Grenchen
Die Musigbar verabschiedet sich mit Openair von ihrem Lokal

Mit einem Open Air verabschiedete sich der Verein Gränchner Musigbar von seinem alten Lokal an der Solothurnerstrasse. Ab 17. August wird in gewohnter Manier an zwei Freitagen pro Monat wieder gerockt – an neuen Ort, im Fumoir der Foxybar.

Christoph Neuenschwander
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Aufeinander hören machts aus
11 Bilder
Versunken ins Spiel an der Bassgitarre
Alleine am Instrument, aber nicht alleine auf der Bühne
Tanzen und Musizieren auf der Bühne
Kamera ab auf den Mundharmonikaspieler
Voller Einsatz
Fingerspitzengefühl für die Saiten
Rhythmus geben - gleich löffelweise
Solistin vor
Die Musigbar an der Solothurnerstrasse ist Geschichte
Volles Rohr auf dem Sax

Aufeinander hören machts aus

cnd

Im Hof hinter der Musigbar sieht es ein wenig nach Gartenfest aus. Etwa 60 Leute haben es sich bequem gemacht; im Schatten zahlreicher Sonnenschirme wird Bier getrunken und Bratwurst gegessen. In einer Ecke steht ein Zeltdach, darunter eine kleine Bühne, wo Musiker den ganzen Nachmittag und den ganzen Abend lang das Quartier beschallen.

«Wäre unzumutbar»

2003 im «Löwen»-Keller gegründet und kurz darauf wegen Umnutzung der Räume weggewiesen, mietete sich der Verein Gränchner Musigbar in der leer stehenden Solothurnstrasse 8 ein. Das Gebäude war zu verkaufen, die Zukunft ungewiss. Der Verein richtete sich trotzdem ein. «Alles hier drin, abgesehen von der Lüftung, gehört uns», sagt Präsidentin Monica Aeschbacher. «Unter Umständen hätten wir nach einem Jahr schon wieder raus müssen.» Doch ein Käufer liess auf sich warten. Die Musigbar hatte Zeit, sich einen Namen zu machen. Nach wöchentlichen DJ-Abenden gabs ab 2007 nur noch Konzerte. Nun ist das Haus verkauft, die neuen Besitzer zimmern sich im oberen Stock eine Wohnung. «Konzerte bis in die Nacht hinein wären nicht zumutbar», sagt Aeschbacher. «Ich möchte auch nicht in einem Haus wohnen, wo alle zwei Wochen Lärm gemacht wird.» (cnd)

Das Haus dahinter, jenes an der Solothurnstrasse 8, das sieben Jahre lang den Verein Gränchner Musigbar beheimatet hat, ist in ein Gerüst gekleidet. Drinnen sieht es trostlos aus: Die Tische und Barhocker sind weg, wo Scheinwerfer und Lautsprecher standen, ist jetzt gähnende Leere. Das Gebäude ist verkauft. Und damit schliesst sich ein wichtiges Kapitel in der Biografie der «Musigbar» (siehe Kasten). Doch zu Ende geschrieben ist ihre Geschichte noch nicht.

Etwas Gleichwertiges gefunden

Mit dem Open Air verabschiedet sich der Verein von seinem angestammten Lokal. Die Band der betreuten Wohngemeinschaft Jabahe, die traditionell einmal im Jahr in der Musigbar auftritt, erweist die letzte Ehre. Ebenso verschiedenste Musiker, die im Laufe der Zeit mit Bar und Verein in Berührung gekommen sind. Nichtsdestotrotz geht es weiter: Ab 17. August wird in gewohnter Manier an zwei Freitagen pro Monat gerockt, gebluest und gejazzt – im Fumoir der Foxybar an der Bielstrasse 7.

«Das Lokal gehört dann halt einfach nicht mehr uns allein», sagt Vereinspräsidentin Monica Aeschbacher. Dadurch wird ein grosser Teil des Inventars der Musigbar, etwa Küche, Stühle und Tische, überflüssig. Was damit geschieht, ist noch unklar. Und Beschallungsanlage und Licht kann man fortan nicht mehr unkompliziert bis zum nächsten Konzert stehen lassen. Sie müssen weggeräumt werden, weil das Fumoir in der Zwischenzeit auch benützt wird. Dennoch ist Aeschbacher überzeugt: «Mit dem ‹Foxy› haben wir eine gleichwertige Lösung gefunden.»

Neuanfang für Bar und Musiker

Skeptischer zeigt sich einer der Gäste. «Wenn ein Klub umzieht, ist es nachher nicht mehr das Gleiche», sagt er. «Man weiss nicht, wie dort die Akustik und die Atmosphäre sind.» Trotzdem, mit dem «Foxy» und der Musigbar scheinen sich zwei gefunden zu haben. «Am neuen Ort darf man jetzt sogar offiziell rauchen», schmunzelt Aeschbacher. «Wir haben alle unseren eigenen Rhythmus im Leben», sagt «Jabahe»-Leiterin Therese Frei. Zwar über ihre Band, aber dennoch irgendwie passend zum samstagnachmittäglichen Anlass. «Aber wenn wir aufeinander hören, gibt es Musik.»

Zur Musik und zueinander gefunden haben auch die übrigen Bands. Engagiert hat der Verein für das Open Air niemanden – Aeschbacher hat lediglich befreundete Künstler zur Jam eingeladen. Zuvor stehen noch zwei Formationen auf der Bühne, beide bis anhin ohne Namen, die gemeinsam mit der Musigbar einen Neuanfang wagen: Alte Musikhasen, gute Bekannte, die sich zusammengerafft haben, um am Abschied ihr Debüt zu feiern – und vielleicht bald am neuen Ort wieder aufzutreten.

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