Gemeinderat Grenchen
Die Variante «Kindergarten im Lingeriz» dürfte chancenlos bleiben

Am Dienstagabend diskutiert der Gemeinderat Grenchen bereits zum dritten Mal über den 14. Kindergarten. Dieser gab bisher schon Anlass zu hitzigen Debatten.

Patrick Furrer
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In Grenchen gibts einfach zu wenig Platz für die Kindergärtler (Archiv)

In Grenchen gibts einfach zu wenig Platz für die Kindergärtler (Archiv)

Michael Rüegg

Zwei Mal wurde das Geschäft für den überfälligen 14. Grenchner Quartierkindergarten schon zurückgewiesen. Zwei Mal hat die Baudirektion neue Varianten erarbeitet, da SVP, CVP und FDP ein Kindergarten an der Lingerizstrasse zu teuer war (wir berichteten). Die Bürgerlichen favorisieren eine sparsamere Variante an der Lindenstrasse, die den Kindern aber einen ungewohnt weiten Schulweg und damit keine Verbesserung gegenüber der heutigen Übergangslösung im «Eichholz» bietet.

Die Bürgerlichen und die SP sind sich in dieser Sache alles andere als einig. «Die Bürgerlichen denken einfach nicht nachhaltig», sagte dazu Alexander Kaufmann (SP). Wenn man bei den Kindern spare, setze man den Hebel an der falschen Stelle an. «Zudem könnte man mit der Realisation Kindergarten West im viel kritisierten und thematisierten Lingeriz-Quartier ein Zeichen setzen und mit dieser Investition als Stadt den ersten Schritt in die Quartierentwicklung Lingeriz auslösen», so Kaufmann.

Andere wiederum behaupten hinter vorgehaltener Hand sogar, die bürgerlichen Parteien wollten die Variante Lingerizstrasse erst recht nicht, da diese Lösung für ein vermeintliches Problemquartier eine angebliche Aufwertung darstelle. Wäre der modular zu erstellende Kindergarten woanders geplant, hätte man kaum die gleiche Gegenwehr gezeigt, wird vermutet. Mit dieser Sichtweise werde das seit Jahrzehnten bewährte Prinzip der Quartierkindergärten möglicherweise gefährdet.

Neue Variante Lindenpavillon

Nun kommt das Geschäft zum dritten Mal in die Ratsrunde. Wieder bietet die Baudirektion neue Varianten: Die Variante Lingeriz dürfte dabei chancenlos bleiben. Die Variante Schulhaus 1 (Lindenstrasse) wird als Notlösung dargestellt, auch wenn der Kredit leicht erhöht wurde, damit zusätzliche Sanierungen möglich werden. Eine weitere Möglichkeit, die Übernahme der Räume des heutigen Tageshorts, erachtet die Schulleitung mit der übrigen Schulraumbelegung als kaum vereinbar.

Die Variante, die auch von der Gemeinderatskommission nach eingehenden Diskussionen nun zur Genehmigung unterbreitet wird, ist die «Variante Lindenpavillon»: Ursprünglich waren im Lindenpavillon an der Lindenstrasse zwei Kindergärten einquartiert, aus Platzmangel funktionierte dies aber nicht, weshalb dort nur noch ein Kindergarten geführt wird. Für den 14. Kindergarten wäre eine Erweiterung nötig, zusätzliche Räume, Toiletten und Garderoben. Die Investitionskosten würden sich auf 255 000 Franken belaufen; weniger als die Lingerizvariante (470 000), mehr als die Schulhaus 1-Variante (90 000). Ob dieser neue Mittelweg eine Chance hat, wird sich zeigen. Für die Baudirektion steht fest, dass sie keine Verbesserung bezüglich des Schulweges darstellt, zudem würde der aktuelle Unterricht während der Bauarbeiten beeinträchtigt.

Kein weiterer Aufschub mehr

Sicher ist nur: Es wird die letzte Sitzung zum Thema sein – denn wird keine der neuen Möglichkeiten genehmigt, wird definitiv die Budget-Variante im Schulhaus 1 ausgeführt, welche von der Baudirektion betreffend räumlicher Ausstattung und Akzeptanz bei Eltern und Schule als am schlechtesten eingestuft wird. Sollte die Lösung Lindenpavillon nämlich keine Mehrheit finden, wird die GRK in eigener Kompetenz den Kredit für das Schulhaus 1 genehmigen, damit es endlich vorwärtsgeht. Zu viel Zeit ging bereits verloren. Ohnehin wird der neue Kindergarten nicht aufs neue Schuljahr fertig sein, sondern erst im Herbst. Bis dahin müssen die Kindergartenkinder weiterhin mit dem «Eichholz» begnügen.