Im vergangenen Oktober vermeldete das Velodrome Suisse, dass die Migros Aare neuer Restaurant-, Hotel- und Cateringpartner des Velodromes wird, und zwar auf den 1. April 2018 oder möglicherweise noch früher.

Daraus wird jetzt nichts. Velodrome Verwaltungsratspräsident Silvio Bertini bestätigte Informationen dieser Zeitung, wonach Migros Aare den Vertrag nicht antreten wird. «Das ist so», bestätigt Bertini, ohne jedoch über die Gründe zu informieren. «Dazu kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts sagen.» Allenfalls werde man sich zu einem späteren Zeitpunkt äussern.

Als Nächstes gelte es, eine neue Lösung für das Pachtverhältnis zu finden. Ob man nun versuchen wird, den gekündigten Vertrag mit der Gastro Velodrome Suisse der Grenchner Gebrüder Traub zu verlängern, liess Bertini ebenfalls offen. John und Peter Traub hatten den Fünfjahresvertrag für das Restaurant und das Hotel ohne Verlängerung auslaufen lassen, wollten aber das Catering weiterführen. Dies wäre aber mit Migros Aare als Restaurantpächter nicht mehr möglich gewesen.

Migros Aare «bedauert»

Migros Aare hatte gemäss einer Medienmitteilung vom vergangenen Oktober das ganze Package übernehmen sollen, bekam aber Respekt vor dem Hotelbetrieb, wie Migros-Sprecher Reto Wüthrich auf Anfrage erklärt. «Die Übernahme eines Hotelbetriebs wäre für die Migros Aare ein Novum und eine Aktivität ausserhalb des Kerngeschäftes gewesen.

Dieser Aspekt wurde in den vergangenen Wochen vertieft geprüft und nochmals hinterfragt», schreibt Wüthrich auf eine Mail-Anfrage. Man sei dabei zum Schluss gekommen, «dass wir diesen Schritt nicht vollziehen wollen und können». Deshalb habe man die Rechte am Hotel- und Cateringgeschäft im Velodrome in Grenchen zurückgegeben. «Asche auf unser Haupt: Wir bedauern, dass unsere vertiefte Prüfung erst so spät erfolgte.»

Velodrome widerspricht

«Diese Begründung ist falsch», erklärt Velodrome-Geschäftsführer Peter Wirz. «Migros Aare hätte durchaus die Möglichkeit gehabt, nur das Catering zu übernehmen, wenn sie darauf bestanden hätte», so Wirz zur Migros-Erklärung. Die Absage von Migros Aare habe das Velodrome aus heiterem Himmel getroffen. «Wir waren schon in einer detaillierten Umsetzungsplanung, als aus der obersten Chefetage die Ankündigung kam, der Vertrag werde nicht unterzeichnet. Begründung dafür gabs keine», so die Darstellung von Wirz. «Das hat uns dann schon auf dem falschen Fuss erwischt.»

Ob die Velodrome Suisse AG den Ausstieg einfach so hinnehmen will, ist noch unklar. Auch wenn der Pachtvertrag noch nicht unterzeichnet war, habe es doch schon zahlreiche mündliche und auch schriftliche Abmachungen gegeben. Über den Rückzieher der Migros wurde bis jetzt offiziell auch noch nicht kommuniziert.

Traub sagt noch nichts

Und die Gastro Velodrome Suisse GmbH: Ist sie willens, ihre Geschäftsaktivitäten im Tissot Velodrome nun doch weiterzuführen? Peter Traub (Fotra AG) dem die Firma zusammen mit seinem Bruder John Traub (Restaurant und Hotel Airport) gehört, äussert sich auf Anfrage zurückhaltend. «Das werden wir zuerst zusammen besprechen müssen.»

Aufgrund der Track Cycling Challenge vor Weihnachten und über die Festtage habe man noch keine Gelegenheit gehabt, sich mit der neuen Ausgangslage auseinanderzusetzen.
Traub macht kein Hehl daraus, dass er vor allem am Catering-Vertrag interessiert wäre – wenn überhaupt. Der Betrieb des Restaurants sei hingegen schwierig, lässt er durchblicken. Man habe das Restaurant nicht gross aus den Einnahmen aus dem Hallencatering stützen können, denn auch dort habe das Velodrome seinen Anteil abgezweigt.

Velodrome-Chef Peter Wirz betont demgegenüber, dass über 90 Prozent der Hallencatering-Aktivitäten ohnehin mit der Firma Fotra abgewickelt worden sei, nicht mit der Gastro Velodrome Suisse AG. So gesehen könne man weiterhin mit Traub im Geschäft bleiben.

Restaurant soll bleiben

Als Nächstes werde man sich um einen Pächter für Restaurant und Hotel bemühen müssen. «Der Betrieb ist für das Velodrome wichtig und sogar Migros hatte nämlich von einem grossen Potenzial gesprochen.» Auch vom Velodrome beauftragte Experten sähen Entwicklungsmöglichkeiten. «Am 1. April wird das Restaurant jedenfalls nicht geschlossen, dafür werden wir sorgen.»

Für das Catering stünden die Interessenten übrigens Schlange und es gebe durchaus auch Interessenten für die Pacht, die Frage sei allerdings zu welchen Bedingungen. Man prüfe sogar die Möglichkeit, eine Tochterfirma zu gründen und den Betrieb selber zu führen.

Catering in Olten und Thun

Dass auch Migros Aare in erster Linie am Catering interessiert war, hätte man zwischen den Zeilen schon in der Medienmitteilung vom 12. Oktober 2017 herauslesen können: «Die Migros Aare hat auf diese Saison hin das Stadioncatering beim EHC Olten übernommen und ist seit mehreren Jahren für das Catering in der Stockhorn Arena in Thun zuständig. Mit dem Tissot Velodrome erweitert die Migros Aare diese Form des Caterings auf nunmehr drei Sportstadien», hiess es damals.