Grenchen

Die Stadtpolizei wird mit Tasern ausgerüstet - und nimmt damit eine Vorreiterrolle ein

Sieht aus wie eine Schusswaffe, nur blau: Taser der Kantonspolizei Aargau. Die Geräte der Stapo Grenchen sollen in gelb daherkommen.

Die Stadtpolizei Grenchen soll noch dieses Jahr mit Tasern ausgerüstet werden. Der Kommandant sieht darin eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Polizei.

Die Gemeinderatskommission hat den Antrag des Stapo-Kommandanten, einen Nachtragskredit von 9800 Franken zwecks Anschaffung von vier Tasern bewilligt. Die Stadtpolizei soll noch dieses Jahr mit den «Destabilisierungsgeräten» ausgerüstet und ausgebildet werden.

Mehrere Schweizer Polizeikorps hätten sich in den letzten Monaten entschieden, den Taser flächendeckend einzuführen und das gesamte Personal darauf zu schulen», erklärt Stadtpolizei-Kommandant Christian Ambühl. «Für mich gab am Ende der Kanton Bern den Ausschlag, denn dort wurde der Taser am Anfang sehr kritisch diskutiert. Jetzt wird er dort flächendeckend eingesetzt.»

Eine Pionierrolle, einmal mehr

Ambühl ist bewusst, dass Grenchen hier einmal mehr eine Vorreiterrolle unter den Kleinstädten einnehmen wird. Taser sind beispielsweise bei der Stapo Solothurn ein Fremdwort und auch die Kantonspolizei rüstet nur Sondereinheiten damit aus. Er habe gerade deshalb die Anschaffung auch von der GRK beschliessen lassen, erklärt Ambühl. «Ich könnte sie in eigener Kompetenz anschaffen, wie die Schusswaffen übrigens auch», sagt Ambühl. Aber er wollte politische Rückendeckung, die er auch bekommen hat.

Passt aber eine solche Aufrüstung zu einer Stadt, die sich ansonsten als sicher brüstet? Ambühl meint ja. «In der Tat ist Grenchen nach wie vor sicher. Wenn man aber die nationale Entwicklung betrachtet, beispielsweise bei der häuslichen Gewalt, ist die Frage nicht ob, sondern wann wir zum ersten Mal auf die Geräte angewiesen sind.» Fakt sei, dass mitunter auch in Grenchen vermehrt zum Messer gegriffen werde. Deshalb ist für Ambühl der Zeitpunkt für die Taser-Anschaffung gekommen.

Neue Waffen für die Grenchner Stadtpolizei

Neue Waffen für die Grenchner Stadtpolizei

Die Polizei von Grenchen wird mit Tasern ausgestattet. Diese sehen aus wie gewöhnliche Schusswaffen, sind jedoch blau.

Er sieht darin vor allem ein Hilfsmittel, um die Optionen für Polizistinnen und Polizisten in heiklen Situationen auszuweiten. «Es ist die Polizei, welche als erstes am Einsatzort eintrifft. Diese muss bei einer Eskalation und Bedrohung gegen Leib und Leben in Sekundenbruchteilen entscheiden, welches verfügbare Einsatzmittel das richtige ist, um ein akutes Problem zu lösen oder die Gefahr abzuwenden. Oft bleibt keine Zeit, die Sondereinheit mit ihren Tasern aufzubieten.»

Das «Destabilisierungsgerät» sei gegenüber der Schusswaffe ganz klar das mildere Einsatzmittel und könne einen Schusswaffeneinsatz unter Umständen verhindern, betont Christian Ambühl. «Es ermöglicht unseren Einsatzkräften, bei Gefahr gegen Leib und Leben nicht in jedem Fall zur Schusswaffe greifen zu müssen, sondern einen Täter mittels Taser ausser Gefecht zu setzen.»

Wo geeignet, sei dies auf jeden Fall die bessere Variante für alle Betroffenen. Denn der Schusswaffengebrauch bei Notwehr oder Notwehrhilfe bedeute für Polizistinnen und Polizisten immer psychischen Stress. «Zu wissen, jemanden verletzt oder gar getötet zu haben, auch wenn dies in Ausübung des Dienstes geschehen sei, ist sehr belastend», meint der Polizeikommandant. Solche Situationen will man am besten gar nicht aufkommen lassen.

Auch das von Amtes wegen eingeleitete Strafverfahren und die damit zusammenhängenden Fragestellungen seien schwierig. «Das Wichtigste bei einem polizeilichen Einsatz sind immer die Gefahrenabwehr und die Verhältnismässigkeit», betont Kommandant Ambühl. Wenn der Pfefferspray genüge, sei der Taser fehl am Platz. Wenn der Taser das richtige Mittel sei, solle nicht die Schusswaffe gebraucht werden müssen. Das mildeste Mittel, das den gewünschten Effekt bringt, sei das richtige. «Jeder Schusswaffengebrauch, der mit dem Taser abgewendet werden kann, hat sich gelohnt.»

Erwiesen sei auch, dass der Taser präventiv wirken könne. «Oft reicht schon die Androhung, den Taser zu verwenden, dass sich ein Täter ergibt.» Die Geräte, welche die Stapo anschaffen will, würden aus diesem Grund leuchtend gelb sein. Damit würden Missverständnisse vermieden, da Taser ansonsten von der Form her einer Schusswaffe gleichen.

Nur wer selbst hat, der darf

Ambühl hat den Taser während seiner früheren Tätigkeit bei der Stadtpolizei Bern in der Sondereinheit selber eingesetzt, berichtet er. Er ist Instruktor, hat Ausbildungsunterlagen für spezielle Einsatzkräfte erstellt und hat diese ausgebildet. Deshalb werde er auch persönlich die Grenchner Polizei am Gerät ausbilden.

Dabei gelte eine Maxime: Nur wer sich einmal hat Tasern lassen (wie er selber auch), kann ein Gerät künftig auf Streife mitnehmen. Ambühl geht davon aus, dass die meisten im Korps mitmachen. «Es ist sehr unangenehm, die Wirkung der Lähmung dauert etwa fünf Sekunden an und es bleibt für einige Stunden eine Art Muskelkater zurück», fasst er sein eigenes Taser-Erlebnis zusammen.

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