«Churchill», der knallrote Doppelpfeil, flitzt haarscharf vor der eigenen Nase vorbei und verschwindet zwischen grünen Matten und Nadelbäumen am Horizont der kleinen Welt, die Roland Meier in der alten Fabrik an der Jurastrasse 85 erschaffen hat.

Hier, eingesäumt von Bahnhofs-Requisiten, befindet sich seine Modelleisenbahn-Anlage: Während die eine Hälfte der Anlage bis zum pickenden Hühnchen und plätschernden Brünnli ausgearbeitet wurde, zeigt sich die andere Hälfte im Rohbau. Es ist ein werdendes Projekt, das Meier mit dem Tribut vieler schlaflosen Nächte bezahlt hat.

Doch das Staunen angesichts der Kleinstberge, Zwergenchalets, und Miniloks bleibt nicht nur dem Schöpfer vorbehalten: Dieses Wochenende öffnet Meier anlässlich des Modelleisenbahntreffs die «Schranke» zur grossen, kleinen Welt.

Ein Interview mit Roland Meier

Ein Interview mit Roland Meier

Im Interview erklärt Roland Meier was alles nötig ist für eine gute Modelleisenbahn-Anlage

Langes Vereinsleben

Dabei geht es ihm um die Freundschaftspflege unter Gleichgesinnten, aber auch um die Nachwuchsförderung. «Ich lebe für die Modelleisenbahn», bekennt Meier, eine Passion, die auch in der Kindheit des heute 44-jährigen ihren Lauf nahm.

«Mit zehn hatte ich meine erste Anlage von Lima» – die Initialzündung, um sich noch intensiver mit dem Thema zu befassen, selbst zu planen, zu basteln, seiner Fantasie freien Lauf zu lassen. Mit 15 trat er der EAG, der Gruppe der Eisenbahn Amateure Grenchen bei. Später gründete er selbst die Jugendgruppe, die 2007 unter dem Namen MEGA (Modul Eisenbahn Gruppe Aare) zum eigenständigen Verein wurde.

Heute ist er EAG-Vorstandsmitglied und MEGA-Präsident. Beide Vereine sind unabhängig, helfen einander aber mit Material, Organisation und Logistik bei diversen Aktivitäten aus.
Meier selbst hat die Fabrikhalle für seine private Anlage gemietet, bietet aber auch MEGA einen Platz für ihre 90-Meter-Anlage. Die Gruppe ist nach Blütezeiten mit 20 Mitgliedern auf einen Bestand von 5 Personen zwischen 25 bis 44 Jahren geschrumpft.

Im Zeitraffer durch die Modelleisenbahn-Anlage

Im Zeitraffer durch die Modelleisenbahn-Anlage

Geniessen Sie bequem von zu Hause aus eine schnelle Modelleisenbahn-Fahrt.

Und so reiht sich auch dieser Verein in die lange Liste all jener ein, die mit Mitgliederschwund und Nachwuchsproblemen zu kämpfen haben. «Dabei kann man mit diesem Hobby so viel lernen.» Und mit der Vielfalt der Tätigkeiten, die im Modellbau zur Anwendung kommen, hält das Hobby für jeden und jede eine eigene Faszination parat.

Meier, der im beruflichen Leben als Servicetechniker unterwegs ist, wird in seinem kleinen Reich zum Planer, Architekten, Schreiner, Maler, Landschaftsgestalter, Elektriker, Gipser, Präzisionstechniker und sogar zum Informatiker. «Vor einigen Jahren hätte ich mich noch gegen das ‹Compüterlen› gesträubt», erinnert er sich.

Aber heute ist die Software zur Steuerung und Kontrolle der Züge fester Bestandteil seiner Anlage. Und sie ist auch nötig, wenn 50 Loks und 300 Wägen entweder in Warteposition auf sogenannten «Schattenbahnhöfen» geparkt sind oder auf der 300-Meter-Bahn herumzirkeln. So wird über die Software auch die Geschwindigkeit jedes einzelnen Zuges überwacht. «1:87» lautet der magische Faktor, um den Meiers Zugwelt und die hier gefahrenen Geschwindigkeiten hinter der richtigen Eisenbahn zurückliegen. Und so werden auch die Tempi auf der Modellbahn entsprechend gesteuert.

Faszination für Gross und Klein

«Wir kennen uns schon seit einem Vierteljahrhundert», sagt Livio Locatelli, der zusammen mit der Modellbörse gerade eine amerikanische Bahn fürs Wochenende installiert. Früher begnügte er sich mit einem reinen Börsenangebot. «Aber gerade für Kinder ist es faszinierender, wenn die Züge sich bewegen und Geräusche machen.» Der Blick in Roland Meiers Welt zeigt: Das gilt nicht nur bei Kindern ...

Treff Sa, 26. Nov. 10-18 Uhr; So, 10 bis 16 Uhr. Jurastrasse 85. Bitte öV für Anfahrt benutzen.