Obs was bringt? Schwer zu sagen, aber «Polizeikorps in anderen Kantonen haben gute Erfahrungen gemacht», sagt Kilian Messerli, Zuständiger für die Facebook-Aktivitäten der Stadtpolizei Grenchen. Seit zwei Monaten hat die Stapo einen eigenen Account und eine eigene Seite auf der sozialen Plattform. Bis Grenchen aber so weit ist, wie etwa die Stadtpolizei Zürich, die auf ihrer Seite nach gut einem Jahr bei 2128 «Likes» steht, dürfte es noch eine ganze Weile dauern.

Immerhin 132 Freunde hat die «Person» Stadtpolizei Grenchen, gerade mal 32 «Likes» ihre Facebook-Seite. Vermutlich bestehe eine recht grosse Hemmschwelle, sich mit der Polizei zu befreunden oder zu solidarisieren, meint Messerli. Dass die Stadtpolizei aber nur deshalb erst wenige Freunde hat, weil die User alle «Dreck am Stecken» hätten, wage er zu bezweifeln, meint er witzelnd. «Wir haben Facebook letztlich noch nicht lange. Ich bin gespannt, was noch kommt.»

Präventiv, aber auch repressiv

Noch hat keine andere Stadtpolizei im Kanton den Sprung ins Facebook gewagt. Während die Oltner kritisch sind, ob Facebook als Werkzeug wirklich taugt, und die Solothurner meinen, die nötigen, personellen Ressourcen nicht zu haben, sieht das Messerli nüchterner: «Bringts nichts, schadets nicht.» Immerhin seien keine zusätzlichen Kosten mit den Internetaktivitäten verbunden und er verwende nur zwei bis drei Stunden die Woche für Facebook. Das Gute sei, dass man ein Klientel erreichen könne, dass man über Zeitung, Flyer oder Standaktionen nicht findet: junge Leute, die im Internet ihre zweite Heimat haben.

Wer aber denkt, künftig rechtzeitig zu erfahren, wo die Polizei gerade blitzt, wird enttäuscht. In erster Linie geht es um Prävention, Information und PR-Arbeit in eigener Sache, sagt Facebookpolizist Messerli. Die aktuellste Meldung auf der Seite ist zu Dämmerungseinbrüchen, die saisonal bedingt wieder häufiger passieren; dazu gibts Tipps und Tricks von den Profis in Blau. «Und wenn jemand eine Frage hat, kann er auch einfach eine Nachricht schicken.» Die Möglichkeit bestehe, genutzt habe sie aber noch keiner.

In zweiter Linie könnten sich die Polizisten vorstellen, Facebook als Recherche- und Fahndungsmittel zu nutzen, um Verbrechern auf die Schliche zu kommen oder frühzeitig auf eine illegale Party aufmerksam zu werden. Zum Thema Datenschutz meint Messerli: «Wir können nichts, was nicht auch jeder Private in Facebook machen kann. Wir sehen immer nur so viel von den Leuten, wie sie von sich zeigen.» Dennoch gab es für die Stadtpolizei Grenchen vor der Einführung rechtliche Fragen zu klären. «Das Resultat daraus ist, dass ich heute der Einzige in der gesamten Stadtverwaltung bin, der einen Facebook-Zugang hat», sagt Kilian Messerli. Alle anderen Stadtangestellten haben keinen – aus Angst vor Datenklau und Ablenkung bleibt Facebook gesperrt.

Gut Ding will Weile haben

Täglich kontrolliert Messerli den Account, regelmässig postet er Neuigkeiten und Informationen zu Präventionsprojekten, Polizeimeldungen, Veranstaltungen etc. Es werde wohl mindestens ein halbes Jahr dauern, bis man eine aussagekräftige Bilanz ziehen kann. Sein Wunsch wäre es – wen überraschts – möglichst viele Freunde und «Likes» zu bekommen. Bewährt sich Facebook, könnte er sich vorstellen, daraus spezielle Projekte zu entwickeln – auch wenn das wohl ein frommer Wunsch sei.

Einen Tipp gibt Polizist Kilian Messerli seinen potenziellen Facebookfreunden jedenfalls noch mit auf den Weg: Anstand schützt vor Strafe. «Wer der Stadtpolizei eine Nachricht schickt, oder auf der Fanseite postet, sollte auf Worte wie Scheissbullen verzichten.» Es wäre nicht das erste Mal, dass ein User für seinen Post eine Anzeige wegen Beamtenbeleidigung kassiert hätte, weiss Messerli von Polizeiberichten aus anderen Kantonen.