Markus Odermatt ist Cheminée- und Ofenbauer. Sein Geschäft liegt an der Bielstrasse in Bettlach. Vor dem Haus steht für gewöhnlich ein VW-Transporter mit rundum geschlossenem Laderaum, beschriftet mit dem Firmenlogo. Das Fahrzeug ist gut ausgerüstet: Für den Transport der Cheminées und Öfen wurde der Laderaum mit Sperrholz verkleidet.

Spezialwerkzeug hat seinen Platz; Akkuschrauber, Bohrmaschinen, Hubgerät für den Transport der schweren Öfen, Stichsäge und andere Werkzeuge, die ein Ofenbauer sonst noch braucht.

Der VW steht normalerweise vor dem Geschäft, nicht so am Dienstag. Er war weg. Schon zum zweiten Mal. Und das stinkt Markus Odermatt gewaltig.

Friedlis Velos wurden gestohlen

Bereits am 16. April, also vor wenigen Wochen, fuhr Odermatt nach Hause und stellte den Transporter dort ab. Am nächsten Morgen war er weg, gestohlen. Odermatt rief die Polizei, machte Anzeige, meldete den Schaden der Versicherung. «Einer der Beamten meinte, jetzt dauere es wohl nicht mehr lange und dann fehle irgendwo ein Tresor.» Odermatt mietete einen Ersatz-Transporter, verschob Termine bei Kunden, schaute sich nach neuem Werkzeug um.

Am selben Tag hatte er mit einem Schlosser zu tun, der gerade beim Velohändler Friedli in der Solothurner Weststadt die Schlösser repariert hatte. Denn Friedli war in jener Nacht das ganze Geschäft leer geräumt worden: Über 30 neue Fahrräder hatten die Diebe mitlaufen lassen (wir berichteten). Für Odermatt war schnell klar, dass eventuell sein Transporter für den Raub verwendet wurde, auch wenn eigentlich nicht so viele Fahrräder reinpassen. Friedlis Geschäft ist nur etwa einen Kilometer von Odermatts Zuhause entfernt. «Und vielleicht haben die Diebe ja mehr als ein Fahrzeug geklaut, das ist durchaus möglich.»

Gleichentags erhielt Odermatt die Nachricht, dass auf dem Gelände der Firma Marti sein Werkzeug liege. Tatsächlich hatten die Diebe alles, sogar die eingebauten Gestelle, aus dem Fahrzeug-Innern gerissen und rausgeworfen, um möglichst viel Platz zu gewinnen.

Diebe lassen Fahrzeug in Lörrach

«Am 19. April rief mich jemand von einem Elektronik-Shop in Lörrach an, auf ihrem Parkplatz stehe seit zwei Tagen der Transporter und sei offensichtlich aufgebrochen worden.» Die Polizei untersuchte in der Folge das Fahrzeug auf Spuren, doch die Diebe waren clever: Sogar die Sicherheitsgurte hatten sie herausgeschnitten, weil darauf eventuell DNA- oder Faserspuren zu finden wären. Innen und aussen wurde der Transporter auf Fingerabdrücke untersucht und schliesslich vor kurzer Zeit, nach Abschluss der Untersuchungen, wieder an Odermatt ausgehändigt. Eine erst kurz zuvor erstandene Bohrmaschine hatten die Diebe drin gelassen, dafür fehlte eine Digitalkamera und das Navigationsgerät.

Odermatt brachte den Transporter in die Garage, um die Schäden reparieren zu lassen – die Diebe hatten unter anderem das Zündschloss komplett ausgebaut – und ihn für die fällige Prüfung bei der MFK fit machen zu lassen.

Ohne Nummerschilder gestohlen

Heute Freitag hätte der VW LT nun geprüft werden sollen, aber eben: Der Transporter wurde jetzt zum zweiten Mal gestohlen. Diesmal sogar ohne Nummernschilder. Denn die Wechselnummern hängen am PW von Odermatt. Wieder ist das Werkzeug weg. Odermatt muss sich neues beschaffen, wenn es nicht bald wieder auftaucht, denn ohne kann er nicht arbeiten. «Ich bin natürlich zuerst bei Marti nachschauen gegangen, ob die Diebe das Werkzeug eventuell am selben Ort rausgeworfen haben. Leider nichts», erzählt er mit einem Schmunzeln.

Die Polizeibeamten seien schon etwas erstaunt gewesen, als er ihnen erzählt habe, dass es ihn innert sechs Wochen schon zum zweiten Mal treffe. Gefunden habe man den Wagen bis jetzt nicht. Die Beamten hätten ihm erzählt, dass in der letzten Woche etliche Nummernschilder gestohlen worden seien, auch hier in der Region. Deshalb sei nicht weiter erstaunlich, dass die Diebe sogar seinen nummernlosen Transporter haben mitgehen lassen.

Umtriebe und Ärger

«Ich bin eigentlich ein positiv eingestellter Mensch, aber das deprimiert mich schon und macht mich hässig», sagt Odermatt. Zwar halte sich der finanzielle Schaden in Grenzen, denn die Versicherung übernimmt die Reparaturen und einen Teil der Miete des Ersatzfahrzeugs, «aber ich habe die Umtriebe, den Arbeitsausfall und den Ärger.» Nun hofft Odermatt, dass sein Fahrzeug wieder auftaucht oder wenigstens jemand sein Werkzeug findet. «Schon länger lassen wir auf den Baustellen über Nacht keine Werkzeuge mehr liegen, sondern räumen alles in die Fahrzeuge. Jetzt werden wir alle Fahrzeuge mit Alarmanlagen ausrüsten, um es den Dieben möglichst schwer zu machen.»