Bachtelen-Jubiläum
Die «pädagogische Ära» und das internationale Institut

Die «pädagogischen Ära» im Bachtelen begann mit dem Institut Breidenstein. Es war ein renommiertes Knabeninternat mit internationaler Ausrichtung.

Rainer W. Walter
Merken
Drucken
Teilen
Wilhelm Breidenstein, Gründer und Leiter des Instituts für Knaben.zvg

Wilhelm Breidenstein, Gründer und Leiter des Instituts für Knaben.zvg

Nach 1860 lief der Badebetrieb im Bachtelenbad nicht mehr gut. Grössere und mondänere Badeorte liefen den Grenchnern den Rang ab. Dazu kam, dass dank der Eisenbahn die Menschen etwas mobiler wurden.

Dr. Josef Girard war Arzt, Politiker und neuerdings mit seinem Bruder Euseb zusammen Uhrenfabrikant. Bruder Euseb war eigentlich «Löwen»-Wirt und braute sein Bier selber. 1864 entschloss sich die Familie Girard, das Bachtelenbad an Wilhelm Breidenstein für 134 000 Franken zu verkaufen.

Breidenstein führte hier sein internationales Knabeninstitut weiter, das er in Berg am Irchel gegründet hatte. Die zwölf Lehrer, mit denen der Institutsleiter den Betrieb aufnahm, stammten unter anderem aus Deutschland, Paris und London. Primarlehrer Wullimann kam aus Grenchen und unterrichtete auch an der Gemeindeschule.

Serie Bachtelen

In dieser 10-teiligen Serie beleuchten wir die Geschichte und Aspekte des Bachtelen, das in diesem Jahr gleich zwei Jubiläen feiert.

Zöglinge aus aller Welt

Zu den Besonderheiten der Breidensteiner Schule gehörte der Sportunterricht. Fussball wurde gespielt, es wurde aber auch gefochten und man erteilte Boxunterricht. Berühmt waren die Theateraufführungen im Institut. Zu den Zöglingen gehörte auch der spätere bekannte Schweizer Schriftsteller Ernst Zahn.

Im Berichtsjahr 1871/72 zählte das Institut 88 Zöglinge, die aus 14 verschiedenen Ländern stammten. 1889 verstarb Wilhelm Breidenstein. Anschliessend führten der Sohn des Gründers und Dr. Italo Baragiola-Breidenstein das Institut noch neun Jahre weiter. Nachdem das Institut geschlossen war, zog einer der Lehrer, Joseph Eberwein, an die Grenchner Bezirksschulen – das Institut Breidenstein war der Beginn der «Pädagogischen Ära Bachtelen».

Neustart als Heilbad scheitert

Im Jahre 1898 gingen Land und Gebäude des Institutes Breidenstein in den Besitz eines Bieler Konsortiums über, welches die Absicht hatte, das ehemals berühmte Grenchner Bad in moderner Form neu erstehen zu lassen. Diesem Finanzkonsortium gehörten an Jakob Blumenstein, Schirmfabrikant in Biel, und Jakob Flückiger, Metzgermeister in Bözingen.

Die Leitung des Kurhauses hatte Adolf Boss inne, der sich einen ausgezeichneten Ruf als Direktor des «Wilden Mann» in Meiringen geschaffen hatte. Auf seine Initiative hin ist denn auch der Umbau des Institutes Breidenstein zum neuen Grenchner Bad zurückzuführen.

Er veranlasste den Umbau und die Modernisierung der Badezellen, die Einführung des Acetylenlichtes und die Neugestaltung der weitläufigen Parkanlagen. Trotz aller guten Voraussetzungen – das Vorhaben scheiterte. 1904 musste der Badbetrieb eingestellt werden.

Nach den Knaben die Mädchen

Nun kaufte der französische Kaufmann Georges Servois aus Limoges das Gebäude samt Inventar und Umschwung zum Preis von 215 000 Franken. Hier wollte er ein Institut für deutschsprachige Mädchen gründen, die französisch lernen wollten.

Diese Schule wurde von französischen Ordensfrauen geleitet, die nach den Gesetzen vom 9. Juli 1904 in Frankreich nicht mehr unterrichten durften. – Die jungen Damen, die hier unterrichtet wurden, stammten mehrheitlich aus Deutschland.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 war es undenkbar, dass deutsche Mädchen bei französischen Schwestern die Sprache des Feindes lernten. Der Ausbruch des Weltkrieges liess leider auch dieses vielversprechende Unternehmen scheitern.

Wieder stand im Bachtelentälchen ein Besitzerwechsel vor der Türe. Gebäude und 28 Jucharten Land wurden der Gemeinde Grenchen zum Preis von 95 000 Franken angeboten. Die Gemeindebehörden lehnten den Kauf ab.