Die 12-jährige Grenchnerin Viviana Cali besucht die Barbara Bernard Schildknecht Ballettschule Grenchen Solothurn und hat sich zu mehr als nur einem hoffnungsvollen Talent entwickelt. Als eine von zwei Schweizerinnen hat sie sich in ihrer Alterskategorie 12/13 Jahre für den Dance World Cup in klassischem Ballett qualifiziert. Der Dance World Cup ist der grösste internationale Tanzwettbewerb, an dem Kinder und Jugendliche bis 25 Jahre aus 38 Ländern teilnehmen.

Dieses Jahr findet er in Bukarest statt. In verschiedenen Tanzformen, wie Hip-Hop und Streetdance, Jazz und Showdance, Steptanz, Modern und Contemporary und in erster Linie Ballett und Charaktertanz, werden die Besten der Besten erkürt. Um an dieser «Weltmeisterschaft» teilnehmen zu können, müssen die Tänzerinnen und Tänzer eine Tanzschule besuchen, die nicht staatlich geführt ist. Für den Final, der dieses Jahr in Rumänien stattfindet, musste man sich vorgängig an einem offiziellen Wettbewerb qualifizieren, von rund 18 000 Tänzerinnen und Tänzern gelang dies rund 3000.

Viviana hat ihre Qualifikation bereits im Februar in München mit Bravour geschafft: Als jüngste Teilnehmerin ihrer Kategorie holte sie den ersten Platz, gefordert waren 65 Punkte, Viviana machte deren 90. Auch eine andere Schülerin von Barbara Bernard konnte sich qualifizieren: Vera Brotschi, die schon an verschiedenen Wettbewerben Erfolge erzielte, dürfte am 27. Juni ebenfalls in Bukarest antreten, nur muss sie leider aus terminlichen Gründen verzichten.

Viviana Cali, die am Anfang ihrer Karriere steht, nahm erst an fünf Wettbewerben teil. Aber sie war äusserst erfolgreich: Zweimal erreichte sie den ersten Platz, einmal wurde sie Zweite, einmal Dritte, und ihr «schlechtester Rang war ein vierter Platz.

Ballett bedeutet harte Arbeit

Die Zwölfjährige tanzt seit ihrem vierten Lebensjahr, Ballett ist ihre grosse Leidenschaft. Das bestätigt auch ihre Mutter, Claudia Cali. «Viviana hat selber beschlossen, Ballettunterricht zu nehmen, wir haben sie nicht dazu gedrängt.» Dass sich der Erfolg nicht einfach so einstellt, sondern hart erarbeitet werden muss, haben inzwischen auch die meisten ihrer Schulkameraden im Haldenschulhaus verstanden, wo sie die 6. Klasse besucht: «Viele denken, Ballett sei nicht anstrengend, aber genau das ist ja das Spezielle am Ballett: Es muss leicht aussehen und man darf der Tänzerin die Anstrengung nicht ansehen.» Viviana trainiert 12 Stunden pro Woche, an sechs Tagen. Für den Trip nach Bukarest, der noch vor den Sommerferien stattfindet, benötigte sie eine Bewilligung, der Schule eine Woche fernbleiben zu dürfen. Nach den Sommerferien wechselt sie in eine spezielle Sportklasse in Solothurn, um sich gezielt ihrem Training widmen zu können, ohne die schulische Ausbildung zu vernachlässigen.

Ihr Ziel sei ganz klar, Profitänzerin zu werden, sagt die selbstbewusste junge Frau. «Vielleicht kann ich später auch Ballett unterrichten, aber zuerst möchte ich den Weg zum Profi einschlagen.» Ihr schwebt die John Cranko Schule vor, eine renommierte Ballettschule in Stuttgart, an der sie sich weiterbilden möchte. Von einer anderen Schule in Mannheim wurde sie nach ihrem Erfolg beim Qualifikationswettbewerb eingeladen, sich deren Betrieb anzuschauen.

Ein Ausnahmetalent

Viviana wird am Final in Bukarest eine von Barbara Bernard für sie geschriebene Choreografie zeigen. «Wir wollen etwas gegen den Strom schwimmen», sagt die erfahrene Ballettlehrerin schmunzelnd. Sie sei sehr stolz auf ihre Elevin. Viviana sei ein Ausnahmetalent mit sehr guten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft. Als sie vom Erfolg Vivianas bei der Qualifikation erfahren habe – die Eltern hätten sie gleich als Erstes angerufen – seien ihr die Freudentränen gekommen. Auch Mutter Claudia, die zusammen mit ihrem Mann Viviana nach Bukarest begleiten wird, «könnte fast platzen vor Stolz», wie sie sagt. Sie freut sich enorm über den Erfolg ihrer Tochter.

Viviana selber rechnet sich angesichts der doch sehr starken Konkurrenz aus dem Osten und aus Japan keine sonderlichen Erfolgschancen aus. Aber, ehrgeizig wie sie ist: «Unter die ersten zehn zu kommen, das sollte drinliegen.»