Rund zweimal im Jahr führt das Kultur-Historische Museum eine Gastausstellung durch, so Museumsleiterin Angela Kummer. Dabei arbeite man mit externen Stellen zusammen, in der aktuellen Ausstellung, deren Vernissage am kommenden Dienstag stattfindet, mit der Kantonsarchäologie Solothurn.

In der Ausstellung geht es um das Gräberfeld des frühmittelalterlichen Friedhofs zwischen Schulstrasse und Schützengasse. Im Januar und Februar 2014 brachten archäologische Ausgrabungen überraschend die Überreste von insgesamt 62 frühmittelalterlichen Gräbern zum Vorschein. Ausgelöst wurde die vierwöchige Notgrabung durch den Neubau eines Mehrfamilienhauses mit Einstellhalle.

«Die Zeit, aus der diese Gräber stammen, liegt weit zurück», erklärt Kummer. Eine Zeit, die weitgehend «dunkel» sei. Man wisse grundsätzlich wenig über das Frühmittelalter – ganz im Gegensatz zur Römerzeit mit den gut dokumentierten Funden von Gutshöfen und ganzen Städten, wie Augusta Raurica – oder zum Mittel- und Hochmittelalter mit seinen Burgen.

Der altbekannte Friedhof

Dass sich zwischen Schützengasse und Schulstrasse bis 1400 Jahre alte Gräber befinden, wusste man schon länger. Bereits 1823 waren beim Bau eines Kellers fünf Gräber entdeckt worden. Heimatforscher machten sich in der Folge auf die Suche nach den alten Grabstätten. Der «Geschichtsforschende Verein Solothurn» führte in den 1860er-Jahren eine erste Ausgrabung durch. Man stiess auf über zwanzig gemauerte oder aus Kalksteinplatten gebaute Gräber, die teilweise Beigaben wie Schwerter, Gürtelschnallen oder Schmuck enthielten – im Volksmund oft fälschlicherweise als «Burgundergräber» bezeichnet. Die Burgunder traten nämlich erst Ende des 7. Jahrhunderts nach Christus bis ins 15. Jahrhundert auf, so Kummer.

Bis 1949 wurden laut diverser Fundmeldungen in verschiedenen Grabungen mindestens neunzig Gräber des Friedhofs entdeckt und ausgeräumt. Leider ohne Dokumentation.

Vor der vierwöchigen Untersuchung im Januar/Februar 2014 wusste niemand, ob und wie viele Gräber nach den früheren Ausgrabungen überhaupt noch erhalten sein würden. Zur grossen Überraschung kamen nicht nur Spuren der Altgrabungen in Form von 15 ausgeräumten Grabbauten, sondern 47 unberührte Gräber zum Vorschein. 15 dieser neu entdeckten Gräber enthielten Beigaben. Man fand Waffengurte, Trachtbestandteile in Form metallener Gürtelbeschläge und einzelne Schmuckstücke in den schlicht ausgestatteten Gräbern.

Erwähnenswert die Grabbeigabe eines 40-45-jährigen Mannes, die ab Dienstag in Grenchen zu sehen ist: Die Überreste eines Leibgürtels mit einem Kurzschwert (Sax) und dem Inhalt einer längst verrotteten Gürteltasche aus Leder – einem multifunktionalen Kleinwerkzeug und etwas Altmetall. Im Weiteren befand sich in der Tasche eine Pfeilspitze aus Feuerstein. Zusammen mit Feuerstahl und Zunder bildeten solche Feuersteine die damaligen Feuerzeuge. Oder der Mann hatte sie schlicht als Sammelobjekt mit dabei.

Romanen und Alemannen

Das gänzliche Fehlen oder die spärlichen Grabbeigaben haben einen kulturgeschichtlichen Hintergrund, erklärt Angela Kummer: «Diese Gegend war von Romanen besiedelt, den Nachfahren der Gallorömer. Bei ihnen waren Grabbeigaben nicht üblich. Die Franken und Alemannen jedoch, die ab Mitte des 6. Jahrhunderts das Mittelland besiedelten, bestatteten die Frauen mit Schmuck und die Männer mit ihrem Wehrzeug.» Die Grenze zwischen Romanen und Alemannen verlief etwas östlich von Solothurn. Grenchen befand sich also bereits im germanischen Einflussgebiet. Die Romanen nahmen die Beigabensitte wieder auf – allerdings in stark reduzierter Form. So erhielten die Verstorbenen, wenn überhaupt, nur eine symbolische Beigabe mit ins Grab.

Systematisch untersucht

In den vergangenen Jahren hat die Kantonsarchäologie die Funde nun systematisch untersucht und präsentiert am kommenden Dienstag die Resultate. Man hat die Überreste von mindestens 63 Menschen ausgegraben. 51 Erwachsene, ein Jugendlicher und 11 Kinder. Viele von ihnen starben, bevor sie 45 wurden. 50 - 60 Jahre war schon ein sehr hohes Alter, ältere Menschen fand man keine. Die durchschnittliche Grösse betrug bei den Frauen 1,61 Meter und bei den Männern 1,71 Meter – im Vergleich zu anderen frühmittelalterlichen Bevölkerungsgruppen waren die Grenchner eher gross gewachsen.

«Die Individuen zeigen nur sehr wenige krankhafte Veränderungen oder Verletzungen», erklärt Sabine Landis, die bei der Untersuchung beteiligte Antropologin. «Ein paar wenige Knochenbrüche. Allgemein war aber die Zahnhygiene nicht sehr gut. Viele zeigen Kariesbefall, bis hin zu verfaulten Zähnen.» Anlässlich der Vernissage werden weitere eindrückliche Ergebnisse der Forschung präsentiert.

Die Vernissage findet am Dienstag, 23. Oktober 2018 um 19 Uhr im Museum statt. Vorträge von Pierre Harb, Kantonsarchäologie Solothurn, Christian Lanz, Facharzt für Rechtsmedizin sowie Sabine Landis, Anthropologin. Anschliessend Apéro und freie Ausstellungsbesichtigung.