Soziale Dienste Oberer Leberberg

Die Reorganisation des Sozialamts ist spruchreif

Die Sozialen Dienste Oberer Leberberg wollen mehr Synergien mit ... Fotos: Oliver Menge

Die Sozialen Dienste Oberer Leberberg wollen mehr Synergien mit ... Fotos: Oliver Menge

Am Dienstag entscheidet der Gemeinderat von Grenchen über eine Neuausrichtung der Sozialen Dienste Oberer Leberberg.

Morgen steht im Grenchner Gemeinderat der Entscheid über die Weiterentwicklung der Sozialen Dienste Oberer Leberberg (SDOL) an. Auf der Grundlage des Schlussberichtes der Projektorganisation und der Gemeinderatsvorlage erfolgt ein «Ampel-Entscheid» zu einem Paket von Massnahmen zur Zukunft der SDOL. «Wenn wir diese Massnahmen umsetzen können, entsteht ein neuer Ansatz für die gesetzliche Sozialhilfe mit der dazugehörenden Arbeits- und Sozialintegration», erklärt SDOL-Chef Kurt Boner. «Insgesamt steht das gesamte Change-Projekt unter dem Motto näher zu den Menschen, mit einem präventiveren und verbindlicheren Ansatz», meint er.

Der Schlussbericht enthält 13 Kernpunkte, von denen zwei (Verselbstständigung der SDOL und Fokussierung des Kindes- und Erwachsenenschutzes) nicht weiterverfolgt werden. Viele Elemente des Change-Projektes sind laut Boner nicht neu und in grösseren Städten der Schweiz bereits ausprobiert worden. «Wir haben diese Elemente auf unsere, für schweizerische Verhältnisse, mittelgrosse Sozialregion angepasst.»

Enge Zusammenarbeit

Neu ist die enge Schnittstelle zur Arbeitsintegration, wie sie vom «Netzwerk Grenchen» durchgeführt wird (wir berichteten). «Es findet ein eigentliches Zusammengehen statt», erklärt Boner. «Wir nutzen hier die idealen regionalen Verhältnisse aus und bauen ein neues Eingangstor zu den sozialen Diensten.» Die SDOL-Gemeinden sind nämlich gleichzeitig auch die «Netzwerk»-Trägergemeinden.

Verbindlichkeit und Gegenleistungsprinzip würden an den Anfang aller Prozesse gestellt. Dabei gehe es nicht nur um Arbeitsintegration, sondern auch um die soziale Integration von Menschen, die den ersten Arbeitsmarkt nicht oder nicht mehr erreichen. Themen wie Freiwilligenarbeit, Beschäftigung und Gesundheit werden gleichzeitig und verbindlich mit der Abklärung auf den Anspruch auf wirtschaftliche Sozialhilfe angegangen. «Das kann dazu führen, dass jemand an einem Integrationsprojekt teilnimmt, bevor der Anspruch auf Sozialhilfe geklärt ist.»

Das für den Kanton Solothurn neue Instrument der «Testarbeitsplätze» soll dort Klarheit herstellen, wo Personen ein Gesuch stellen, die sich eigentlich von den Voraussetzungen her auf dem ersten Arbeitsmarkt befinden sollten. Dieser eher kleineren Gruppe von Gesuchsstellenden wird direkt ein Arbeitsvertrag bei ProWork angeboten. Lehnen sie den Job ab, erhalten sie auch keine Sozialhilfe.

Gemeinden stehen dahinter

Obwohl man seit Oktober bereits versuchsweise nach diesem Muster arbeite, sei es bisher noch in keinem Fall soweit gekommen, erklärt Richard Aschberger, Präsident der Sozialkommission der SDOL-Trägergemeinden. Aschberger betont, dass alle Gemeinden im Einzugsgebiet diesen neuen Ansatz unterstützen.

Diese Einigkeit sei nicht zuletzt dank der vorbildlichen Projektorganisation erzielt worden, lobt Aschberger. Als Moderator des Organisationsprozesses konnte Marcel Châtelain gewonnen werden, als ehemaliger Chefbeamter im kantonalen Departement des Innern ein profunder Kenner der Materie. «Ich bin überzeugt, dass wir uns hier in eine wegweisende Richtung begeben. Das sieht man nicht zuletzt am Interesse, das andere Sozialregionen dem Projekt entgegenbringen», meint Kantonsrat Aschberger. Die Neuausrichtung bringt aber auch einen neuen Leistungsvertrag mit dem Kanton für die (für die Sozialregion) defizitäre AHV-Zweigstelle sowie eine Segmentierung der Dossiers nach Sozialintegration (Case Management) und reinen Administrativprozessen (Existenzsicherung). Dies wird nach Boners Einschätzung die Administrativkosten senken.

Nicht zuletzt sind auch bauliche Massnahmen in Grenchen vorgesehen. Das Sozialamt soll vom jetzigen Standort im Postgebäude zum «Netzwerk Grenchen» ins Ebosa-Areal umziehen. Damit könnten einerseits Mietzinsen eingespart werden, anderseits liessen sich die Synergien unter einem gemeinsamen Dach besser bewerkstelligen.

Am Ende wird eine «eng koordinierte Führung» der beiden Institutionen Netzwerk und SDOL angestrebt. Denn SDOL-Chef Kurt Boner geht Ende 2019 in Pension. In der Vorlage an den Gemeinderat wird unterstrichen, dass eine gemeinsame Führung von SDOL und Netzwerk ideal wäre. «Das kann ich mir auf jeden Fall gut vorstellen», meint auch Kommissionspräsident Aschberger.

Nebst der Umsetzung der vorgeschlagenen Massnahmen wird dem Gemeinderat somit auch die Einsetzung von zwei Arbeitsgruppen vorgeschlagen: Eine soll die räumliche Zusammenlegung im Ebosa-Areal evaluieren und bis Mitte 2019 eine Vorlage präsentieren, die andere die gemeinsame Leitung der beiden Institutionen prüfen und ein Verfahren zur Nachfolgeregelung von Kurt Boner festlegen.

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