Biergläser aus der Team Papeterie, Livemusik-Partys in der Centro Lounge, eine Herrenkollektion in der Boutique Silhouette. An der ersten der neuen themenspezifischen Stadtführungen durch Grenchen nutzten 15 Interessierte die Gelegenheit, Grenchen von einer wenig bekannten Seite kennenzulernen: als Einkaufsstadt.

Geleitet von Unternehmerin und Fernost-Grenchnerin Susanne Sahli lernten die Frauen – und mehrere Männer – Nischen kennen, die sie bei Wirth Sport, Créasphère und im Restaurant Grenchner Hof nicht vermutet hätten. Das kurzweilige Vorabendprogramm bildet den Auftakt zu einer Reihe von Themenführungen. Damit will das Projekt Jurasonnenseite unterschiedlichen Interessengruppen bekannte und verborgene Qualitäten der Agglomeration Grenchen-Lengnau-Bettlach schmackhaft machen.

Neugierde und Appetit wecken. Später wiederkommen und in Ruhe in den vorgestellten und ihren benachbarten Geschäften shoppen. Das war das Ziel der Einkaufsstadt-Führung. Doch die Teilnehmenden kauften gleich ein. Zu den Werbegeschenken gesellten sich Ziergegenstände für den Balkon, Kleider, Sportartikel und sogar ein voluminöses Liegebett zum Sünnele. «Wahrscheinlich verliere ich in jedem Geschäft zwei Personen», meinte Susanne Sahli zum Auftakt mit Augenzwinkern.

Doch die Leute blieben bei der Stange und lieferten den Beweis, dass nicht jede Frau «in 17 Jeans steigt, ehe sie sich für eine Hose entscheidet», wie Wirth Sport-Inhaber Philipp Schluep schmunzelnd sagte.

Vorteile überwiegen

«Jeden dritten Samstag findet in der Centro Lounge eine Party mit Livemusik statt», stellte Geschäftsleiter Nuri Lassoued sein Konzept vor, nachdem er der Gruppe Himbeerbowle serviert hatte. Seit Ende Oktober mischt er mit sechs Angestellten im Zentrum die Ausgehszene auf. Ein hartes Pflaster, an dem sich viele die Zähne ausgebissen haben. Doch das stört den Berner nicht. «Letzten Samstag haben wir mit dem Fitnesscenter Lifestyle hier im Haus zusammengespannt und konnten 145 Personen begrüssen.» Im Alltag setze die Lounge auf ein Rundum-Gastrokonzept vom Zmorge bis zum währschaften Snack spätabends.

Frisch gestärkt ging es eine Rolltreppe höher ins Stoff- und Dekowunderland. Stéphanie Köppel, Filialleiterin von Créasphère, erklärte den Grün- und Flamingotrend. Konfrontiert mit der Hoffnung auf Fifties-Zubehör fürs Grenchner Fest versicherte sie: «Getüpfeltes haben wir durchaus im Angebot.» Auf die Frage von Teilnehmer Alex Kaufmann zur versteckten und fensterlosen Lage im Obergeschoss, gab sie Entwarnung: Auch wenn Neukunden das Geschäft gelegentlich suchen müssten, so würden die Vorteile der grossen Verkaufsfläche und zentralen Lage die Nachteile überwiegen.

Stammkunden überraschen

Bei der Team Papeterie stellte Inhaberin Agnes Chirico das Geschenksortiment vor, zu dem dekorative Gläser gehören. Das traditionelle Geschäft mit Schreibwaren werde hauptsächlich per E-Shop abgedeckt. «Mein Ziel ist es, der Stammkundschaft immer wieder Überraschendes zu bieten, und die Rückmeldungen sind positiv», so Chirico. Zudem finde das Shop-in-Shop-Projekt mit dem Uhrmacher Bruno Bertini guten Anklang. Allzu schnell war auch hier die Viertelstunde zum Herumschauen vorbei. Mit der Aussicht auf weitere spannende Stationen lotste Tourguide Susanne Sahli letzte eilige Shopperinnen zur Tür.

Bei Intersport Wirth hörte die Gruppe, dass Artikel aus Europa hier Priorität haben, doch «made in China» nicht gleichzusetzen sei mit Ausbeutung und Kinderarbeit. «Faire Produktionsbedingungen sind uns wichtig», betonte Inhaber Philipp Schluep, «und wir verkaufen nur Zubehör zu den Sportarten, die wir selbst ausüben und in denen wir die Kunden beraten können.» Vom Wandern bis zum Tennis spielen deckt das Sortiment eine breite Palette ab. «Wir machen noch Skiservice», wies Schluep auf ein Angebot hin, das selten geworden ist. «Ich selbst habe hier einst die Lehre gemacht. Für uns ist es selbstverständlich Lernende auszubilden und so einen Beitrag an die Nachwelt zu leisten», erklärte Schluep.

Aus dem Vollen schöpfen

Der Weg zur Boutique Silhouette oben am Marktplatz war kurz. Gisella Toffanin zeigte auf, dass ihr Reich weit mehr zu bieten hat als Unterwäsche bekannter Marken, etwa Pyjamas – und zwar für beide Geschlechter – sowie edle Geschenke. Eine angeregte Diskussion über Trunkini (ein praktischer Kompromiss zwischen Bikini und Badekleid für Frauen) gab der Gruppe Gelegenheit die trendigen Pastellfarben zu studieren.

«Geleitet werden unsere neuen Themenführungen von Grenchner Persönlichkeiten, die mit ihrem Wissen aus dem Vollen schöpfen können», sagte Wirtschaftsförderin Karin Heimann auf dem Weg zur letzten Station, dem Keller im «Grenchner Hof». Hier wartete Robert Laski mit Wein, einem Apéro-Plättli und unzähligen Vorschlägen zur Nutzung seines frisch umgebauten Kellers für Gesellschaften im gemütlichen Rahmen, inklusive dem Angebot, dass Gäste nach einem heiteren Abend vom Restaurantteam nach Hause chauffiert werden.

Die weiteren Themenführungen bis zu den Sommerferien: Sportstadt am 17. Mai, Flughafenstadt am 21. Juni und Kinderstadt am 12. Juli; www.jurasonnenseite.ch