Grenchen

«Die neue Pensionskassen-Vorlage wäre eine Win-Win-Situation»

Pensionskassen-Kommissionspräsident Kurt Boner.

Pensionskassen-Kommissionspräsident Kurt Boner.

Pensionskassen-Kommissionspräsident Kurt Boner erklärt die Neuerungen, welche das Volk beschliessen soll.

Kurt Boner, wann werden Sie sich pensionieren lassen? Sie könnten ja noch von den Vorteilen des alten Systems profitieren.

Boner: Ich bin jetzt 61,5 Jahre alt und habe mich noch nicht entschieden. Das laufende Projekt «Organisationsentwicklung SDOL» wird aber einen Einfluss auf den Rücktrittszeitpunkt haben.

Die Pensionskasse war in den letzten Jahren in der Politik nie ein Thema und jetzt wird im Gemeinderat plötzlich von fünf vor zwölf gesprochen. Hat die Pensionskassenkommission geschlafen oder die Politik?

Ich würde sagen, weder noch. Die Aussagen im Gemeinderat waren meines Erachtens allzu plakativ. Die Parameter haben sich in den letzten paar Jahren einfach massiv verändert. Dies sind vor allem der Umwandlungssatz und der BVG Mindestzinssatz, welche alle Pensionskassen betreffen. Im Jahre 2015 wurde durch die AXA angekündigt, den überobligatorischen Umwandlungssatz von 5.8% auf 5.0% in den nächsten 3 Jahren zu senken. Dies hatte massive Auswirkungen auf die jeweiligen Pensionierungen, da unser Vorsorgereglement weiterhin seine Leistungen in unveränderter Höhe versprochen hat.

Zudem hatte unsere Pensionskasse immer einen Deckungsgrad über 100% und im Zusammenhang mit der Strukturreform von öffentlich rechtlichen Pensionskassen im 2012 (Bsp. Pensionskasse Kanton Solothurn) war keine Ausfinanzierung notwendig.

Einen Grund, dass die Änderungen gerade jetzt kommen, wird es aber schon geben ...

Durchaus. Wie beschrieben gab es diverse Änderungen in der Pensionskassen-Landschaft der Schweiz. Anderseits müssen einige Dinge, die im Grenchner System einfach quer in der Landschaft liegen, angepasst werden. So beispielsweise das Pensionsalter 64, dass die Kosten der Frühpensionierungen vom Steuerzahler übernommen werden und dass die PK-Beiträge sich nicht am AHV-Lohn orientieren. Und nicht zuletzt hat sich die Finanzsituation der Stadt auch geändert. Die Stadt ist nicht mehr einfach so in der Lage, die finanziellen Risiken der Pensionskasse zu tragen.

Was sind die Vorteile des neuen Vorsorgeplans?

Der neue Vorsorgeplan im Beitragsprimat kann sich auf die Veränderungen besser und flexibler anpassen. Die Mitarbeitenden haben die Möglichkeit, einen Teil selber zu bestimmen, in welchem Plan sie versichert sein wollen. Zudem kann mit diesem neuen Vorsorgereglement den Mitarbeitenden eine flexible und transparente Lösung präsentiert werden. Das ist zeitgemäss und entspricht auch den heutigen Bedürfnissen, beispielsweise mit einer steigenden Zahl Single-Haushalte. Für den Arbeitgeber gibt es eine klar höhere Planungssicherheit. Es gibt keine ausserordentlichen finanziellen Belastungen aufgrund von frühzeitigen Pensionierungen.

Werden die von der Stadt bereitgestellten 1,6 Mio. Fr. genügen, um die Übergangsregelungen zu finanzieren?

Die Übergangseinlage wurde durch den Experten berechnet, der bei den Annahmen gewisse Sicherheitsmargen berücksichtigt. Die Mitarbeitenden mit den Jahrgängen 1954 bis 1958 haben die Möglichkeit im 2018 noch nach bisherigem Reglement in Pension zu gehen. Dies bedeutet auch, dass allfällige Pensionierungsverluste im 2018 nach altem Reglement berechnet werden und finanziert werden, welche aber nicht in der Übergangseinlage enthalten ist.

Was passiert, wenn die Gemeindeversammlung den Änderungen nicht zustimmt – gibt es in dem Fall einen Plan B?

Ziel ist klar, die Gemeindeversammlung zu überzeugen, dass diese Vorlage eine Win-win-Situation ist. Die Mitarbeitenden bekommen immer noch eine attraktive und faire Vorsorgelösung und der Arbeitgeber die Planungssicherheit der Kosten. Immerhin haben wir auch den Personalverband der Stadt hinter uns und die Mitarbeitenden wurden transparent informiert, wie sich die Änderung auf ihre individuelle Situation auswirkt. Wirklich negative Rückmeldungen sind mir nicht bekannt, zumal ja mögliche Härtefälle aufgefangen werden und das für eine Dauer von zehn Jahren. Ich hoffe deshalb, dass auch die Gemeindeversammlung die Notwendigkeit dieser Änderungen nachvollziehen kann.

Zum Plan B kann ich nur soviel sagen: Die Pensionskassenkommission (PKK) ist dafür verantwortlich, dass keine Unterdeckung entsteht. Die PKK könnte respektive müsste die Leistungen kürzen. Das aktuelle Leistungsziel von 60% des letzten versicherten Lohnes müsste nach unten angepasst werden und die vorzeitigen Pensionierungen könnten nicht mehr mit diesen vorteilhaften Kürzungen erfolgen, respektive subventioniert werden. All diese Massnahmen würde für die Mitarbeitenden massivere Konsequenzen haben, als der neue Vorsorgeplan.

Und diese Änderungen könnte die PK-Kommission autonom vornehmen?

Ja. Sie müsste sogar. Mit der Überarbeitung des Vorsorgereglements im Zusammenhang mit der Strukturreform (Vorgabe des Bundes für die Anpassung des BVG) im Jahr 2012 wurde die Aufgaben zwischen PK-Kommission und Gemeinderat klar definiert. Der Gemeinderat, respektive der Souverän ist für die Finanzierung verantwortlich, die PKK für die Leistungen.

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