Als Ayça Bulut gesagt wurde, sie habe den Nachwuchsförderpreis gewonnen, verstand sie erst einmal nur Bahnhof. Ihr Tanzlehrer habe ihr gegenüber zwar einmal erwähnt, dass sie da ganz gute Chancen hätte, wirklich etwas dabei gedacht hatte sich die 19-jährige hübschte Türkin aber nicht. Umso mehr freute sie sich, als sie merkte, dass sie damit für ihre Leistungen als Tänzerin und Instruktorin belohnt wird. «Ich habe mich mega gefreut, lief im Zimmer hin und her, konnte es gar nicht richtig fassen», erzählt Ayça Bulut bei ihrer Familie zuhause im Wohnblock an der Bielstrasse.

Die Wohnung, in der sie mit ihrer Mutter und dem Bruder lebt, ist gemütlich eingerichtet, sanfte Farbtöne unterstreichen diese Stimmung. Und irgendwie - möchte man meinen - passt die gepflegte junge Frau fast besser in dieses Ambiente als auf eine Tanzbühne, auf der sie wilde Breakdance- und Hip-Hop-Tänze aufführt. Doch obwohl sich Ayça Bulut in den letzten acht Jahren verändert hat, war ihr zweites Zuhause immer der Tanz.

Ihre Tanzkolleginnen und -kollegen waren ihre zweite Familie. Selbst wenn sie an Wettbewerben nicht immer gewonnen hat, blickt sie gerne zurück. «Ich bin stolz auf das, was ich gemacht und erreicht habe. Aus Misserfolgen konnte ich lernen», sagt sie. «Das Tanzen war mir stets eine Stütze, und es stärkte mein Selbstvertrauen.»

Sie trainierte fast täglich

Ihre ersten Tanzschritte wagte die KV-Lernende, die in Grenchen beim Bundesamt für Wohnungswesen beschäftigt ist, mit 11 Jahren. Ihre Kindheit verbrachte sie in Grenchen, in der schulfreien Zeit war sie oft im Lindenhaus, wo sie mit anderen Mädchen zusammen tanzte und eine eigene Tanzgruppe gründete. «Entdeckt» wurde sie in der Schule, als eines Tages Tänzer Elvis Petrovic nach einem Schulbesuch auf das Mädchen aufmerksam wurde. «Gerne getanzt und gesungen hatte ich schon immer», erzählt Ayça Bulut.

Die Grenchnerin mit den strahlenden dunklen Augen war Feuer und Flamme. Tanzlehrer Petrovic investierte in seiner Tanzschule Step2Step (neu: Funky Flavor) viel Zeit in sie. Der Tanzstil beinhaltete Hip-Hop, Locking, Popping und Breakdance. «Fast jeden Tag habe ich dazumal trainiert», erinnert sich Ayça Bulut. «Von Frühling bis Sommer war das sehr intensiv, wirklich krass. Nach der Schule haben wir immer getanzt. Das war viel Stress und körperlich sehr anstrengend.» Doch ermüdend wirkte das auf sie nicht. Im Gegenteil, es stärkte ihren Ehrgeiz.

Tanzcrew «Rock da shit» holten 2010 den Sieg an den Hip Hop Schweizer Meisterschaften in Romont

Tanzcrew «Rock da shit» holten 2010 den Sieg an den Hip Hop Schweizer Meisterschaften in Romont

Was nicht unbelohnt blieb: Als Juniortänzerin wurde sie 2007 mit der Junior-Crew «Non Stop Rockers» Schweizermeisterin und vertrat die Schweiz bei den Europameisterschaften der «International Dance Organisation IDO) in Graz. Ein Jahr später wechselte sie zu den Erwachsenen, wo sie mit der Crew «Rock da Shit» Vizeschweizermeisterin wurde und die Europameisterschaft in Kopenhagen bestritt.

2010 erreichte die Crew dann den Schweizermeistertitel und fuhren die Weltmeisterschaft nach Bochum. Beide Crews waren von Elvis Petrovic aufgezogen worden. «Ich lebte damals eigentlich zwei Rollen», erklärt Bulut. «Wenn es ums Tanzen ging, war ich streng. Sonst war ich aber eigentlich eine Teenagerin wie die meisten anderen auch, locker und normal eben.»

Sie träumt den nächsten Traum

Das Herz Ayça Buluts schlug schon immer für Musik. Nachdem sie aus beruflichen und privaten Überlegungen begonnen hat, ihr Engagement im Tanz zu reduzieren, arbeitet die 19-Jährige schon am nächsten Projekt. Sie will als Sängerin wenigstens einmal auf der grossen Bühne stehen und eine eigene CD veröffentlichen. Eingeleitet ist das Ganze eigentlich schon lange. Bulut hat schon an zahlreichen Karaoke- und Gesangswettbewerben, unter anderem in Bettlach, teilgenommen.

Das Singen sei schon immer ihr grosser Traum gewesen, verrät sie. Sie werde es langsam angehen. Mit einem musikerfahrenen Kollegen aus Lyss arbeitet sie bereits an ihrem ersten, eigenen R'n-B-Projekt. Nicht, dass sie berühmt werde, das stehe in den Sternen, «und ich muss da schon realistisch bleiben», sagt Ayça Bulut. Ihr Traum wäre es dennoch. Und manchmal werden Einsatz und Engagement auch belohnt. Mit dem Tanzen zumindest hat's geklappt. Die Preisverleihung des Nachwuchsförderpreises findet Ende Januar statt.