Schulzahnpflege
«Dies widerspricht dem Arztgeheimnis»: Kritik am neuen Vertrag für Grenchner Schulzahnärzte

Noch immer brodelt es bei den Grenchner Schulzahnärzten. Sie fordern Nachbesserungen zum neuen Vertrag.

Andreas Toggweiler
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Die Zahnpflege der Grenchner Kinder droht zum Politikum zu werden.

Die Zahnpflege der Grenchner Kinder droht zum Politikum zu werden.

Rolf Jenni

Der Entwurf eines neuen Vertrages zwischen der Stadt und den vier Schulzahnärzten liegt vor. Diese verlangen von der Stadt Nachbesserungen. Und noch immer hat man nicht verwunden, dass die Stadt letztes Jahr «Knall auf Fall und ohne Vorwarnung» die Verträge über die Schulzahnpflege gekündigt habe. Insbesondere wurmt die Grenchner Zahnärzte, dass keine mündliche Orientierung im Vorfeld stattgefunden habe.

Schlechter Stil sei dies, insbesondere wenn man bedenke, dass die Schulzahnärzte mehr aus Goodwill denn aus Einkommensgründen für die Schule arbeiteten, meint ein Betroffener, der aber nicht namentlich genannt sein will. Schon seit der Schliessung der Schulzahnklinik im Jahr 1993 habe man zu Sonderkonditionen für die Stadt gearbeitet. Effektiv habe man die Stadt, welche sich damals die teure Modernisierung der Schulzahnklinik sparen konnte, seither um hunderttausende Franken entlastet.

«Kein Geschäft»

«Mit der Schulzahnpflege werden wir weiss Gott nicht reich», tönt es unisono, wenn man die Grenchner Schulzahnärzte fragt. Und weil die Schulverwaltung ein Chaos anrichte, habe man bisher noch keinen Rappen aus den Untersuchungen der gut 1300 Schulkinder im vergangenen Schuljahr gesehen. Die Stadt, welche den Zahnärzten die Liste der zu kontaktierenden Schüler zusammenstellt, habe Personal abgebaut und neues angestellt, das vom Prozedere keine Ahnung habe.

In der Tat war ein Stellenabbau auf der Schulverwaltung der Hintergrund für die Kündigung der Verträge mit den Schulzahnärzten. Die Stadt möchte das Inkasso künftig nicht mehr selber übernehmen. Was übrigens für die Zahnärzte gar kein Problem darstellt, wie Schulzahnarzt Dominik Aerni – er steht mit seinem Namen zu seinen Aussagen – auf Anfrage meint. Ein Problem sei aber, dass die Stadt den Zahnärzten inzwischen mehrere zehntausend Franken schuldet für das Schuljahr 2017/2018.

«Da wäre jetzt schon mal die zweite Mahnung fällig», ärgert sich Aerni. Er sei zwar nicht direkt auf dieses Geld angewiesen, eine Kollegin, die alleinerziehende Mutter sei, aber sehr wohl. Bedenklich findet Aerni, dass die Stadt acht Monate gebraucht habe, um einen Vertragsentwurf vorzulegen. Und dieser enthalte jetzt erst noch einige unakzeptable Vorschläge. «Wir werden diesen Vertrag nicht unterzeichnen», sagt Aerni.

Der Vertragsentwurf der Stadt sieht gemäss Recherchen dieser Zeitung vor, dass die Zahnärzte die Schulverwaltung über den Karies-Stand der Schülerinnen und Schüler orientiert. «Dies widerspricht klar dem Arztgeheimnis», erklärt Aerni. Auch vergüte die Stadt nur den Tarif für klassenweise Reihenuntersuchungen, während die Zahnärzte in der Tat jeden Schüler einzeln aufbieten, die jüngsten mit Mami oder Papi. «Wir möchten zumindest für den Erstbesuch mit Befundaufnahme den ordentlichen Tarif.»

Zudem verlangt man, dass die Stadt jeweils bis Mitte August eine Akontozahlung der Hälfte des Vorjahres-Rechnungsbetrages leistet. Dies, um Situationen, wie man sie jetzt durchlebe, zu vermeiden. Der kompliziert formulierte Vorschlag, was zu tun ist, wenn ein Kind nicht zum vereinbarten Termin erscheint, möchten die Zahnärzte durch eine einfache Formulierung ersetzen. Sie werden jetzt einen eigenen Vertragsentwurf ausarbeiten, heisst es.

Stadt bedauert

Bei der Stadt bedauert man, dass die Zahnärzte auf ihr Geld warten müssen. «Empfindliche Vakanzen auf der Schulverwaltung haben dazu geführt, dass die Abrechnung auf Ende Schuljahr liegengeblieben sind», erklärt Stadtschreiberin Luzia Meister. «Dafür entschuldigen wir uns.» Wenig Verständnis zeigt Meister gegenüber dem Vorgehen der Schulzahnärzte, vor einem Gespräch über die neuen Verträge an die Öffentlichkeit zu gelangen; Einwände oder Gegenvorschläge seien der Stadt noch nicht unterbreitet worden. «Es liegt unser Vorschlag auf dem Tisch und ein Gesprächsangebot, falls nötig.» Wenn beispielsweise individuelle Patientendaten nicht weitergegeben werden dürfen, könne man problemlos mit anonymen Daten arbeiten. Es gehe nur darum, dass die Stadt sich ein Bild machen könne über die Wirkung der Präventionsarbeit.

Elterninfo

In einem dieser Zeitung zugespielten Informationsschreiben, das die Schulverwaltung im Namen der Stadt an Neuzuzüger-Familien zur Anmeldung zur Schulzahnpflege verschickt, heisst es, dass die Kosten für «die erste individuelle Befundaufnahme zulasten der Eltern» gehen. Diese Auffassung ist laut Einschätzung von Kantonszahnarzt Lando Schlageter nicht korrekt. Laut dem kantonalen Schulzahnpflege-Gesetz, sei auch die Erstuntersuchung durch die Gemeinde zu bezahlen. Den Grenchner Schulzahnärzten rät er, diesbezüglich das Gespräch mit der Stadt zu suchen. Stadtschreiberin Luzia Meister will das Infoblatt überprüfen, geht aber von einem Missverständnis aus. Gesamtschulleiter Hubert Bläsi lässt ausrichten, er sei letzten Freitag von einem Schulzahnarzt kontaktiert worden, im Namen aller Schulzahnärzte. Man habe vereinbart, sich nach den Ferien zu treffen. (at.)

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