Grenchen
Die Schrebergärten füllen sich langsam mit Leben

Noch ist nicht Hochsaison in den Schrebergärten, aber einiges tut sich doch schon. Manche Parzelle wird schon bewirtschaftet, das zeigt ein Augenschein beim Familiengartenverein Grenchen.

Oliver Menge
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Der sechsjährige Yanic richtet das Messband auf Verena Vogts Beet aus, um später Rüebli zu setzen. om

Der sechsjährige Yanic richtet das Messband auf Verena Vogts Beet aus, um später Rüebli zu setzen. om

Die Temperaturen, die für die Jahreszeit ungewöhnlich hoch sind, zeigen in der Natur erste Auswirkungen: Überall spriesst es, Bäume treiben Blätter, Blumen blühen Wochen vor ihrem «Termin». So auch beim Familiengartenverein Grenchen. Es ist Mittwochnachmittag, die meisten der Parzellen sind verwaist. Bei einigen der Häuschen wird gearbeitet.

Peter Schild ist dabei, seine Geranien frisch zu spritzen. «Ich bringe sie jetzt zum Blühen», schmunzelt er, denn die drei Stöcke vor dem Verandafenster sind aus Stoff und Plastik und er frischt sie mit Farbe aus der Dose auf. In einem Beet hat er frische Kräuter gesetzt. «Die meisten sind im Winter erfroren», erklärt er. «Der Schnittlauch, der kommt wieder, der ist wie Unkraut.» Später wolle er noch Bohnen und Tomaten setzen, sagt Schild.

Kiste fürs Werkzeug

«Früher, da hatte ich fast die gesamte Parzelle bepflanzt, aber jetzt beschränke ich mich auf die paar Beete.» Andere, etwas weiter hinten, machten da schon mehr: Einer habe nicht einmal ein Häuschen auf seiner Parzelle, sondern nur eine Kiste fürs Werkzeug. Der habe alles mit verschiedenen Gemüsen, Salaten und allem Möglichen bepflanzt, ein veritabler Selbstversorger, sagt Schild. Er selber gehe sein Gemüse lieber beim Grossverteiler einkaufen.

Im Sommer verbringe er viel Zeit auf seiner Parzelle. Das dreissigjährige Häuschen, das schon seinem Vater gehört hat, müsse unterhalten werden und ständig gebe es etwas zu reparieren. Fest habe er dieses Jahr noch keines gefeiert. Im Sommer, wenn die drei erwachsenen Kinder zusammen mit ihren Freundinnen und Freunden kämen, könnten sich aber gut und gerne 15 Personen zur Grillparty treffen.

Jede freie Minute

Ein paar Strässchen weiter sitzt Giovanni Delfini auf seiner Veranda und reinigt eine Baumschere. Der 76-jährige Rentner gehört zu den Gründern der Familiengärten, sein Häuschen ist bereits 33 Jahre alt, aber das Alter sieht man nicht. «Ich habe halt immer etwas gemacht, immer wieder umgebaut, erweitert und erneuert», erklärt er. Als seine Frau 1996 gestorben sei, habe er das Häuschen verkaufen wollen, aber seine Tochter habe ihn davon überzeugt, es zu behalten. «Selber anzupflanzen, damit habe ich aufgehört», erklärt er. Trotzdem verbringe er fast jede freie Minute auf seinem «Bitz».

Delfini ist besonders stolz, dass er seine eigene Stromversorgung hat. Seit drei Jahren ist auf dem Dach seines Häuschens eine Solaranlage montiert. «Ich habe alles selber gemacht, die Komponenten eingekauft und dann selber zusammengebaut.» Die Solarzellen auf dem Dach speisen eine 140 Kilogramm schwere Batterie. So kann Delfini einen Kühlschrank und das Licht im Häuschen und der Veranda davor mit selber produziertem Strom betreiben. Sorgen machen ihm die Nachwuchsprobleme: Der Mann einer Nachbarin sei gestorben, jetzt wolle sie das Haus verkaufen. Er helfe ihr jetzt, so gut es gehe bei den Arbeiten. Einem anderen Nachbarn helfe er beim Bäumeschneiden, weil der das aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr so gut könne. Dafür mähe dieser seinen Rasen. «Wir helfen einander einfach, damit es weitergehen kann», sagt Delfini.

Den Enkeln gefällts

Mitten in der Stadt wohnt Verena Vogt, sie hat sogar etwas Grün vor dem Haus. «Ich hüte oft eines oder mehrere meiner sieben Grosskinder», erzählt sie, da werde es halt ab und zu lärmig. Auch machten die Leute oft einen Bogen um sie, wenn sie mit ihrem Hund Kira, einer gutmütigen Labradorhündin, spazieren gehe.

Ihr Mann habe schon lange gute Verbindungen zum Familiengartenverein gehabt. Als sich letztes Jahr die Möglichkeit ergeben habe, ein Häuschen zu kaufen, weil der Vorbesitzer gestorben sei, habe sie sofort zugestimmt. Jetzt verbringe sie die Wochenenden oft hier. Ihr Mann ist als Kassier aktiv im Verein. «Hier kann Kira herumtollen und meinen Enkeln gefällt es auch sehr gut hier», sagt sie.

Ein Fisch erfror im Winter

Der sechsjährige Enkel Yanic hat sein eigenes «Pflanzplätzli», dort hat er Radieschen gesät. Auf dem Beet nebendran ist ein Gewächshaus zu sehen, im Hintergrund bewacht ein Reiher aus Plastik den kleinen Weiher. «Einer der zwei Fische ist im Winter erfroren, aber Yanic hat vorhin einen neuen kleinen Fisch und einen Salamander entdeckt», sagt Verena Vogt.

Ein grösser Umbau steht bevor. «Der Vorgänger hatte das schon geplant und das ganze Material besorgt, aber er kam nicht mehr dazu», erklärt die aktive Frau. Ihre Schwiegertochter besitzt zwei Strässchen weiter selber ein Häuschen. Verena Vogt freut sich jetzt schon auf zahlreiche Familienfeste diesen Sommer und man werde den einen oder anderen Geburtstag sicherlich hier feiern, meint sie. «Hier ist es einfach schön und familiär.»