Grenchen

Die Volkshochschule Region Grenchen wird 75-jährig: Ein Rückblick auf ihre Geschichte

Von links: Heidi Eggimann, Gaby Tissot und Res Bur in den Räumlichkeiten der VHS.

Von links: Heidi Eggimann, Gaby Tissot und Res Bur in den Räumlichkeiten der VHS.

Als die Volkshochschule im Oktober 1944 aus der Taufe gehoben wurde, herrschte bekanntlich in Europa noch Krieg. Fünfzig Jahre später deutete der Chronist Christoph Ochsenbein im «Grenchner Tagblatt» diese Gründung als Hinweis auf eine sich abzeichnende Morgenröte: «Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die allgemeine Hoffnung auf ein friedlicheres Zusammenleben unter den Nationen immer stärker. Die Förderung der Erwachsenenbildung erschien in diesem Zusammenhang auch einigen Grenchner Persönlichkeiten als geeignetes Mittel, um eine bessere Zukunft zu erreichen.»

Angestossen wurde die Schaffung der Volkshochschule Region Grenchen (VHS) durch die damals «staatstragende» Literarische Gesellschaft und deren Präsidenten, Bezirkslehrer Walter Schürer. Als weitere Gründungsmitglieder sind der damalige Stadtammann und Nationalrat Adolf Furrer, Oberförster Anton Cadotsch, der Industrielle und Schulpräsident Robert Schild, René Stämpfli, Rektor der Schulen Grenchen, und Fritz Aeberhardt, Gewerbeschullehrer, verbrieft. Eine durchaus illustre Gesellschaft also.

Von Beginn weg eine stattliche Anzahl Kurse

Im ersten Programm des Winters 1944/45 finden sich 11 Kurse von Mathematik über Gesundheitsfragen, Geschichte, aktuellen politischen Fragen, Technik bis hin zur Kunst. Dazu kamen Sprachkurse in Englisch, Spanisch und überraschenderweise auch Russisch. Dass auch 10 Abende dem Thema «Kaufmännische Rationalisierung, Organisation und Planung» gewidmet waren, weist schon früh auf eine enge Zusammenarbeit zwischen Volkshochschule und Kaufmännischem Verein hin, eine Zusammenarbeit, die heute noch, wenn auch etwas loser, besteht.

Die Volkshochschule wurde früh gut aufgenommen und entwickelte sich danach prächtig. 1988 etwa berichtete das «GT» davon, dass nicht weniger als 4250 Teilnehmer die 73 Kurse besucht hätten, was einem Viertel der Bevölkerung Grenchens entsprach. Das war nur möglich dank der Bereitschaft der Verantwortlichen, auf gesellschaftliche Veränderungen zu reagieren.

So wurden etwa in Krisenzeiten Kurse für Erwerbslose angeboten und bereits 1979 finden sich Angebote in elektronischer Datenverarbeitung. Grosszügige Unterstützung erfuhr die VHS stets von städtischer Seite her. Sie hielt sich zumeist an die Vorgabe von einem Franken pro Einwohner. Das Stadtinteresse zeigte sich auch darin, dass die Volkshochschule lange dem Schulrektorat angegliedert war, ehe sie Anfang der 90er-Jahre in einen eigenständigen Verein überführt wurde.

Flexibel auf gesellschaftliche Änderungen reagieren

Aus Anlass der 50-Jahr-Feier zitierte die damalige Leiterin des Amtes für Kultur, Iris Minder, den französischen Schriftsteller und Politiker André Malraux: «Kultur ist die Gesamtheit aller Formen der Kunst, der Liebe und des Denkens, die im Verlaufe der Jahrtausende dem Menschen erlaubt haben, weniger Sklave zu sein.» Die Volkshochschule spiele genau in dieser Art der Kulturvermittlung eine bedeutende Rolle. In einer Zeit der 30 Kabelfernsehprogramme könne sie das nur, wenn sie versuche, am Puls der Bevölkerung zu blieben.

«Genau dies versuchen wir», erklärt Heidi Eggimann, die sich mit Gaby Tissot die Geschäftsleitung teilt und bereits seit 2002 für die VHS tätig ist. «Alles ist noch schnelllebiger geworden. Es gilt, flexibel zu agieren», fügt sie bei. Während die beiden Frauen an der Front wirken, regelt der Vorstand mit Präsident Res Bur die Geschicke des Vereins vor allem im Hintergrund und legt die strategischen Ziele fest.

Weiterhin werden Kurse in Praktischem Wissen, Persönlichkeitsschulung, Erziehung und Kultur angeboten. Schwerpunkte bilden immer noch die Sprachen, seit der Jahrhundertwende sind Computerkurse dazugekommen und seit einiger Zeit boomen auch Kurse in Bewegung/Gesundheit. In der Sparte Wassergymnastik sind die Volkshochschule Region Grenchen und ihre Leiterpersonen zertifiziert, was den Vorteil mit sich bringt, dass unter Umständen die Krankenkasse eine Kostenbeteiligung spricht.

Finanziell getragen von zehn Gemeinden

Die VHS verfügt über eigene Räume an der Jurastrasse, so dass auch tagsüber Kurse durchgeführt werden können. Sie bietet zudem individuelle Kurse à la Carte für Einzelpersonen und jede Gruppengrösse an. 2014 hat man das Angebot des Kulturkreises Bettlach nach dessen Auflösung übernommen.

20 Gemeinden bedient man jeweils im August und im Januar mit dem Programm. Neben Grenchen sind Lengnau und Bettlach die grössten Geldgeber. Insgesamt zahlten 2018 zehn Gemeinden über 34’000 Franken an die Institution, wobei die Standortgemeinde aus Anlass des 75-Jahr-Jubiläums einen Extra-Zustupf leistete. Die Finanzen sind zwar solide, dennoch betont Res Bur: «Ohne diese Gelder wäre die Volkshochschule auf Dauer nicht zu finanzieren.»

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