Uhrenpatrons

Die Zeit der Grenchner Schild-Villen ist definitiv abgelaufen

Die Schild-Villa an der Moosstrasse wird abgebrochen, hier werden Mehrfamilienhäuser gebaut. Oliver Menge

Die Schild-Villa an der Moosstrasse wird abgebrochen, hier werden Mehrfamilienhäuser gebaut. Oliver Menge

Hinter den Bäumen an der Bahnhofstrasse muss erneut ein geschichtsträchtiger Bau neuen Eigentumswohnungen weichen. Mit dieser Überbauung geht auch die Ära der Schild-Villen in Grenchen zu Ende, da für die letzte kein Käufer gefunden werden konnte.

Noch steht am verwitterten Briefkasten ein grosser Name geschrieben: «Dr. A. Schild». Doch der Name wird verschwinden, denn die Geschichte wiederholt sich: Schon 2004 wollte dieser Adolf Schild eine seiner Villen im alten Park an der Ecke Bahnhof- und Moosstrasse verkaufen, die sein Grossvater Adolf Schild-Hugi, Gründer der Uhrenfirma ASSA, welche später in die Ebauches SA einging, im Jahr 1915 hatte bauen lassen. Neffe Adolf Schild hoffte damals, die Jugendstilvilla werde vom Käufer saniert und erhalten. Doch das Kleinod hinter den mächtigen Bäumen an der Bahnhofstrasse fand keinen Sanierer und wurde vom Käufer schliesslich mit Baggern dem Erdboden gleichgemacht.

Dasselbe geschieht in diesen Tagen mit der neueren Einfamilienhaus-Villa Schilds an der danebengelegenen Moosstrasse. Nur noch wenige Mauerreste stehen, mit grobem Hammerwerkzeug sind die Bauarbeiter am Werk. Niedergerissen wird ein Einfamilienhaus mit 5 Zimmern aus dem Jahr 1971, welches 1999 mit einer Zweizimmerwohnung im Dachgeschoss erweitert wurde. Eine Villa mit Schwimmbad und einem Bauvolumen von geschätzten 1,5 Millionen Franken. Erbe Adolf Schild hat sich vom letzten Stück der Schild-Geschichte in Grenchen gelöst.

Der Faktor Grenchen

«Ich habe versucht, das Haus so zu verkaufen, wie es ist», erklärt er. Keiner wollte es. Schild selbst lebt seit rund acht Jahren im Berner Oberland. Es sei wohl «der Faktor Grenchen», der dazu geführt habe, dass er wieder keinen Abnehmer fand. Die Lage sei nicht attraktiv genug, und damit, dass nach dem Verkauf der Jugendstilvilla die Wohnsiedlung «Schild-Park» gebaut wurde, war das Haus samt Areal von jeder Seite umschlossen. Ein Umbau hätte sich ausserdem nie gerechnet, sagt Schild.

Er bedaure, dass er das Haus habe aufgeben müssen. «30 Jahre lang habe ich in diesem Haus gelebt, und ich fühlte mich wohl», sagt der 72-Jährige. Doch der Aufwand sei zu gross, zu kostspielig geworden. Wie schon an der Jugendstilvilla hatten Adolf Schilds Söhne auch am neueren Haus kein Interesse. Da habe er nach einer anderen guten Lösung gesucht. Und die habe er nun gefunden.

Platz für ganz viele Familien

Gemäss Angaben von Heinz Wälchli, Geschäftsführer der BW Architekten AG aus Kirchberg, der ausführenden Unternehmung, wird das Villa-Einfamilienhaus abgebrochen und durch zwei Mehrfamilienhäuser mit gemeinsamer, grosser unterirdischer Einstellhalle ersetzt. Bauherrin der neuen Überbauung ist die Firma Pawa Generalbau AG aus Lohn-Ammannsegg, die das Grundstück von Schild erworben hat.

In den zwei Häusern sollen bis Ende nächsten Jahres 16 Eigentumswohnungen erstellt werden. Doch so schön, modern und attraktiv dieser Wohnraum vielleicht werden wird: Vom einstigen Glanz der Schild-Hugis hinter der Bahnhofstrasse wird nicht mehr viel übrig bleiben. Einzig das Arzthaus des Schild-Freundes Dr. Josef Girard zeugt noch vom Reichtum vergangener Zeiten.

Grund für Wehmut sieht Adolf Schild aber nicht. Grenchen bleibe immer Grenchen. Und die Uhrenstadt bleibe immer ein Stück seiner Heimat.

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