Grenchen

Die Sache mit dem E

Das Gefährt des urbanen Freizeitaktivisten: Ein E-Scooter – unterwegs in Lyon. Nicolas Liponne/Getty

Das Gefährt des urbanen Freizeitaktivisten: Ein E-Scooter – unterwegs in Lyon. Nicolas Liponne/Getty

Der Stadtbummel dreht sich heute um den Buchstaben E. Viele Begriffe erhalten durch das vorangestellte E einen modernen und trendigen touch - und eine ganz andere Bedeutung.

In Grenchen sieht man sie ab und zu auch, die Trottinetts mit dem E. E-Scooter: mit kleinen Rädern, breiter Standfläche dazwischen. So breit, dass man beide Füsse nebeneinanderstellen kann und der Akku darunter auch noch Platz hat. Einige gar zusammenklappbar. Ein Modell, das der Stadtbummler kürzlich über den Marktplatz flitzen und in die Schalterhalle einer dortigen Bank einbiegen sah, hatte sogar einen Sitz – ein Zwischending, zwischen E-Bike und E-Trottinett. Der Fahrer musste wohl an den Schalter, weil er das E-Banking noch nicht drauf hat.

In manchen Schweizer Städten werden die E-Scooter schon als Plage bezeichnet. Sie stehen als Mietmodelle überall im Weg oder landen im dümmsten Fall in irgendeinem Gewässer. Im benachbarten Ausland wollte der Stadtbummler kürzlich auch so ein Teil mieten – geht ganz einfach mit der App und QR-Code – er musste aber feststellen, dass das vor einem halben Jahr installierte Update des Handy-Betriebssystems «völlig veraltet» und folglich die App nicht zu installieren war. So ging er halt zu Fuss auf Erkundungstour. Denn eine andere Möglichkeit, so ein Trotti zu mieten, gab es nicht.

Es ist wirklich eine Krux mit dem E, dem laut Duden am häufigsten verwendeten Vokal im Alphabet: Was kein E- vorne dran hat, kann nicht modern und trendy sein. Der Klimadiskussion geschuldet sind im Bereich Verkehr die E’s gross auf dem Vormarsch. E-Busse aus Solothurner Produktion werden schon bald in Indien rumfahren, wie man in dieser Zeitung lesen konnte. Die E-Mobilität nimmt zu, auch die Zahl der in Grenchen zugelassenen E-Autos wird immer grösser. E-Bikes, mit denen Seniorinnen und Senioren die Grenchenbergstrasse hinauf echte «Gümeler» uralt aussehen lassen, sind zwar nicht infolge des Klima- und Energiewandels aufgekommen. Aber unheimlich praktisch.

Wie lange es wohl dauert, bis der erste Kinderwagen mit E-Antrieb in Grenchen rumfährt? «Echt jetzt??» In der Tat: Ein deutscher Hersteller hat kürzlich den ersten Kinderwagen mit Elektroantrieb vorgestellt. Nie mehr schieben, nie mehr bremsen. Macht das Teil alles automatisch, sensorgesteuert. Jetzt kann man sein Kind vor dem Supermarkt abstellen, denn das moderne Gefährt hat sogar eine elektronische Wegfahrsperre. Die echten Eltern werden mit Gesichtserkennung erfasst, sind quasi als E-Eltern abgespeichert. Beugt sich jemand Fremdes über den Wagen, gibt’s Alarm. Fertig mit «jöööh, isch das e härzige Bueb!» von älteren Damen, wenn sie nicht als potenzielle Kindsentführerinnen verhaftet werden wollen. 

Spass beiseite: Gerade die ältere Generation hat mit den vielen E’s zunehmend Mühe. Es gibt Leute, die haben kein E-Mail, wollen von E-Voting, E-Banking, E-Marketing, E-Medien, E-Government – das noch modernere Wort für Onlineschalter – oder E-Umzug nichts wissen. Schon gar nichts von E-Tax, sie füllen ihre Steuererklärung lieber von Hand aus. Sie kaufen eben nicht im E-Shop ein E-Ticket und erhalten dafür eine E-Rechnung als E-Beleg, sondern bevorzugen den Schalter. Sie lesen lieber Bücher statt E-Books. Aber sie haben riesigen Spass daran, Gümeler zu überholen, mit ihren E-Bikes. So geht das!

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