Moschee
Die Zeit fürs islamische Glaubenszentrum in Grenchen läuft ab

Die Albanisch-islamische Gemeinschaft will in Grenchen eine Moschee bauen. Lange war es still um die Gemeinschaft. Doch jetzt meldet sie sich mit der Hälfte der Investitionssumme zurück.

Patrick Furrer
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Auf dem Grundstück rechts soll gebaut werden, noch fehlen aber Hunderttausende von Franken. HP. Bärtschi

Auf dem Grundstück rechts soll gebaut werden, noch fehlen aber Hunderttausende von Franken. HP. Bärtschi

Hanspeter Baertschi

Vor elf Monaten Jahr liess die albanisch-islamische Glaubensgemeinschaft (AIG) die Baubewilligung für ihr Zentrum an der Maienstrasse um ein Jahr verlängern. Seither hörte man auf der Baudirektion nichts mehr von den Projektinitianten. Sogar die Kontaktpersonen änderten mehrmals. Einsprachen, ein ziviles Gerichtsverfahren und ein Attentat, bei dem Schweineblut und Tierkadaver auf dem Bauland verteilt worden waren, hatten die AIG von der Bildfläche verdrängt (wir berichteten).

Bis jetzt. Vor wenigen Tagen nämlich meldete sich die Bauherrschaft zurück, bestätigte Stadtbaumeister Claude Barbey gegenüber dieser Zeitung. Die Glaubensgemeinschaft ist in Zugzwang. Am 24. Mai 2013 läuft ihre Baubewilligung aus. Danach müsste das Projekt neu eingegeben werden, wobei eine zweite Publikation von der bürgerlichen Politik wahrscheinlich wiederum mit aller Kraft bekämpft würde. Auch die Glaubensgemeinschaft selbst will keine zweite Baueingabe riskieren.

Gemäss Angaben des Bauinspektorats hat die AIG inzwischen letzte Nachbesserungen an den Plänen vorgenommen. Mit der Baubewilligung kamen mehrere Auflagen, eine davon ist ein Energienachweis, der unter anderem die Wärmedämmung vorgibt. «Dieser Nachweis liegt inzwischen vor und entspricht den gesetzlichen Vorgaben», sagt Adrian Cslovjecsek vom Bauinspektorat. Was nach wie vor fehlt, ist der Finanzierungsnachweis. Die Stadt verlangt die Bestätigung einer Schweizerischen Bank, damit eine Bauruine ausgeschlossen werden kann.

Grenchen nimmts genauer

In Sachen Moscheebau ist Grenchen nicht allein. Doch mit der Auflage eines Finanzierungsnachweises geht man in den Uhrenstadt einen Schritt weiter und auf Nummer sicher. Auch in der Thurgauer Stadt Frauenfeld soll eine Moschee gebaut werden: Wie in Grenchen hängt das Bauprojekt aber am finanziell seidenen Faden. Rund 1,8 Mio. soll es kosten, das Grundstück ist bereits bezahlt, berichtet die Thurgauer Zeitung. Auch in Frauenfeld ist es allen voran die SVP, die sich gegen das Projekt wehrt. Gemäss Auskunft der Frauenfelder Informationsstelle ist die Baubewilligung noch bis zum 4. Juli 2013 gültig, könnte aber verlängert werden. Ein Finanzierungsnachweis wurde nicht verlangt.
Im aargauischen Wohlen wurde im September 2007 eine Moschee eröffnet. Wie auf der Bauverwaltung zu erfahren ist, hat sich die Einrichtung etabliert. Probleme und Reklamationen gibt es keine. Im November 2012 fand ein Tag der offenen Tür statt, an dem rund 300 Personen teilnahmen. Hamit Duran, Sprecher der Aargauer Muslime, freute sich über das Interesse. Er sagte: «Wir wollen, dass die Leute ihre allfällige Skepsis gegenüber dem Islam äussern und uns Gelegenheit geben, auch kritische Fragen zu beantworten. Damit können wir Vorbehalte oder gar Ängste abbauen.» Ein Finanzierungsnachweis wurde seinerzeit auch im Fall Wohlen nicht verlangt. (fup)

Rund 1,5 Millionen Gesamtkosten hatte die albanisch-islamische Glaubensgemeinschaft ursprünglich budgetiert, wobei 450 000 Franken für den Landkauf bereits ausgegeben sind. Wahrscheinlich sind die Projektkosten noch gestiegen. Der Architekt der AIG, Gzim Rifati, darf zwar keine Angaben machen, lässt aber durchblicken, dass die Finanzierung ganz klar die Knacknuss sei. «Wir warten noch auf die Bestätigung der Bank. Bevor wir die Frage der Finanzierung nicht gelöst haben, kann es nicht weitergehen.» Die Hälfte des Geldes fehlt nach wie vor. Die andere Hälfte – die gemäss Rifati inzwischen beisammen ist – kommt aus Spendengeldern.

Bisher hatte die AIG in Grenchen wahrlich kein leichtes Spiel, obwohl sie seit langem im benachbarten Industriegebäude an der Maienstrasse einen Gebetsraum führt. Das Projekt «Moschee» platzte mitten in die Debatte zur nationalen Minarettinitiative und stiess von Beginn an auf Widerstand. Ähnliche Probleme mit dem Bau solcher Glaubensstätten für Muslime haben auch andere Gemeinden, beispielsweise Frauenfeld im Kanton Thurgau. Die Aargauer Moschee in Wohlen hingegen wurde trotz anfänglicher politischer Gegenwehr zur Erfolgsgeschichte.

Eckdaten des Bauprojekts

In der Arbeitszone an der Maienstrasse in Grenchen plant die albanisch-islamische Glaubensgemeinschaft Grenchen AIG ein zweistöckiges Glaubenszentrum mit einem 280 Quadratmeter grossen Hauptversammlungsraum und diversen Nebenräumen. Die Grundfläche umfasst rund 400 Quadratmeter. Auf der östlichen Seite des Zentrums sind 53 bis 54 Parkplätze vorgesehen. Die Kosten werden auf rund 1,5 bis 2 Mio. Franken geschätzt. Von aussen wird sich das Zentrum als orientalischer Prunkbau mit drei Kuppeln auf dem Dach präsentieren. Bisher versammeln sich die Mitglieder der AIG in einem Gebetsraum im benachbarten Gewerbehaus. (fup)

Begonnen hatte in Grenchen alles Ende September 2009, mit der Baueingabe durch die albanisch-islamische Glaubensgemeinschaft. SVP-Gemeinderat Ivo von Büren hatte das Landstück über Dritte an die AIG verkauft und wehrte sich zu spät gegen diese angebliche Täuschung, blitzte im August 2011 mit seiner Zivilklage erstinstanzlich ab und verzichtete auf einen Rekurs. Noch davor, gleich nach der Baueingabe 2009, hatte die SVP im Gemeinderat einen Vorstoss zwecks Prüfung der Zonenkonformität des Bauvorhabens eingereicht. Die Streitsache wurde vom Kanton Solothurn schliesslich im Sinne der AIG entschieden. Die Einsprecher verzichteten auf einen Weiterzug ihrer Einsprache. Seit diesem Zeitpunkt steht der Moschee der albanisch-islamischen Glaubensgemeinschaft aus baurechtlicher Sicht nichts mehr im Wege.

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