Bettlach
Dieser Bettlacher Dorfladen müsste eigentlich nicht sterben

Der Chäsi-Laden am Dorfplatz geht zu. Nicht etwa weil Inhaber Fritz Beyeler keine Lust mehr hat, sondern weil er im April pensioniert wird. Am 1. Mail läuft der Mietvertrag ab, dann ist Schluss. Beyeler hat den Laden 37 Jahre lang betrieben.

oliver menge
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Fritz und Silvia Beyeler in ihrem Laden, den sie nach 37 Jahren im April aufgeben. Oliver Menge Fritz und Silvia Beyeler in ihrem Laden, den sie nach 37 Jahren im April aufgeben. Oliver Menge

Fritz und Silvia Beyeler in ihrem Laden, den sie nach 37 Jahren im April aufgeben. Oliver Menge Fritz und Silvia Beyeler in ihrem Laden, den sie nach 37 Jahren im April aufgeben. Oliver Menge

Solothurner Zeitung

Es riecht gut im Chäsi-Laden der Beyelers am Dorfplatz. Schmuck präsentiert liegen verschiedenste Käsesorten in der Vitrine und animieren zum Kauf. Eine schöne Auswahl an Früchten und Gemüse liegt bereit. Aber auch Milch und Milchprodukte, Fleischwaren, Eier vom Bauernhof, Konserven, Haushaltartikel, Toilettenartikel, Zigaretten, Süssigkeiten und vieles mehr wird feilgeboten.

Die Kunden, die den Laden betreten, wissen die freundliche Bedienung und die familiäre Atmosphäre zu schätzen: Man kennt sich – meist beim Vornamen –, man fragt, wie es geht und informiert die Beyelers sogar darüber, dass man nächste Woche in den Ferien weilt und aus dem Grund nicht einkaufen kommt.

Aber damit ist bald Schluss, der Laden geht höchstwahrscheinlich zu. «Der 16. April ist der letzte Tag, an dem wir geöffnet haben. Ich werde schliesslich pensioniert», sagt Fritz Beyeler bestimmt, der zusammen mit seiner Frau Silvia die Chäsi am Dorfplatz seit 37 Jahren betreibt. Am 1. Mai laufe sein Mietvertrag für das gesamte Gebäude aus und dann sei fertig. Das hätten er und seine Frau schon vor zwei Jahren so beschlossen, und bei dem Entschluss bleibe es.

Regionale Produkte im Angebot

Laden und Gebäude gehören der Käsereigenossenschaft Bettlach. Die eigentliche Käserei ist bereits Anfangs der Sechzigerjahre zugegangen, die Milchannahmestelle wurde bis 1999 noch betrieben. Seit 1999 betreiben die Beyelers den Dorfladen auf eigene Rechnung.

Spar liefert das Sortiment an Hartwaren (Konserven, Haushaltartikeln, Getränken etc.) und Milchprodukten. Den Käse beziehen Beyelers von einem Händler aus Escholzmatt, der ihn bei Käsereien im Emmental, in der Region und im Schwarzenburg holt. Fleisch, Eier, Gemüse und Obst stammen von Produzenten und Bauern aus der Region Grenchen, Bettlach, Selzach und Büren.

Die Kunden wüssten das Angebot zu schätzen, sagt Beyeler. Vor allem die hauseigene Fondue-Mischung und Raclettekäse seien diesen Winter extrem gut gelaufen. «Wir verkaufen das Fondue und Raclette aber nicht nur, sondern kön-nen für etwa 100 Personen Kundenanlässe durchführen, wo wir selber kochen, Caquelons, Rechauds und Öfen zur Verfügung stellen.»

Zufrieden mit dem Geschäft

Das Geschäft sei eigentlich gut gelaufen, sagt Beyeler, wenn er auf die 37 Jahre zurückblicke. Aber in den letzten Jahren sei es merklich härter geworden. «Auf den Hartwaren ist keine Marge mehr drauf. Am Mineralwasser verdient man inzwischen fast nichts mehr, nur der Käse und die Frischprodukte laufen gut.»

«Früher hatten wir noch Lehrtöchter und Aushilfen, aber damit haben wir letzten Sommer aufgehört, als wir den Quartierverkauf einstellten», sagt Silvia Beyeler.

Sie habe manchmal fast ein schlechtes Gewissen darüber, dass sie jetzt aufhören wollten. «Wir waren immer mit Leib und Seele dabei und haben sehr gerne im Laden gearbeitet, trotz der langen Präsenzzeiten. Wir hatten immer ein sehr gutes Verhältnis – zu den Kunden und zu den Bauern in der Gegend.» «Wir hören auf, weil ich pensioniert werde, nicht, weil es uns verleidet ist, wie manche glauben», betont Fritz Beyeler mit Nachdruck.

Die Genossenschaft wusste von der bevorstehenden Pensionierung und suchte einen geeigneten Nachfolger für den Laden. Bisher ohne Erfolg. Das sei zwar schade, meint Beyeler. «Jemand mit guten Ideen, der den Käse weiter pflegt, hat Erfolg, davon bin ich überzeugt.»

Aber so kurzfristig werde die Genossenschaft wohl niemanden mehr finden können. Er freue sich auf die Pensionierung, habe Zeit für seine Hobbys und werde zusammen mit seiner Frau auch endlich einmal Ferien machen können. Keine grossen Reisen, aber Ausflüge in der Schweiz und Österreich seien vorgesehen.

Die Kunden bedauerten es sehr, dass sie aufhörten, meint Silvia Beyeler. Der Kontakt zu den Leuten werde auch ihr fehlen: «Bis jetzt kamen die Leute zu uns in den Laden. Bald müssen wir selber aktiv den Kontakt suchen.»

Aber bis dahin dauert es noch einige Wochen. Im April werde es sicher einen Ausverkauf geben und am 16. April wollen die Beyelers ihre Kunden mit einer kleinen Abschiedsfeier nochmals so richtig verwöhnen.

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