Grenchen
Die Stadt plant den Neubau unbeirrt weiter

Trotz des Entscheids, die Veranlagungsbehörde von Grenchen nach Solothurn zu verlegen, übernimmt der Kanton Solothurn die Kosten für einen Architektur-Wettbewerb zur Erweiterung des Hôtel-de-Ville. Der Wettbewerb wird demnächst beginnen.

Andreas Toggweiler
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Auf diese Parzelle südlich des Stadthauses soll das neue Verwaltungsgebäude zu stehen kommen.

Auf diese Parzelle südlich des Stadthauses soll das neue Verwaltungsgebäude zu stehen kommen.

Andreas Toggweiler

Mit dem jetzt endgültigen Beschluss des Kantonsrats, die Steuerverwaltung in Grenchen zu schliessen, ist das Ende der Veranlagungsbehörde in Grenchen besiegelt. Trotzdem zahlt der Kanton an ein noch zu errichtendes gemeinsames Verwaltungsgebäude: und zwar an die Kosten für die Durchführung eines Architekturwettbewerbs.

Im vergangenen Dezember hat die Gemeindeversammlung dafür einen Bruttokredit von 240 000 Fr. bewilligt. Davon übernimmt der Kanton einen Drittel der Kosten. Er wird auch im Projektausschuss mitreden.

Schon vor dem Entscheid über die Veranlagungsbehörde war für die Stadt klar, dass man den Verwaltungsneubau unabhängig von den Plänen des Kantons realisieren will. Dennoch können gemäss einer Vorstudie bis zu 4000 Quadratmeter für die Bedürfnisse des Kantons eingeplant werden.

Vage hat dieser angekündigt, nach dem Auszug der Veranlagungsbehörde die Verlagerung von anderen kantonalen Arbeitsstellen nach Grenchen zu prüfen. Die Rede war etwa von der kantonalen Finanzkontrolle. Doch dies dürfte bei den aktuellen finanziellen Problemen des Kantons nicht vorderste Priorität haben.

Verwaltung zentralisieren

Zunächst wird nun aber ein Architekturwettbewerb durchgeführt, wie ein Verwaltungszentrum südlich des Stadthauses unter Einbezug des heutigen Hôtel-de-Ville aussehen könnte: Bauamt, Sozialamt, Stadtkanzlei, Stadtpräsidium, Bereitschaftsdienste, Informatik, eventuell auch eine Stadtbibliothek und ein Stadtarchiv plant die Stadt im Komplex unterzubringen; beim Raumprogramm Kanton kämen die Amtsschreiberei, das Zivilstandsamt und die Kantonspolizei dazu. Das Projekt soll etappierbar sein und unterschiedliche Projektvarianten ermöglichen. Im Foyer soll auch öffentlicher Raum geschaffen werden für kleinere Ausstellungen und Anlässe.

Der Wettbewerb soll in einem zweistufigen, selektiven Verfahren mit Präqualifikation erfolgen. Das heisst, nur speziell ausgewiesene Büros mit entsprechender Erfahrung sollen mitmachen, wenngleich das Projekt an sich eine Ausschreibung nach GATT/WTO-Kriterien verlangt. Die Kosten bei Realisierung dürften die Stadt etwa 12–15 Mio. Fr. betragen, das heisst, wenn der Kanton keinen zusätzlichen eigenen Raum beansprucht (und auch dafür zahlt, nämlich weitere 5–6 Millionen).

Bis 2019 fertig

Dass die Realisierung eines zentralen Verwaltungssitzes für die Stadt eine günstige Lösung wäre, zeigt sich allein an den Mietkosten für ausgelagerte Amtsstellen, die heute 400 000 Franken jährlich ausmachen. Wenn die Realisierung «fahrplangerecht» erfolgt, also bis Ende 2019, geht es sogar mit dem Ablauftermin der bestehenden langjährigen Mietverträge noch auf.

Den Fahrplan stellte sich die Stadt in der Vorlage wie folgt vor: Wettbewerb bis September 2014, Grundsatzentscheid bis Ende 2014, Freigabe Projektierungskredit für Budget 2015, Projekt mit Kosten Herbst 2015, Finanzierungs- und Behördenentscheide Kanton und Stadt bis Sommer 2016, Urnenabstimmung Dezember 2016, Baubeginn Sommer 2017, Bezug Neubau Ende 2019 und Sanierung Gemeindehaus 2020.

Start noch vor den Ferien

Laut Jürg Vifian, stellvertretender Stadtbaumeister, ist dieser Fahrplan grundsätzlich noch realistisch. «Vielleicht wird der Wettbewerbsentscheid erst Anfang nächstes Jahr erfolgen.» Ende Mai soll ein Entwurf des Wettbewerbsprogrammes vorliegen.

Zurzeit würden Personen für die Wettbewerbsjury gesucht, damit dieser noch vor den Sommerferien gestartet werden kann. Seitens der Stadt soll der Stadtpräsident in die Jury Einsitz nehmen.