Erstmals aufgetreten ist die Gruppierung letzte Woche mit der flächendeckenden Streuung eines Flugblattes mit dem Titel «Grenchen zuliebe – nein zur Industrieanlage Windpark auf dem Grenchenberg».

Darin wird «Pro Grenchen» als ein Verein vorgestellt, «welcher sich für die Erhaltung und den Ausbau der Erholungsgebiete in Grenchen einsetzt». Unverbaute Landschaftszonen sollen der Bevölkerung zur Erholung erhalten bleiben und der Tier- und Pflanzenwelt weiterhin eine Lebensgrundlage bieten, heisst es weiter.

Anonymes Flugblatt

In der Folge richtet sich das Flugblatt aber vor allem gegen den Bau des Windparks und verspricht, Betroffene im Einspracheverfahren zu unterstützen.

Das Flugblatt ist quasi anonym und gibt eine Postfachadresse als Anschrift an. «Wir haben nichts zu verbergen, möchten aber keine Personen, sondern die Sache in den Vordergrund stellen», sagen die beiden Initianten von «Pro Grenchen». Es handelt sich dabei um Jürg Allemann und Elias Meier. Beide leben in Grenchen.

Jürg Allemann ist bisher politisch kaum in Erscheinung getreten. Er arbeitete nach eigenen Angaben früher als Linienpilot und führt heute als ausgebildeter Sozialarbeiter ein Beratungsbüro. Für die CVP Grenchen sitzt er in der Jugendkommission, betont aber, dass sein Engagement gegen den Windpark davon völlig unabhängig sei und damit nichts zu tun habe.

Erfahrener Einsprache-Schreiber

Elias Meier ist Maturand und will nach eigenen Angaben im September sein Primarlehrerstudium aufnehmen. Er ist bisher noch nicht öffentlich aufgetreten, war jedoch kürzlich sehr aktiv als Ghostwriter für seine ältere Schwester, welche den Abriss von älteren Bauten im Stadtzentrum mit orchestrierten Einsprachen und einer Aufsichtsbeschwerde gegen die Bauverwaltung verhindern wollte.

Im Mitwirkungsverfahren zum Windpark im vergangenen November haben weder Meier noch Allemann eine schriftliche Eingabe gemacht. «Ich habe das Thema aber im Plenum der Infoveranstaltung aufgenommen und darauf hingewiesen, dass eine gesellschaftliche Betrachtung nicht ausser Acht gelassen werden darf», sagt Allemann.

Er habe sich damals auch noch nicht genügend mit den technischen Details befasst gehabt, dies aber inzwischen nachgeholt. Und dies habe gezeigt, dass insbesondere die Lärmaspekte der Windkraftanlage sehr problematisch seien.

Werte aus Datenblättern

Im Flugblatt wird denn auch behauptet, der Lärmpegel einer Windenergieanlage «beträgt mehr als 100 dB, dies entspricht der Lautstärke eines Grossraumflugzeuges (Typ MD11)». Diese prima vista doch sehr gewagt anmutende Behauptung untermauert Allemann mit Datenblättern des Deutschen Flughafenverbands bzw. des Windkraftanlagenherstellers Enercon. «Wir werden diese Datenblätter auch noch auf unserer Homepage aufschalten», so Allemann.

Elias Meier wurde erst nach der Mitwirkung auf das Projekt aufmerksam. Nach seiner Meinung ist es gar nicht möglich, einen Windpark mit 165 m hohen Windrädern an diesem Standort umweltverträglich zu gestalten. «Oder dann muss man die Windräder abstellen, was sich für den Betreiber nicht lohnt.»

Etwa 20 Mitglieder

Pro Grenchen habe zwei Wochen nach der Gründung etwa 20 Mitglieder, so Meier. Allein etwa zehn seien nach der Flugblattaktion beigetreten», was doch zeige, dass man ein wichtiges Anliegen vertrete.

Nebst der Information der Bevölkerung wolle man jetzt Geld sammeln, um Juristen zu bezahlen, welche die Einsprecher vertreten. Ein Rechtsanwaltsbüro in Bern soll als Backoffice für die geplanten Sammeleinsprachen dienen. Doch dafür brauche man die entsprechenden Finanzen.

Einen prominenten Sponsor habe man bereits, lässt das Duo durchblicken. So habe der Unternehmer Ernst Thomke einen namhaften Beitrag an die Druckkosten des Flugblattes geleistet. Dies wird von Ernst Thomkes Ehefrau auf Anfrage bestätigt.

Flury nur ideell dabei

Nicht Mitglied bei «Pro Grenchen» ist hingegen Daniel Flury, der ehemalige Stadtpräsidentenkandidat, der sich unter anderem als prononcierter Windpark-Gegner profilierte. «Ich begrüsse aber, dass sich die Windparkgegner doch noch formieren», so Flury. Er gehe davon aus, dass sich der Verein auch gegen weitere «landverschleissende» Projekte wie den Jachthafen in Staad engagiere.