Oberer Leberberg
Die «Perspektive» ist auch in Grenchen tätig

Seit rund einem Jahr führt die «Perspektive» eine Jugend- und Suchtberatung, die grossen Anklang findet. Die Probleme, mit denen Erwachsene und Jugendliche an die Beratungsstelle gelangen, sind vielfältig.

Lucien Fluri
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Christine Sulaiman-Marti (l.) und Nicole Müller führen die Beratungsstelle der Sozialregion Oberer Leberberg. Hanspeter Bärtschi

Christine Sulaiman-Marti (l.) und Nicole Müller führen die Beratungsstelle der Sozialregion Oberer Leberberg. Hanspeter Bärtschi

Solothurner Zeitung

Probleme in der Lehre, Kokain- und Spielsucht oder die Ablösung von den Eltern: Die Gründe für Beratungsgespräche an der Kirchstrasse 11 sind vielfältig. 108 Erwachsene und Jugendliche kamen letztes Jahr zu Nicole Müller und Christine Sulaiman-Marti, um sich in Jugend- oder Suchtfragen beraten zu lassen. Seit etwas über einem Jahr arbeiten die beiden Frauen für die «Perspektive», die Anfang 2010 das Mandat für die Beratungsstelle von der Sozialregion Oberer Leberberg erhalten hat.

Es gibt Jugendliche, die vom Lehrmeister wegen Alkohol, Cannabis oder anderen Drogen vor ein Ultimatum gestellt werden, es gibt Kinder, für die die Belastung zu Hause so gross ist, dass sie ausziehen möchten – dies aber finanziell nicht können. «Wir vermitteln neutral zwischen Eltern und Jugendlichen», sagt Sozialarbeiterin Christine Sulaiman-Marti, die die Jugendberatungen durchführt. Die Themen richten sich von Berufswahl über Sexualität bis zu finanziellen Fragen. Auch telefonisch sind Beratungen möglich.

Die Mitarbeiterinnen sind an die Schweigepflicht gebunden. Besonders die Übergangszeit vom Jugend- ins Erwachsenenalter führt laut Sulaiman-Marti oft zu Krisen. Angeboten werden Beratungen, nicht aber Therapien: In schweren Fällen verweist man die Betroffenen an Psychiater oder Familientherapeuten.

Die Mehrzahl der Leute würde sich freiwillig melden, sagt Sulaiman-Marti. Daneben gibt es Leute, denen Gespräche auferlegt werden. Dies kann etwa sein, dass ein Gericht solche Beratungen verfügt. Auch die Motorfahrzeugkontrolle kann Leuten, die den Fahrausweis nach Ausweisentzug wegen Alkohol oder Drogen wiedererlangen möchten, solche Gespräche vorschreiben.

Alkohol bleibt Nummer eins

Seit 2007 arbeitet Nicole Müller bei der Suchtberatung in Grenchen. Einige ihrer Klienten sind seither bei ihr in der Beratung. «Suchtbewältigung ist ein Prozess über Jahre», sagt Müller. Die Suchtmittel sind verschieden: «Alkohol ist klar die Nummer eins», sagt Müller. Vor nicht allzu langer Zeit habe es eine Phase gegeben, in der es viele Kokainsüchtige gegeben habe. Amphetamin-, Cannabis- oder Spielsucht sind weitere Gründe, die Leute in die Beratung führen.

Weil Suchterkrankungen stigmatisiert würden, sei die Hemmschwelle, sich Unterstützung zu suchen, oft hoch. Müller geht es in den Sitzungen darum, wie die Leute den Konsum so gestalten können, dass die Lebensqualität möglichst hoch bleibt. Abstinenz kann, muss aber nicht Ziel der Beratungen sein. Besonders wichtig ist Müller die Nachsorge für Abstinente. Deshalb werden Strukturveränderungen im Alltag und Bewältigungsstrategien in Gesprächen besprochen. «Mit neutralen Stellen ist es manchmal einfacher zu reden als mit der eigenen Frau», sagt Müller.

Die Altersgrenze ist bei der Suchtberatung nach oben offen. «Eine Suchtgefährdung besteht bei einschneidenden Erlebnissen. Dies kann auch eine Pensionierung sein», sagt Müller. «Noch ist die Sucht im Alter aber tabuisiert.»