieger ist das aber zu knapp. Sie dürfen nur abheben, wenn sie nicht volltanken. Stark für die Pistenverlängerung macht sich deshalb insbesondere die Wirtschaft. Im Verein Pro Regionalflughafen sind praktisch alle namhaften Firmen der Region Grenchen/Seeland vertreten. Der Flughafen sei ein Impulsgeber für die wirtschaftliche Entwicklung der Region und ein wichtiger Standortvorteil für die Unternehmen, argumentiert der Verein Pro Flughafen. Auch Repla-Geschäftsführer Ruch lässt diese Argumente gelten. Hinzukomme, dass bei einem Ausbau der Geschäftsfliegerei der Privatverkehr reduziert werden müsste. «Dies hätte automatisch weniger Lärm zur Folge», sagt Ruch.

Für Rüti gar besser

Noch nicht grundsätzlich zur Pistenverlängerung äussern will sich Lengnaus Gemeindepräsident Max Wolf. Er beruft sich darauf, dass der Prozess erst am Anlaufen sei. Sobald konkrete Pläne vorlägen, würde man die Angelegenheit im Gemeinderat diskutieren und das weitere Vorgehen festlegen.

Gelassen gibt sich der Archer Gemeindepräsident Christian Röthlisberger. «Wir sind ja nicht direkt betroffen», sagt er. Natürlich sei der Fluglärm in seiner Gemeinde immer ein Thema. «Es gibt seitens der Bevölkerung schon auch Reklamationen.» Darum sei es wichtig, dass die Anstössergemeinden in die Diskussion über allfällige weitere Flugbewegungen einbezogen würden.

Für seine Gemeinde sei es nicht

so erheblich, ob die Verlängerung nun im Osten oder im Westen erfolge, sagt der Rütiger Gemeindepräsident Walter Eggli. «Vielleicht werden wir bei einer Variante West gar etwas weniger tangiert.» Was den Fluglärm betreffe, sei die Bevölkerung zweigeteilt. Gerade aus dem Richtung Aare liegenden Erlenhofquartier gebe es diesbezüglich schon immer wieder Reklamationen.

Zurück zu Meinisberg: Ohne Verbündete in seinem Kampf gegen eine Pistenverlängerung Richtung West wird der dortige Gemeinderat nicht sein. Der Umweltverband Pro Natura Solothurn kündigte letzte Woche seinen Widerstand an: «Wir werden uns im Rahmen unserer Möglichkeiten gegen die Pistenverlängerung wehren», liess Geschäftsführerin Ariane Hausammann verlauten.

Eine verlängerte Piste nach Westen käme in den Perimeter des eidgenössisch geschützten Wasser- und Zugvogelreservats «Grenchner Witi» zu liegen. Die heute geltenden Schutzziele für das nationale Wasser- und Zugvogelreservat würden durch eine Pistenverlängerung Richtung West praktisch ausgehöhlt, gab Pro Natura zusammen mit anderen Solothurner Umweltverbänden in einer Medienmitteilung zu bedenken.