Kleiderordnung
Die nackte Haut wird (fast) ganz aus der Schule verbannt

Anzügliche Kleider werden nicht mehr geduldet - mit Erfolg: Die neuen Kleidervorschriften an der Bezirksschule Grenchen funktionieren gut. Die Lehrer und Schüler ziehen eine erste Bilanz.

Patrick Furrer
Drucken
Teilen
Bezirksschulhaus in Grenchen

Bezirksschulhaus in Grenchen

Urs Byland

Seit einem Jahr gilt für die Bezirksschülerinnen und Bezirksschüler von Grenchen und Bettlach ein Dresscode, der zu freizügige oder sonst unangebrachte Freizeitkleidung aus den Klassenzimmern verbannen will. Junge Mädchen mit offenherzigen Dekolletés, zur Schau gestellten Stringtangas oder ultraknappen Hotpants mussten umdenken, Jungs mit Baseballcap, Trainerhose oder Boxershorts bis zu den Knien genauso.

Das Thema beschäftigte besonders im Sommer immer wieder stark, zu freizügige Kleidung wirkte im Unterricht teilweise irritierend auf Schüler, für die Lehrpersonen war es mühsam, Mädchen auf ihren «Fehler» aufmerksam zu machen. Dabei ist es gerade in Hinblick auf die Berufsvorbereitung wichtig, sich angemessen zu kleiden.

Eine erste Bilanz durch die Schulleitung und eine Schülerbefragung durch diese Zeitung zeigen, dass der Dresscode funktioniert. Aus Sicht des Schulleiters Rolf Glaus hat er sich klar bewährt. Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich intensiver mit der Kleidung und unterscheiden bewusster zwischen Freizeit- und Schulkleidung, das Problem sei viel kleiner geworden. «Der Dresscode wurde wegen einer kleinen Minderheit eingeführt, die sich nicht so gekleidet hat, wie wir es möchten. Vor der Einführung hörte man im Lehrerzimmer gerade im Sommer öfter Stimmen über zu offenherzige oder zu knappe Kleidung. Das hört man heute fast gar nicht mehr.»

Was aber sagen die Jugendlichen?

Auch die Schülerinnen und Schüler finden den Dresscode an und für sich ganz o. k.. «Irgendwo gibt es Grenzen», erklärt eine Schülerin im Deutschunterricht der zweiten Bezklasse von Bruno Schaad. «Es gibt Mädchen, die richtig schlampig rumlaufen, und das ist wirklich voll daneben.» Zwar findet die grosse Mehrheit, man könnte ganz gut auf den Dresscode verzichten, völlig quer sei die Idee jedoch nicht.

Grundsätzlich sind die jungen Leute keine Fans von Regeln. «Jeder sollte selber entscheiden, was er anzieht. Wenn sich eine voll daneben anzieht, weil das ihr Niveau ist, dann soll sie halt.» Eine weitere Meinung ist, dass es gut sei, dass der Dresscode auch rassistische und diskriminierende Kleidung klar untersagt. Lehrer Bruno Schaad sagt, das Thema der richtigen Kleidung sei wichtig und müsse ernst genommen werden, auch in der Schule. «Nicht erst im Berufsleben gilt es, sich anständig zu kleiden.»

Nicht schikanierend, aber ein wenig bevormundend; sinnvoll zwar, aber nicht unbedingt notwendig - so etwa lässt sich das Resultat der kleinen Schülerbefragung zusammenfassen. Fakt ist auch: Weil es sich immer nur um Minderheiten handelte, die gegen die gute Kleidersitte verstossen hatte, war der Dresscode für viele kein wirklich beschäftigendes oder zentrales Thema. Die meisten halten sich offenbar auch so daran und nahmen die Einführung einfach zur Kenntnis.

Fehlverhalten bleibt Ausnahme

Zwar sei in den letzten richtig heissen Sommertagen aufgefallen, dass einige Mädchen sehr knappe Hosen trugen, sagt Schulleiter Glaus, aber dass einzelne aus der Reihe tanzen, sei normal. «Es gibt sehr vereinzelt uneinsichtige Schülerinnen.» Und extraschlaue Schülerinnen, die zu freizügige Tops einfach unter einem anderen, verträglicheren Oberteil verstecken.

In den Diskussionen mit den anderen Lehrern sei auch auf gesellschaftliche Aspekte hingewiesen worden. Im Sportunterricht könne es besonders diffizil sein, Mädchen darum zu bitten, weniger freizügige Turnkleider zu tragen. So sind Frauen im Fernsehen, im Beachvolleyball oder in der Leichtathletik sehr knapp bekleidet. Daran nehmen sich die Mädchen ein Vorbild - dass dieses falsch sein soll, leuchtet nicht allen gleich ein. Sehr begrüsst werden von der Lehrerschaft die einheitlichen Vorgaben. «Schülerinnen oder Schüler auf ihr Vergehen hinzuweisen, ist viel einfacher geworden», sagt Rolf Glaus. Man könne den Dresscode als Grundlage heranziehen.

Während die Kleidungsfrage von den Lehrern früher sehr individuell gelöst wurde, herrsche jetzt ein einheitliches Verständnis. Verstösse gegen den Dresscode sind übrigens sehr selten. Glaus und Schaad haben beide erst ein einziges Mal eine Schülerin oder einen Schüler ermahnen müssen.

Aktuelle Nachrichten