Auch der fünfte Anlauf, dem alternativen Stadtberner Kulturzentrum Reitschule den Garaus zu machen, blieb erfolglos. Mit 25122 Nein-Stimmen schickten gestern die Berner die Volksinitiative der SVP «Schliessung und Verkauf der Reitschule» bachab. Ja stimmten nur 11610 Stimmberechtigte. Bei einer Beteiligung von 47,1 Prozent fand das rechtsbürgerliche Ansinnen bei gut 30 Prozent der Stimmenden Sukkurs. Initiant Erich Hess regaierte gelassen: «Die SVP hat in der Stadt Bern einen Wähleranteil von zwölf Prozent. Wir konnten also weit über unsere Parteigrenzen hinaus mobilisieren. So gesehen, ist das kein schlechtes Resultat.»

Das sei doch Schönfärberei, liess Hess nicht gelten. «Der Gemeinderat streute dem Volk Sand in die Augen, dass in und um die Reithalle keine Probleme bestünden. Das ist nicht der Fall. Die Reithalle ist und bleibt ein rechtsfreier Raum. Das dürfen wir nicht akzeptieren.» Hess, der mittlerweile vom Stadtrat in den Grossen Rat aufgestiegen ist, versprach, er bleibe am Ball: «Ich werde dort versuchen, die Reitschule mit Vorstössen zu kantonalisieren.»

Bekenntnis zum Kulturbetrieb

«Die Bernerinnen und Berner stehen hinter dem Kulturangebot der Reitschule», so Stadtpräsident Alexaner Tschäppät: «Sie anerkennen, dass hinter dem Kulturbetrieb viel Engagement von Freiwilligen steckt, die ein facettenreiches Angebot für viele verschiedene Gruppen auf die Beine stellen.» Das Nein-Komitee, ihm gehörten alle politischen Parteien mit Ausnahem von SVP und FDP an, argumentierte, die Reitschule gehöre zu Bern wie der Bärenpark und der Zytglogge. Kulturschaffende wie Pedro Lenz, Züri West, Patent Ochsner und Stiller Haas engagierten sich im Abstimmungskampf. Für Aufsehen sorgte der Kult-Türke Müslüm mit seinem Rapp «Erich, Warum bisch Du nid Ehrlich?». Weit über 300000-mal wurde der Song auf Youtube angeklickt. (uz)