In einem kleinen Raum hinter dem Tenn des grossen Bauernhauses in Staad wurden in den letzten Tagen über 1600 Eier gekocht und gefärbt. Susanne Stauffer begann mit den Vorbereitungen allerdings schon viel früher: Da sie die Ostereier mit Kräutermotiven verziert, beginnt sie schon im Winter damit, Strümpfe zu sammeln, in die dann die Eier mit den Pflänzchen eingepackt werden.

«Aus einem paar Strümpfe kann ich rund 12 bis 14 Lätzchen schneiden, aus Socken rund acht.» Das heisst also, bei einem Total von etwa 1350 verzierten Eiern braucht Susanne Stauffer rund 80 Paar Strümpfe und 40 Paar Stumpfsocken.

«Verschiedene Frauen bringen mir alte Strümpfe vorbei, die ich dann in die Form schneide und gleich zu Hunderten bündle, so weiss ich immer, wie viele ich noch brauche.» Sie habe auch schon mal neue Strümpfe kaufen müssen, aber das sei eher die Ausnahme. Denn wenn sie rechtzeitig mit Sammeln beginne, dann reiche es normalerweise für ihren Bedarf.

Kurz bevor sie dann mit dem Eierfärben beginne, sammle sie noch die verschiedenen Kräuter, Gräser und Pflanzen, welche sie zur Verzierung der Eier braucht. «In den letzten zwei Jahren hatte ich extrem Mühe, genügend schöne Pflanzen zu finden, weil Ostern schon so früh im Jahr war. In diesem Jahr hatte ich gar keine Probleme, alles blüht und gedeiht jetzt schon prächtig.»

Färbemittel verwendet Susanne Stauffer nur natürliche: Zwiebelschalen und Baumnussschalen, welche sie im Detailhandel kauft. Früher habe ich mit den Schalen der eigenen Zwiebeln die Eier gefärbt, aber das ist sehr aufwendig. Denn normalerweise sind die Schalen voller Erde und man muss sie zuerst waschen. Die gekauften Schalen sind sauber und haben auch eine ausgezeichnete Farbwirkung.»

Ist alles bereit, fehlt eigentlich nur die Hauptzutat: die Eier. Diese bezieht Susanne Stauffer von einem Hof in Port, von dem sie auch normalerweise ihre Frischeier für den Markt holt. 600 bis 700 glückliche Hühner legten innerhalb der letzten Wochen die als Ostereier vorgesehenen Eier.

Auf jedes Strumpflätzchen wird nun ein Kräutchen gelegt, darauf kommt das Ei und dann wird alles satt zusammengebunden. Eine delikate Sache, bei der auch ab und zu mal ein Ei kaputt gehen kann.

«Dieses Jahr hatte ich extrem Glück: Nur gerade zwei Eier sind zu Bruch gegangen», erzählt Susanne Stauffer. «Man bemerkt sofort, ob die Hühner ausreichend Zusatzfutter erhalten haben, denn nur dann wird die Schale fest und ist nicht so zerbrechlich.» Pro Krautsorte fertigt Susanne Stauffer ein Plateau mit 30 Eiern.

Diese 30 Stück aufs Mal kommen dann zusammen mit einer Handvoll Zwiebelschalen oder Baumnussschalen in den Wassertopf, der auf einer programmierbaren Herdplatte steht. «Man muss beim Eierfärben verschiedene Dinge beachten: Zum einen dürfen die Eier nicht zu frisch sein, dann lassen sie sich nämlich nur sehr schlecht schälen.»

Deshalb lagere sie die Eier schon mehrere Tage. Ein Frischei, das man im Laden kaufe, sei ja auch bereits mehrere Wochen alt. «Und ich muss darauf achten, dass die Eier nicht zu kalt sein, wenn ich sie ins Wasser gebe, sonst gibt es Sprünge in der Schale.»

Nach 10 Minuten sind die Eier gekocht. Jedes Einzelne wird ausgepackt und zur Seite gelegt. Für den letzten Arbeitsschritt zieht sich Susanne Stauffer einen Handschuh an. Etwas Rapsöl verleiht den schönen, braunen Eiern den nötigen Glanz. «Damit werden sie auch länger haltbar», weiss sie.

1330 verzierte Eier hat sie bereits verarbeitet, dazu kommen noch rund 300 Eier, die sie ohne Verzierung nur gefärbt hat. «Diese Ostereier wurden von Firmen für ihre Eiertütscheten bestellt», erklärt sie. Der Rest wird heute Gründonnerstag auf dem Markt verkauft. Auch der Grenchner Gewerbeverband GVG, der am Morgen sein traditionelles Eiertütschen durchführt, ist Abnehmer bei Susanne Stauffer.

Auf die Frage, ob sie schon mal auf ihren Eiern sitzen geblieben sei, meint sie lachend: «Nein, und ich habe auch Glück: Denn eine grosse Firma holt jeweils am Donnerstag Nachmittag eine grössere Anzahl Eier für die Mitarbeiter.