Es ist müssig, einem Grenchner das Parktheater «erklären» zu wollen. Den Bau beim Nordbahnhof kennt hier jeder, Vereine gehen hier ein und aus, das Restaurant scheint nach längerer Durststrecke endlich auch gut zu funktionieren, zeigt sich unter der Leitung der Rodania Gastro AG, gegründet durch die Stiftung für Schwerbehinderte Rodania, in einem neuen Kleid, und der Theatersaal ist immer wieder gut besetzt. In den oberen Stockwerken ist ausserdem die Politik regelmässig Gast, wenn der Gemeinderat tagt.

«Das Gebäude gehört der Genossenschaft, der Boden der Stadt. Die Stadt gibt uns eine Defizitgarantie für den Theaterbetrieb und hilft bei grösseren Bauprojekten», erklärt Claude Barbey, der Präsident der Genossenschaft Parktheater. Diese Genossenschaft, die am 16. März 1951 gegründet wurde, steht hinter dem Betrieb an der Lindenstrasse. Barbey, ehemaliger Stadtbaumeister Grenchens, präsidiert die Genossenschaft seit 2013 nach dem Rücktritt seines Vorgängers Manfred Rüefli. Seit der letzten GV ist er offiziell deren Präsident.

Vorher war er von Amtes wegen für Baufragen zuständig. Nebst dem Sitz im Vorstand der Stiftung Alterszentren Grenchen und dem Präsidium in der Baukommission des Blumenhauses Buchegg ist es das einzige Amt, das der 62-Jährige noch bekleidet. Ein Amt, das ihm insbesondere in den letzten Jahren viel Arbeit und viele Kopfschmerzen bereitete: «Im Grunde hätte die Genossenschaft ja eine angenehme und leichte Aufgabe, nämlich den Betrieb des ganzen Komplexes zu managen, also das Theaterprogramm und den Saal zu bewirtschaften, einen Bühnenmeister zu führen und einem Wirt das Restaurant zu verpachten, der dann auch für das ganze Reservationssystem zuständig ist.»

Restaurant hat nicht rentiert

Und genau hier sei man auf Schwierigkeiten gestossen, die hinlänglich bekannt sind und ihm mehrere schlaflose Nächte bereitet haben, erklärt Barbey. So habe man früher der Stadt jeweils eine ausgeglichene Rechnung präsentieren können, ausser eben in den letzten 2 bis 3 Jahren. «Grund war der Restaurationsbetrieb, der nicht rentierte. Nachdem der langjährige Wirt aufgab, suchten wir eine Nachfolge und hatten den Eindruck, dass wir mit der namhaften Cateringfirma ‹Cucina Arte› aus Solothurn eine gute Lösung gefunden hatten. Aber diese Rechnung ging eben nicht auf.» Viele Vereine hätten wütend das Parktheater verlassen, weil sie plötzlich Miete bezahlen mussten, und führten ihre Versammlungen und Anlässe anderswo durch. Dann fehlte das Publikum und die Pächter passten ihre Öffnungszeiten ständig nach unten an, bis sie zuletzt das Restaurant ganz schlossen. «Die Ernüchterung war gross», so der Genossenschaftspräsident.

Nach seiner Kündigung als Stadtbaumeister sei es zu seiner Hauptaufgabe geworden, eine gute Nachfolgelösung für das Restaurant zu finden. «Gemeldet haben sich viele interessierte Pächter. Irgendwann rief mich Patrik Marti, der Gesamtleiter der Stiftung Rodania für Schwerbehinderte, an und bekundete sein Interesse.» Das habe ihn zunächst erst einmal erstaunt. Aber dann habe er darüber nachgedacht und sich über vergleichbare Modelle in der Ostschweiz informiert. «Ich wusste um die Probleme, welche die Stiftung Rodania mit ihrer Küche hatte. Sie hätten an ihrem Standort einen Haufen Geld in die Hand nehmen müssen. Und von da her war das Parktheaterrestaurant eine gute Lösung – für beide Seiten.»

Dass man die Leute, die dahinter stehen, persönlich kenne, habe sicherlich mitgeholfen, die anfängliche Skepsis zu überwinden. Und so, wie es aussehe, habe es sich ja auch wirklich gelohnt, der Stiftung Rodania respektive der Rodania Gastro AG das Vertrauen zu schenken. «Ich habe einen sehr guten Eindruck und das Restaurant ist recht gut besucht. Das heisst auch, dass die Grenchner Bevölkerung und Region dahinter steht.» Das Restaurant sei übrigens nicht zu speziellen Konditionen an die Rodania vergeben worden. «Sie arbeiten hier genau unter denselben marktwirtschaftlichen Bedingungen wie anderswo.»

Gut besuchter Theatersaal

Den Theaterbetrieb «schmeisse» eine Person, erklärt Barbey. «Viel früher gab es eine Theaterkommission, aber das System war etwas schwerfällig und träge. Jetzt haben wir mit Corinne Meier eine Frau, welche den Theaterbetrieb organisiert, und sie macht das sehr gut.» Das jährliche Budget beträgt rund 100 000 Franken. Experimentelles Theater oder zeitgenössische Musik könne man in Grenchen nicht auf die Bühne bringen, sagt Barbey, auch wenn das ab und zu reizvoll wäre.

«Als reines Gastspielhaus setzen wir auf kommerzielles Theater, auf gängige und leichte Kost, einen Mix aus Sprechtheater und Musiktheater, auf beliebte und bekannte Stücke, die sich gut verkaufen lassen.» Das Haus sei ausserdem auch sonst gut besucht: Im Theatersaal mit den rund 600 Plätzen und den danebenliegenden Sälen fänden regelmässig Tagungen und Anlässe statt. «Auch ein grosser Teil der Vereine ist ins Parktheater zurückgekehrt.»

Dass er die Verantwortlichen des Theaters Biel Solothurn nicht habe davon überzeugen können, während des Umbaus des Stadttheaters Solothurn nach Grenchen auszuweichen, ärgert Barbey noch immer. «Wir haben ihnen angeboten, hier zu proben und eventuell während der Umbauzeit in Solothurn Produktionen in Grenchen aufzuführen, dies zu einem äusserst günstigen Preis. Aber das hat weder die vom Theater noch die Solothurner Politiker interessiert. Man gab lieber Millionen für den provisorischen Umbau der Reithalle aus. Das verstehe ich nicht.» An der bühnentechnischen Qualität des Hauses habe es nicht liegen können, sagt Barbey. Denn erst 2009 sei das gesamte Grenchner Haus für 1,7 Millionen Franken saniert und die gesamte Bühnentechnik auf den neusten Stand gebracht worden. «Die Zusammenarbeit mit Biel und Solothurn wird erschwert oder nicht gesucht, habe ich den Eindruck. Es wäre an der Zeit, dass sich die Politik hier aktiv einsetzt.»

Die Genossenschaft besteht aktuell aus rund 75 Genossenschaftern. Hier möchte man zukünftig etwas ändern: «Wir haben zum Ziel, die Statuten anzupassen, um eine Öffnung der Genossenschaft zu ermöglichen. Die Idee dahinter ist simpel: Wenn Grenchnerinnen und Grenchner und Leute aus der Region einfacher Mitglied der Genossenschaft Parktheater werden können, verstärken wir so die Verbundenheit der Bevölkerung mit der Institution, und diese ist breiter abgestützt.»