Kunsthaus Grenchen

Diese Künstlerinnen schaffen aus der Realität ihre ganz eigene Welt

Zwei der drei Künstlerinnen waren anwesend: Sandra Boeschenstein (l.) und Monica Ursina Jäger; Julia Steiner weilt in China.

Zwei der drei Künstlerinnen waren anwesend: Sandra Boeschenstein (l.) und Monica Ursina Jäger; Julia Steiner weilt in China.

Die drei international erfolgreichen Künstlerinnen Sandra Boeschenstein, Monica Ursina Jäger und Julia Steiner stellen gemeinsam im Kunsthaus Grenchen aus. Sie alle beschäftigen sich mit der realen Welt und schaffen etwas ganz Eigenes daraus.

Die Kuratorin des Grenchner Kunsthauses, Eva Inversini, hat wieder einmal ein Kunststück geschafft: Drei namhafte Künstlerinnen, schweizweit und international viel beschäftigt, konnte sie zur Gruppenausstellung nach Grenchen, in die Provinz, holen. Die Zürcherin Sandra Boeschenstein (*1967), die Thalwilerin Monica Ursina Jäger (*1974) und Julia Steiner (*1982) aus Büren zum Hof.

In der vermeintlichen Wirklichkeit

«Jede dieser drei Künstlerinnen beschäftigt sich mit der realen Welt. Alle drei lassen daraus ihre ganz eigenen Welten entstehen, als Gegensatz zu unserer hochgradig vermessenen und definierten Welt. Ich habe mir immer gedacht, dass die Kunst der drei Frauen zueinanderpassen würde und ein schönes Spannungsfeld entstehen würde.»

Die drei seien sich auch schon mal begegnet, hätten aber noch nie eine Ausstellung zusammen bestritten, hat Inversini bei den Vorbereitungsgesprächen erfahren. Umso schöner nun, dass es in Grenchen möglich wurde.

Sandra Boeschenstein zeigt im Neubau zwei grosse Arbeiten, die erst kürzlich in Berlin entstanden sind. Sie präpariert das Papier mit weisser Ölkreide, setzt dann schwarze Ölfarbe darüber.

Danach legt sie mit grosser zeichnerischer Fähigkeit ihre oft symbolhaften Welten frei. Hin und wieder experimentiert sie auch mit installativen Ansätzen, lässt sich aber nie ganz darauf ein. Im Altbau sind in zwei grossen Vitrinen ihre Arbeitshefte und zu Papier gebrachte Ideen zu finden. Selten zu sehende Einblicke in die immense gedankliche Vor-Arbeit der Künstlerin. Boeschenstein untersucht die Grundbedingungen der menschlichen Existenz und hinterfragt unsere moderne, vermeintliche Wirklichkeit.

Monica Ursina Jäger hat in Zusammenarbeit mit Justin Hibbs und Michael Zogg im Neubau eine überdimensionale Installation geschaffen, die durch den Raum, bis nach draussen geht.

«Para/site» heisst diese mit grauen Holzstäben immer weiter wachsende abstrakte Architektur. Von allen Seiten her sind neue Einblicke möglich. In diesem künstlichen Spinnennetz werden Fragen nach Raum und Umwelt stellt.

Jäger beschäftigt sich auch in ihren Bildern intensiv mit zukünftigen Raumkonzepten. Dazu zersplittert sie unterschiedliche Bildvorlagen und setzt diese wie selbstverständlich zu Neuen zusammen. Hypermoderne Städte und Siedlungen entstehen so und man erkennt: Die Zukunft hat bereits begonnen.

Sogwirkung

Julia Steiner, die Jüngste der drei Künstlerinnen, hat bereits ein umfangreiches Werk geschaffen, In Grenchen sind im Neubau drei Arbeiten, die übrigen 13 Werke im Altbau zu sehen.

Ihre Bilder üben eine intensive Sogwirkung auf den Betrachter aus. Andeutungsweise sind auf den schwarz-weiss gehaltenen Arbeiten Umrisse von Tieren, Menschen, Gegenständen zu sehen – oder auch nur Licht- oder Sterneflecken, die in einem Universum weit weg aufglühen.

Julia Steiner hat ihre ganz eigene Maltechnik entwickelt. Sie trägt mit einem breiten Borstenpinsel trockene Gouachefarbe auf die grossformatigen Papierbögen auf. Einem Windhauch oder Wolkensturm gleich werden dann die helleren grauen oder weissen Farbakzente gesetzt. Scheinbar ganz intuitiv, in Wahrheit aber ganz gezielt, entstehen so neue, unbekannte Welten, denen man sich als Betrachter nicht entziehen will.

«Weltenwürfe» Kunsthaus Grenchen. Bis 21. Sept. div. Führungen, Kunst-Früh-Stück. Mo und Di geschlossen. Details finden Sie unter www.kunsthausgrenchen.ch.

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