An der Gemeinderatssitzung von nächstem Dienstag wird ein Geschäft behandelt, mit dem die Stadt ein öffentlich unausgesprochenes Versprechen einlösen könnte: Weil es mit der Umbenennung der Schlachthausstrasse letztes Jahr nicht geklappt hat, will man der Uhrenfirma Breitling nun doch die gebührende Ehre erweisen, indem man die Unterführungsstrasse, die in die Schlachthausstrasse mündet und an der Breitling vorbeiführt, umbenennt. Da die Gemeinde laut Verordnung über die amtliche Vermessung für die Namensgebung von Strassen zuständig ist, braucht es dazu einen Gemeinderatsbeschluss.

«Die Umbenennung der Schlachthausstrasse ist seit 2001 immer wieder ein Thema, wurde aber bisher von der Politik verworfen, wie die verschiedenen Entscheide zeigen», heisst es im Papier der Bau-, Planungs- und Umweltkommission Bapluk zur entsprechenden Vorlage.

Tatsächlich gab es mehrere Anläufe, den Namen zu ändern. 2001 wurde sogar ein Wettbewerb durchgeführt, aber die Behörden beschlossen 2006, den Namen «Schlachthausstrasse» beizubehalten. Vor fünf Jahren wurde das Schlachthaus, das schon seit Jahrzehnten stillgelegt war, der Strasse aber immer noch den Namen gab, abgerissen und eine Überbauung mit zwei Mehrfamilienhäusern wurde an der Stelle gebaut.

Breitling hätte nichts dagegen

Von verschiedenen Seiten wurde bis letztes Jahr der Wunsch an die Stadt herangetragen, die Strasse umzubenennen, weil der Name nicht mehr zeitgemäss sei. Dem Vernehmen nach soll auch der neue Breitling-Chef Georges Kern das Anliegen bei seinem Antrittsbesuch im Hôtel-de-Ville zur Sprache gebracht haben. Und obwohl das firmenintern nicht zuoberst auf der Agenda stehe, würde man einen Namenswechsel begrüssen, meinte der Kommunikationsverantwortliche von Breitling, Uwe Liebminger damals gegenüber dieser Zeitung.

Auch der Wirtschaftsrat und die Kulturkommission hatten sich für einen Namenswechsel ausgesprochen und schlugen eine Umbenennung der Schlachthausstrasse in «Léon-Breitling-Strasse» vor. Damit wollte man den Schweizer Uhrmacher Léon Breitling (1860–1914) ehren, der 1884 die Firma Breitling in Saint-Imier gegründet hatte, die jetzt ihren Hauptsitz in Grenchen an der Schlachthausstrasse 2 hat. Und die den Namen Grenchen mit ihrer Uhrenmarke hinaus in die Welt trägt.

Anwohner hatten wenig Freude

Doch man hatte die Rechnung ohne die Anwohner gemacht: Anfang September machte die Stadt bei den 171 an der Schlachthausstrasse registrierten, volljährigen Bewohnern und den 12 dort ansässigen Firmen eine Umfrage. Eine Mehrheit sprach sich gegen die Umbenennung aus, es wurde in der Folge sogar eine Petition gegen eine Umbenennung bei der Stadt eingereicht. Angesichts dieses Widerstandes gab man klein bei. «Die Schlachthausstrasse trotz der negativen Rückmeldungen der Anwohner umzubenennen, wäre undemokratisch. Es soll deshalb darauf verzichtet werden», heisst es in den Erwägungen der Baudirektion, der Standortförderung und der Kulturkommission zum vorliegenden Geschäft.

Aber die Kulturkommission hatte schon letztes Jahr die zündende Idee: Wenns mit der Schlachthausstrasse nicht klappt, nehmen wir halt eine andere Strasse: In unmittelbarer Nachbarschaft führt die Unterführungsstrasse an der Breitling vorbei. Und an dieser Strasse wohnt kein Mensch. Sie beginnt beim Kreisel nördlich des Hallgarten und mündet in die Schlachthausstrasse, keine einzige Liegenschaft liegt an dieser Strasse. Also dürfte es auch keinen Widerstand seitens der Bevölkerung geben, wenn der Gemeinderat nächsten Dienstag die Umbenennung der «Unterführungsstrasse» in «Léon-Breitling-Strasse» beschliesst.

Einstimmiger Antrag der Kommission

Es gebe auch noch weitere Gründe, die für den Namenswechsel sprächen, heisst es in der Vorlage: Das Unternehmen Breitling stärke das Image der Stadt als Wirtschaftsstandort und diese Tatsache wolle man würdigen. Die Umbenennung könne mit minimalstem Aufwand bewerkstelligt werden, die Baudirektion brauche bloss die neuen Strassenschilder herzustellen und auszutauschen und die Standortförderung müsse lediglich die Korrektur an die kartografischen Firmen und Google Maps melden. Die Bapluk unterstützt die Erwägungen der Baudirektion und stellt dem Gemeinderat einstimmig den Antrag zur Umbenennung.

Offen bleibt, ob die Firma Breitling, die ja immer noch die Adresse «Schlachthausstrasse 2» im Briefkopf führt, ihren jetzigen Eingang hin zur Strasse neben ihrem Grundstück verbreitert oder wenigstens dort einen schmucken Briefkasten montiert, um dann die einzige, also die erste Adresse an der «Léon-Breitling-Strasse» zu sein.

Wie Romy Hebden, Public Relations-Verantwortliche bei Breitling erläutert, würde man sich bei der bekannten Uhrenmarke natürlich sehr über eine Umbenennung freuen. Sie könne zwar jetzt nicht sagen, ob schon konkrete Pläne für einen «Umbau des Eingangsbereichs» oder eine Adressänderung vorlägen, aber falls der Entscheid im Gemeinderat positiv ausfalle, könne man sehr wahrscheinlich davon ausgehen, dass Breitling die Anschrift von «Schlachthausstrasse 2» zu «Léon-Breitling-Strasse» ändere.

In dem Fall stellt sich unweigerlich – mit einem Augenzwinkern – die Frage, ob man die Häuser an der Schlachthausstrasse in der Folge umnummerieren müsste. Denn schliesslich würde dann die Nummer 2 fehlen. Ob diese Tatsache wohl in die Überlegungen der Kommissionen eingeflossen sind?