Grenchen

Die Spitex Grenchen startet mit einem neuen Präsidenten in eine neue Ära

Der neue Präsident Renato Delfini ist Leiter der Berufs, -Studien- und Laufbahnberatung beim Kanton.

Der neue Präsident Renato Delfini ist Leiter der Berufs, -Studien- und Laufbahnberatung beim Kanton.

Renato Delfini löst Rolf Dysli als Präsident der Spitex Grenchen ab. Das mittelgrosse KMU sieht in der Zukunft einigen Herausforderungen entgegen — wie beispielsweise dem Anstieg zu betreuenden Personen.

Der neue Präsident der Spitex Grenchen, dem mit gut 1000 Mitgliedern grössten Verein der Stadt, heisst Renato Delfini. Der 63-Jährige wurde an der Generalversammlung, die wie in diesen Coronazeiten üblich, schriftlich durchgeführt wurde, zum Nachfolger von Rolf Dysli gewählt. Dieser hatte das Amt 11 Jahre inne und wird dem Vorstand für ein Jahr als Berater erhalten bleiben.

Spitex Grenchen steht vor Herausforderungen

Renato Delfini ist Leiter der Berufs,-Studien- und Laufbahnberatung beim Kanton. Er amtete bereits seit einigen Jahren als Vizepräsident der Spitex und sieht die Organisation auf einem guten Weg. Mit einem Umsatz um 3,5 Millionen Franken und rund 70 Mitarbeitenden sei man ein mittleres KMU. «Die demografische Entwicklung sowie die Gesundheitsstrategie ‹ambulant vor stationär› wird dazu führen, dass wir in Zukunft deutlich mehr Personen betreuen werden», erklärt er. Es gehe darum, die Menschen so lange wie möglich in ihrem angestammten Zuhause medizinisch, pflegerisch und beratend zu versorgen. Dies sei noch immer die kostengünstigere Variante als ein stationärer Aufenthalt.

Die Mitarbeitenden der Spitex leisten täglich hervorragende Arbeit vor Ort. Sie erbringen ihre Dienstleistungen bedarfsgerecht und engagiert, täglich in stets wechselnden Haushalten, bei Regen, Wind und Schnee und dies auch über Fest- und Feiertage.

Dass die Spitex systemrelevant ist, hat sie in den letzten herausfordernden Monaten täglich unter Beweis gestellt. Das Umsetzen der Leistungsverpflichtung gerade in dieser coronabelasteten Zeit mit allen sehr einschränkenden Massnahmen sei mustergültig gewesen.

Von der Objekt- zur Subjektfinanzierung

Als grösste Herausforderung sieht Renato Delfini die anstehende Umstellung der Finanzierung von der Objekt- auf die Subjektfinanzierung, welche kantonsweit für alle Spitex-Organisationen ansteht. Ab nächstem Jahr soll eine neue Vereinbarung gelten, die eine leistungsabhängige Abgeltung auf der Basis eines klar definierten Leistungsauftrages vorsieht: «Das heisst, dass jede von der Spitex erbrachte Leistungsstunde nach drei verschiedenen Tarifen a, b und c entschädigt werden muss.» Dies könnte einen finanziellen Mehraufwand für die Gemeinde bedeuten. Wünschenswert wäre, wenn die Spitex dadurch auch die Möglichkeit bekäme, die zu tätigenden Investitionen selber finanzieren zu können.

Das Ressortsystem wird im Vorstand eingeführt

Um für die sich abzeichnenden Veränderungen gewappnet zu sein, hat man unter der Leitung von Renato Delfini bereits vor gut einem Jahr eine Strategiegruppe etabliert, welche die nötigen Schritte erarbeitet und eingeleitet hat. So wird zum Beispiel im Vorstand auf dieses Jahr das Ressortsystem eingeführt. «Die Spitex ist und bleibt aber eine Non-Profit-Organisation», verspricht der neue Präsident.

Wichtig für die Weiterentwicklung der Organisation sei es im Übrigen, dass man schon früh begonnen habe, die Aus- und Weiterbildung in die eigenen Hände zu nehmen: «Wir bilden als Ausbildungsbetrieb unser eigenes Fachpersonal auf allen Niveaustufen mit professionellen Berufsbildnerinnen in hoher Qualität und mit grossem Fachwissen aus.» Der Aufwand lohne sich, da Rekrutierungs- und Einarbeitungskosten für neues Fachpersonal entsprechend reduziert werde.

Jahresbericht 2019 mit mehreren Schwerpunkten

Werfen wir noch einen Blick auf den Jahresbericht 2019. «Es gibt wohl nur wenige KMU, die Jahr für Jahr eine solche Dynamik an den Tag legen wie die Spitex-Organisation. Während andere Dienstleistungssektoren hart zu kämpfen haben, boomt der Gesundheitsmarkt – ganz besonders im ambulanten Bereich», konstatiert der scheidende Präsident Rolf Dysli.

In zwei unsicheren Fragen wurde Klarheit geschaffen. Bei der Finanzierung der Wegkosten hat das Versicherungsgericht entschieden, dass die Anfahrt der Spitex ein Teil der Pflegeleistung sei. Diese Kosten gehen zu Lasten der Gemeinden. In einem weiteren Punkt der Pflegefinanzierung, in welchem es um Material wie Insulinspritzen, Stützverbände und Inkontinenzhilfen, welches auf der Liste der kassenpflichtigen Mittel und Gegenstände steht, wurde ebenfalls entschieden, dass diese Kosten durch die Gemeinden zu tragen sind. Rolf Dysli dankte nicht zuletzt den zuständigen politischen Gremien der Stadt, dass sie den Weg frei gemacht haben für einen neuen Leistungsvertrag, der nach den Vorgaben des Kantons eben eine Subjektfinanzierung vorsieht.

Einen weiteren Wechsel gibt es aus dem Vorstand zu vermelden. Nach etlichen Jahren im Führungsgremium stellte André Voutat sein Amt zur Verfügung. Für ihn wurde Richard Aschberger gewählt.

Mitarbeitende sind das Rückgrat der Organisation

Geschäftsführerin Cristina Pitschen stellte in erster Linie die Mitarbeitenden in den Fokus ihrer Betrachtungen. Die steigenden Anforderungen und Komplexitäten der Fälle stelle grosse Herausforderungen an die Professionalität der Pflegefachkräfte, um einem hohen Qualitätsstandard entsprechen zu können.

Die Mehrbelastungen der Pflegenden habe leider auch vermehrt Unfälle und Krankheitsausfälle hervorgebracht. Man habe auch eine Verpflichtung zur Personalfürsorge, weshalb man die Themen Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz 2020, coronabedingt verlängert auch im 2021, besonders ins Zentrum rücken werde.

Schliesslich ist dem Jahresbericht ein Text einer Sparte gewidmet, die im Zusammenhang mit der Spitex nur selten zu hören ist. Dabei spielt auch die ambulante Psychiatrie eine wichtige Rolle, damit auch diese Klientinnen und Klienten in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können.

Eine letzte Frage an den neuen Präsidenten: Wieso hat er dieses Amt übernommen? «Ich habe beruflich doch einiges erreicht. Nun stehe ich kurz vor der Pensionierung und möchte etwas zurückgeben: als Grenchner für Grenchner.»

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